Panorama

57 Tote 2010Mehr Journalisten entführt

30.12.2010, 12:12 Uhr

Sie werden von Kriminellen als Druckmittel eingesetzt: Weltweit werden immer mehr Journalisten entführt. Reporter ohne Grenzen zieht Bilanz, wie gefährlich die Arbeit der Medien geworden ist. Es gab 2010 auch einen "traurigen Rekord".

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Der britische Journalist Rupert Hamer wurde Anfang des Jahres in Afghanistan getötet. (Foto: picture alliance / dpa)

Mord, Entführung, Repressalien: Journalisten leben in vielen Ländern gefährlich. 57 Reporter sind dieses Jahr bei ihrer Arbeit getötet worden, 51 Journalisten wurden gekidnappt. Damit lag die Zahl der Entführungen höher als in den zwei Jahren davor, wie die Organisation Reporter ohne Grenzen in ihrem Jahresbericht feststellte. Die Zahl der Todesopfer ging hingegen zurück: 2009 waren noch 76 Journalisten getötet worden. Allerdings gab es damals ein Massaker auf den Philippinen, das allein 32 Medienmitarbeiter das Leben kostete.

Journalisten würden immer weniger als neutrale Beobachter gesehen, berichtete Reporter ohne Grenzen. Besonders in Afghanistan und Nigeria seien sie dem Risiko ausgeliefert, verschleppt zu werden. "Journalisten werden zunehmend als eine Art Verhandlungsmasse betrachtet", heißt es in der Bilanz.

Bezeichnend sei auch, dass es immer schwieriger werde, die Verantwortlichen zu finden, wenn Journalisten von kriminellen Banden, bewaffneten Gruppen, religiösen Organisationen oder von staatlicher Seite umgebracht werden.

Pakistan verzeichnet die meisten Toten

"Wenn die Regierungen nicht alle möglichen Versuche unternehmen, um die Mörder der Journalisten zu bestrafen, machen sie sich zu deren Komplizen", sagte der Generalsekretär von Reporter ohne Grenzen, Jean-Francois Julliard. Meist seien organisierte kriminelle Gruppen oder Milizen die Täter.

Die meisten Toten waren in Pakistan zu beklagen, wo 11 Journalisten starben. Im Irak verloren sieben Reporter ihr Leben, drei mehr als im Jahr davor. Besonders gefährlich ist es für Medien auch in Mexiko mit seinen brutalen Drogenhändlern. In Europa gab es zwei Todesfälle: In Athen wurde ein Radiochef erschossen, in Lettland ein Zeitungsherausgeber. Ein "trauriger Rekord" ist für Reporter ohne Grenzen, dass in 25 Ländern Kollegen getötet wurden.

Angegriffen oder bedroht wurden dieses Jahr 1374 Reporter (2009: 1456); 535 wurden festgenommen, etwas weniger als zuvor. 504 Medien wurden zensiert (570). In 62 Ländern wird das Internet zensiert. 152 Blogger oder Internetnutzer wurden festgenommen.

Quelle: dpa