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Endlich keine Staus mehr! Bis zu 50.000 Autos soll der geplante Radschnellweg von den Straßen des Ruhrgebiets fernhalten.
Endlich keine Staus mehr! Bis zu 50.000 Autos soll der geplante Radschnellweg von den Straßen des Ruhrgebiets fernhalten.(Foto: dpa)

Erster Abschnitt eingeweiht: Mega-Radweg lässt Ruhrgebiet träumen

Hohe Arbeitslosigkeit, klamme Kassen und ständig Stau auf der A40 - daran denken viele wenn sie vom Ruhrgebiet hören. Doch macht die Region mit einem in Deutschland beispiellosen Projekt von sich reden.

Startschuss für den ersten Radschnellweg in einem deutschen Ballungsgebiet: In Mülheim an der Ruhr ist am Freitag das erste Teilstück einer geplanten Radschnellverbindung quer durch das Ruhrgebiet eröffnet worden, wie der Regionalverband Ruhr (RVR) mitteilte. Der rund fünf Kilometer lange Abschnitt wurde auf einer stillgelegten Güterbahntrasse errichtet und gilt als Prototyp für den künftigen Radschnellweg Ruhr, den die Planer als RS1 bezeichnen.

Diese gut 100 Kilometer lange Schnellverbindung für Radfahrer soll in einigen Jahren von Hamm in Westfalen bis nach Duisburg am Rhein führen. Der nun eröffnete erste Abschnitt verbindet den Mülheimer Hauptbahnhof mit der Stadtgrenze zu Essen. Er besteht aus einem vier Meter breiten, asphaltierten Radweg und einem durch einen Schotterstreifen abgetrennten Fußweg von zwei Metern Breite.

Der künftige Fahrrad-Highway RS1 soll zehn Stadtzentren und vier Universitäten verbinden. Allein im unmittelbaren Einzugsbereich der geplanten Trasse leben laut RVR rund 1,8 Millionen Menschen. Schätzungen zufolge könnte der geplante Radschnellweg dazu führen, dass pro Tag künftig 50.000 Autos weniger die Straßen der staugeplagten Ruhr-Region belasten. Die Kosten für den RS1 werden auf knapp 184 Millionen Euro beziffert.

Umweltschützer freuen sich

Bei der Eröffnung des ersten Teilstücks nannte Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Michael Groschek das Gesamtvorhaben ein "Projekt mit bundesweiter Strahlkraft". Mit ihm werde das Ruhrgebiet "zum Wegbereiter für eine moderne, umweltschonende, gesunde und nachhaltige Mobilität", so der SPD-Politiker. Bei einer Umfrage hätten sich mehr als 60 Prozent der befragten Bürger für den RS1 ausgesprochen. Groschek zeigte sich überzeugt, dass die Zustimmung bei den Anwohnern noch wachsen werde, "wenn sie buchstäblich erfahren, wie entspannt und zügig man auf der großzügig ausgebauten Referenzstrecke pedalieren kann".

Auch die Umweltorganisation Greenpeace begrüßte das großangelegte Projekt als richtigen Schritt. "Eine urbane Fahrradstraße ist ein wichtiger Baustein für eine nachhaltige Mobilität", erklärte der Greenpeace-Verkehrsexperte Daniel Moser in Hamburg. "Nach Jahrzehnten verfehlter Verkehrsplanung und Stadtentwicklung beginnt die Politik im Ruhrgebiet zu verstehen, dass klimafreundliche Mobilität auch kostensparend und komfortabel ist."

Die Verkehrspolitik in deutschen Städten müsse sich künftig an den Bedürfnissen der Menschen und nicht an der Automobilindustrie orientieren, mahnte Moser. Dazu gehörten der Ausbau eines leistungsfähigen öffentlichen Personennahverkehrs und ein besseres Radwegenetz. "Die Entwicklung des Radschnellwegs ist ein Schritt in die richtige Richtung, der in Deutschland Schule machen sollte."

Quelle: n-tv.de

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