Bonbons, Müsli, KäseMelamin-Skandal weitet sich aus
Der chinesische Melaminskandal weitet sich aus. Neben Bonbons sind auch Kekse und Baby-Müsli mit Melamin verseucht. Sogar Käse von Pizza Hut war belastet.
Vom chinesischen Milchskandal sind immer mehr Produkte betroffen. Ein chinesischer Hersteller habe den Verkauf der bekannten Bonbon-Marke "White Rabbit" gestoppt, weil diese ebenfalls mit der Chemikalie Melamin belastet sind, wie die Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Außerdem wurde aus Hongkong erstmals die Belastung von Baby-Müsli bekannt. Die Fast-Food-Kette Pizza Hut zog in Taiwan mit Melamin belasteten Käse aus dem Verkehr. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Welternährungsorganisation (FAO) riefen zur erhöhter Wachsamkeit gegenüber Melamin-verseuchten Produkte auf.
Ins Ausland exportierte Bonbons der Marke "White Rabbit" seien zurückgerufen und der Verkauf in China vorübergehend eingestellt worden, sagte eine Sprecherin des Shanghaier Herstellers Bright Food Co., der auf chinesisch Guangshengyuan heißt. Laut Xinhua waren die mit Melamin belasteten Süßigkeiten in etwa 20 Länder vor allem in Südostasien exportiert worden. In London teilte die Supermarktkette Tesco mit, sie habe den Verkauf der Bonbons ausgesetzt. Die "White Rabbit"-Bonbons sind Klassiker, schon dem damaligen US-Präsidenten Richard Nixon wurden bei seinem China-Besuch 1972 welche angeboten.
Die Behörden von Hongkong teilten mit, Melamin sei in einem Baby-Müsli der Firma Heinz sowie in Reis-Waffeln gefunden worden. Daraufhin sei ein Rückruf angeordnet worden.
Pizza Hut entschuldigt sich
Pizza Hut in Taiwan nahm landesweit geriebenen Käse aus dem Vertrieb. Tests hatten nach Unternehmensangaben einen Melamingehalt nachgewiesen, der 30 Mal so hoch war wie der erlaubte Grenzwert. "Wir entschuldigen uns bei der Öffentlichkeit", sagte eine Unternehmenssprecherin in Taipeh. Der Käse stammte demnach von der neuseeländischen Firma Fonterra. Diese arbeitet mit dem chinesischen Hersteller Sanlu zusammen, der als erster im Zusammenhang mit dem Lebensmittelskandal in die Schlagzeilen geraten war. Eine weitere Komponente der Käsemischung wurde aus Malaysia geliefert.
In Hongkong verbannten die Supermarkt-Ketten ParknShop und Wellcome in China hergestellte Kekse der Marke Lotte's Koala aus ihren Regalen. Die Gesundheitsbehörden von Macau hatten bei den Keksen zuvor einen extrem hohen Melamin-Wert festgestellt. Die Chemikalie wird eigentlich bei der Plastikherstellung verwendet, durch die Verarbeitung von Melamin in Lebensmitteln soll ein höherer Eiweißgehalt vorgetäuscht werden.
53.000 Baby erkrankt
In China starben bislang vier Säuglinge durch Melamin-verseuchtes Milchpulver, 53.000 weitere wurden durch das Pulver krank. Erstmals wurden auch in Taiwan Krankheitsfälle bestätigt. Drei Kleinkinder und eine Frau litten nach dem Trinken verseuchter chinesischer Milchprodukte an Nierensteinen, teilte die Universitätsklinik in Taipeh mit. Alle Vier seien regelmäßig in China gewesen.
WHO und FAO riefen angesichts des Melaminskandals gemeinsam zu "erhöhter Wachsamkeit" auf. Die Länder, in denen verseuchte Produkte gefunden worden seien, sollten "die Ernährungssicherheit von Millionen Kindern sicherstellen", hieß es in der in Rom veröffentlichten Erklärung. Um das Vertrauen der Verbraucher wieder herzustellen, müssten belastete Lebensmittel sofort aus dem Handel genommen werden. Die EU-Kommission hatte am Donnerstag ein Import-Verbot für alle Kinder-Lebensmittel aus China angekündigt, die Milchprodukte enthalten.
Der WHO-Vertreter in China, Hans Troedsson, gab keine Entwarnung für die Volksrepublik. "Es könnten noch mehr Todesfälle aufgedeckt werden, aber wir glauben nicht, dass es eine hohe Zahl sein wird", sagte er am Freitag in Peking.