Panorama
Ankunft im Morgengrauen: Die "Ile de Sein"  im Hafen von Bayonne.
Ankunft im Morgengrauen: Die "Ile de Sein" im Hafen von Bayonne.(Foto: AP)

Die letzte Reise von Flug "AF 447": Leichen erreichen Frankreich

Mehr als zwei Jahre nach dem mysteriösen Verschwinden einer Air-France-Maschine über dem offenen Meer trifft im Hafen von Bayonne an der französischen Atlantikküste ein Schiff mit einer grausigen Fracht ein: Flugunfallermittler bringen 104 der 228 Todesopfer zurück an Land. Ihre Körper können zur Aufklärung des Absturzes beitragen - und damit womöglich künftige Katastrophen verhindern.

Flugzeugteile und sterbliche Überreste an Bord: Das Schiff, eigentlich ein Kabelleger, verfügt über schweres Gerät und ausreichend Platz.
Flugzeugteile und sterbliche Überreste an Bord: Das Schiff, eigentlich ein Kabelleger, verfügt über schweres Gerät und ausreichend Platz.(Foto: AP)

Mit Flugzeugteilen und 104 geborgenen Leichen an Bord ist das Schiff "Ile de Sein" im französischen Hafen Bayonne eingetroffen. Ein Kran begann damit, den Container mit den Leichen zu entladen. In drei weiteren Containern befanden sich die Wrackteile des abgestürzten Airbus A330. Die Behörden in Bayonne hatten angekündigt, dass die Toten "in Diskretion und Würde" weitertransportiert werden sollten. Die Unfallermittler hoffen, dass die Untersuchung der sterblichen Überreste zur Aufklärung der Absturzursache von Flug "AF 447" beitragen kann.

Die Air-France-Maschine war vor zwei Jahren in der Nacht zum 1. Juni auf ihrem Weg von Brasilien nach Frankreich über dem Atlantik von den Radarschirmen verschwunden. Der genaue Hergang des Unglücks ist nach wie vor unklar. Die Absturzstelle war erst nach aufwändigen Suchaktionen im dritten Anlauf gefunden worden.

Trümmerteile der Maschine lagen am Grund des Atlantiks. Flugdatenspeicher und Stimmrekorder konnten geborgen werden. Per Tauchroboter holten Tiefseeexperten 104 der insgesamt 228 beim Absturz ums Leben gekommenen Passagiere und Besatzungsmitglieder zurück an die Oberfläche. Die Bergung ist unter den Angehörigen umstritten. Einige wollten die Opfer lieber auf dem Meeresgrund lassen.

Stumme Zeugen der Katastrophe

Eine DNA-Analyse soll nun die Identifizierung der Opfer ermöglichen. Flugunfallermittler erhoffen sich von der gerichtsmedizinischen Untersuchung der Toten zudem weitere Hinweise auf die Absturzursache. Die Identifizierung ist dabei nicht nur für die Angehörigen von großer Bedeutung. Zusammen mit dem Sitzplan der Maschine und den noch feststellbaren Verletzungen ergeben sich womöglich zusätzliche Anhaltspunkte auf den Ablauf der Katastrophe. Ab Freitag sollen Pathologen in der Pariser Gerichtsmedizin mit der Identifizierung der Opfer beginnen.

Der Airbus stürzte am 1. Juni 2009 auf dem Nachtflug von Rio nach Paris in einem Unwetter ab. Die Maschine galt zunächst nur als verschollen. Erst Stunden nach der geplanten Ankunft in Paris wurden erste Befürchtungen zur traurigen Gewissheit. Alle 228 Menschen an Bord kamen ums Leben, unter ihnen 28 Deutsche. In den Tagen nach dem Absturz der Maschine waren bereits 50 Leichen geborgen worden. Für 74 Todesopfer bleibt der Meeresgrund die letzte Ruhestätte.

Die Unfallermittler werten derzeit die Flugschreiber aus, die in knapp 4000 Metern Tiefe gefunden worden waren. Nach ersten Erkenntnissen hatten die Piloten des Fluges AF447 aus bislang unerklärlichen Gründen nicht auf automatische Warnungen im Cockpit reagiert, als das Flugzeug nach einem Strömungsabriss an den Tragflächen in einem knapp vierminütigen Sinkflug aus 11.500 Metern Höhe ins Meer stürzte.

Bilderserie
Video

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen