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Australiens Vizepremierminister Warren Truss ist "optimistisch", dass nun endlich das wahrscheinliche Absturzgebiet identifiziert wurde.
Australiens Vizepremierminister Warren Truss ist "optimistisch", dass nun endlich das wahrscheinliche Absturzgebiet identifiziert wurde.(Foto: picture alliance / dpa)

Millionen-Prämie ausgeschrieben : MH370-Suche startet völlig neu

Das Schicksal von Flug MH370 bleibt auch über ein Vierteljahr nach dem Verschwinden unklar. Australien will die Suche nach der Boeing nun noch einmal neu aufrollen. Privaten Firmen winken Millionen, wenn sie in dem riesigen Suchgebiet fündig werden.

Das seit Anfang März vermisste Passagierflugzeug von Malaysia Airlines war laut den Behörden Australiens bis kurz vor seinem Verschwinden im Autopilot-Modus unterwegs, bis schließlich der Treibstoff zur Neige ging und die Maschine wohl abstürzte. "Andernfalls hätte es nicht die gleichmäßige Route fliegen können, die anhand von Satellitenaufnahmen identifiziert wurde", sagte Vizepremierminister Warren Truss. Ein neuer Expertenbericht kommt zu dem Schluss, dass ein Druckabfall im Cockpit einen Kontrollverlust der Piloten von Flug MH370 verursacht haben könnte.

Anlässlich des 100. Tags des Verschwindens von MH370 verleihen Angehörige in Malaysia ihrer Trauer durch selbstgebastelte Erinnerungsstücke Ausdruck.
Anlässlich des 100. Tags des Verschwindens von MH370 verleihen Angehörige in Malaysia ihrer Trauer durch selbstgebastelte Erinnerungsstücke Ausdruck.(Foto: picture alliance / dpa)

Die Experten haben sich nach der bislang erfolglos verlaufenen Suche noch einmal alle verfügbaren Daten vorgenommen. Ihnen zufolge sei es "sehr, sehr wahrscheinlich", dass die Boeing 777 im Autopilot flog, sagte Truss mit Blick auf die vor dem Absturz vermutlich zurückgelegte Route.

Die Ermittler gehen seit langem von bewussten Manipulationen an Bord aus. Rund eine Stunde nach dem Start seien die Kommunikationssysteme an Bord anscheinend absichtlich abgestellt worden, hieß es schon eine Woche nach dem Verschwinden der Maschine. Das deutete auf Sabotage eines Passagiers oder Piloten hin, doch hat die Überprüfung aller Insassen bislang keinen Hinweis auf ein Motiv gebracht.

Weitere zwölf Monate veranschlagt

Die australische Verkehrssicherheitsbehörde ATSB stellte nun einen neuen Bericht vor, in dem das Szenario eines Druckabfalls im Cockpit beschrieben wird. Die Kette der Ereignisse sei wie in einem Fall von Hypoxie, Sauerstoffmangel im Blut, aufgrund dessen die Besatzung nicht habe reagieren können. Darauf lasse sich aus den vorhandenen Erkenntnissen über die letzten Momente von Flug MH370 schließen.

Mehrere Länder sind nach wie vor an der Suche beteiligt. Hier befinden sich ein australisches Flugzeug und ein britisches Schiff im ursprünglich angenommenen Absturzgebiet.
Mehrere Länder sind nach wie vor an der Suche beteiligt. Hier befinden sich ein australisches Flugzeug und ein britisches Schiff im ursprünglich angenommenen Absturzgebiet.(Foto: picture alliance / dpa)

Die These vom Flug auf Autopilot äußerte auch Martin Dolan von der für die Koordinierung der Suche zuständigen ATSB. Die Experten seien anhand der elektronischen Signale, die das Flugzeug regelmäßig an Satelliten sendete, zu dem Schluss gekommen, dass es in einer geraden Linie flog. Die Suche werde sich nun auf die Gegend konzentrieren, in der das Flugzeug die letzten Signale gesendet habe. Zuvor war im südlichen Indischen Ozean intensiv nach Wrackteilen gesucht worden - sowohl aus der Luft als auch im Meer. Sogar ein U-Boot wurde eingesetzt, um den Meeresgrund abzusuchen.

Nach Angaben von Truss soll die Suche nun in eine Gegend knapp 1000 Kilometer weiter südlich des bisherigen Gebietes im Indischen Ozean verlegt werden. Die Experten hätten Satellitendaten ausgewertet, die zuvor nicht als hilfreich angesehen worden waren, sagte der Vizepremier. Sie hätten "extrem komplizierte Berechnungen" angestellt. Er sei "optimistisch", dass es sich bei diesem Gebiet um den wahrscheinlichen Absturzort des Flugzeugs handele, sagte Truss. "Die Suche wird äußerst sorgfältig sein", fügte er hinzu. "Natürlich würden wir uns freuen, in der ersten Stunde oder am ersten Tag fündig zu werden. Aber es könnte weitere zwölf Monate dauern."

Größte Unterwassersuchmission der Geschichte

Der Ortswechsel kommt zu einem Zeitpunkt, da private Unternehmen sich darauf vorbereiten, die vermutlich größte Unterwassersuchmission in der Geschichte zu übernehmen. Am Montag endet die Frist für Gebote. Die Behörden bieten bis zu 50 Millionen australische Dollar, umgerechnet rund 34,5 Millionen Euro, für eine Firma oder Forschungsorganisation, die über 52.000 Quadratkilometer abgelegener See, eine Fläche etwas größer als Niedersachsen, durchsuchen soll. Bis zu 300 Tage könne es dauern, das Gebiet mit Hilfe von Sonar-Ausrüstung abzuscannen.

Im bisherigen Suchgebiet - einer Fläche von 850 Quadratkilometern nordwestlich der australischen Stadt Perth gelegen - waren Signale aufgefangen worden. Dies hatte die Hoffnung genährt, auf einer heißen Spur zu sein. Inzwischen wird jedoch angenommen, dass die Signale nicht von dem Flugdatenschreiber stammten.

Die ATSB will sich etwa vier Wochen Zeit lassen, um die Angebote durchzugehen, bevor man sich für einen Auftragnehmer entscheiden wird, der die erneute Suche leiten soll. Wer auch immer den Zuschlag bekommt, hat lediglich einen Monat Zeit, um eine Crew auf die Beine zu stellen und die notwendige Ausrüstung an Land zu schaffen, um mit der Suche noch vor August zu beginnen.

Australien koordiniert die Suche nach dem Flugzeug der Malaysia Airlines, das am 8. März nach dem Start in Kuala Lumpur in Richtung Peking von den Radarschirmen verschwand. An Bord befanden sich 239 Menschen. Über ihr Schicksal und darüber, was an Bord der Maschine passierte, herrscht völlige Ungewissheit.

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Quelle: n-tv.de

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