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80 Meter lang und mit Helium angefüllt: Die neuartigen Radarträger (hier ein Prototyp auf der "White Sands Missile Range" im Bundesstaat New Mexico) verbergen die Raytheon-Technik in der Beule unter dem Bauch.
80 Meter lang und mit Helium angefüllt: Die neuartigen Radarträger (hier ein Prototyp auf der "White Sands Missile Range" im Bundesstaat New Mexico) verbergen die Raytheon-Technik in der Beule unter dem Bauch.(Foto: Reuters)

Unsichtbares Hightech-Schutzschild: Luftschiffe sollen Washington bewachen

Dieses Projekt dürfte nicht nur unter Verschwörungstheoretikern für Unruhe sorgen: Militärs wollen die US-Hauptstadt mit riesigen Luftschiffen vor anfliegenden Marschflugkörpern schützen. "Sie sind einfach für die Erfassung von Cruise Missiles da."

Die US-Hauptstadt erhält einen zusätzlichen Abwehrring zum Schutz vor etwaigen Attacken aus der Luft. Schon in der kommenden Woche sollen zwei stationäre Spezialluftschiffe im Nordosten des Stadtgebiets aufsteigen, heißt es in einem Bericht des Senders CNN. Die beiden schwebenden Fluggeräte sind Teil eines umfassenden elektronischen Abwehrnetzes rund um Washington.

Bei der neuartigen Schutzvorrichtung handelt es sich demnach um zwei mit Helium gefüllte, knapp 80 Meter langen Flugkörper, die ihren Dienst in einer Höhe von etwa 3000 Metern verrichten werden. Die Luftschiffe dürften damit in weitem Umkreis zu sehen sein.

Militär testet Abwehrsystem

Die unbemannten Flugobjekte verdoppeln die Reichweite der am Boden stationierten Radaranlagen und dienen nach Angaben von Militärs ausschließlich der frühen Entdeckung von Marschflugkörpern und anderer möglicher Attacken. Ähnliche Systeme sind an Militärbasen in Irak und Afghanistan bereits seit Jahren im Einsatz.

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Anders als bemannte Flugzeuge oder Drohnen können die Luftschiffe nahezu unbegrenzt in der Luft bleiben. Außerdem ergeben sich Vorteile bei der Zuladung: Leistungsstarke Instrumente und Anlagen zur elektronischen Luftraumüberwachung sind für kleinere Drohnen noch immer zu schwer.

Zeitgewinn vor dem Abschuss

Der Aufstieg der beiden Militärzeppeline ist Teil eines Testprogramms namens JLENS System, das vom nordamerikanischen Luftverteidigungskommando Norad betreut wird, heißt es in dem CNN-Bericht weiter. Die als "Aerostats" bezeichneten Fesselballons können laut Hersteller Raytheon mittels Radarstrahlen ein Gebiet von der Größe des US-Bundesstaats Texas überwachen.

Aktive Abwehrsysteme wie Kanonen, Raketen oder etwa Laser sind auf den Luftschiffen nicht installiert, heißt es - und auch gar nicht vorgesehen. Vielmehr sollen die fliegenden Radarstationen später zu einem Netz aus verbundenen Frühwarneinheiten verbunden werden.

Die umgangssprachlich "Blimps" genannten Luftschiffe sollen offiziellen Angaben zufolge den Entscheidungsspielraum der Luftabwehr in der Region rund um die US-Hauptstadt erweitern und den Verantwortlichen so mehr Zeit für "effektive und akkurate" Gegenmaßnahmen verschaffen. Etwaige Abschüsse müssten im Ernstfall weiterhin die dafür vorgesehenen Boden-Luft-Raketen, Schiffe und Kampfjets übernehmen.

"Sie dienen nicht der Überwachung"

Das US-Militär geht offenbar davon aus, dass die schwebenden Radarballone Verunsicherung in der Bevölkerung auslösen dürften. Ausdrücklich betont wird, dass das JLENS-System über keinerlei Kameras verfügen. Die Luftschiffe werden über einem Testgelände der US-Streitkräfte im benachbarten Bundesstaat Maryland aufsteigen. "Sie dienen nicht der Überwachung", versicherte Norad-Sprecher Michael Kucharek bei CNN - um kurz darauf den wenig beruhigenden Satz hinzuzufügen: "Sie sind einfach für die Erfassung von Cruise Missiles da."

Ob eine konkrete Bedrohung vorliegt, ließ das US-Militär offen. Stattdessen bemühte sich Kucharek um einen Scherz. "Es ist unsere volle Absicht, die durch das System gewonnenen Informationen zu nutzen, um dem Weihnachtsmann auf die Spur zu kommen." Aus den Mitteln für Öffentlichkeitsarbeit hat das Luftverteidigungskommando tatsächlich eine Internetseite mit dem Titel "Norad tracks Santa" finanziert.

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Quelle: n-tv.de

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