Montag, 11. Januar 2010
Traurige Prognose für China: Millionen Männer bleiben einsam
Millionen Chinesen steht eine einsame Zukunft bevor. Wegen eines massiven Männerüberschusses könnten schon im Jahr 2020 rund 24 Millionen Männer in China keine Lebensgefährtin finden, berichtete die chinesische Zeitung "Global Times" unter Berufung auf eine Studie der Akademie der Sozialwissenschaften. Hauptursache sind die weit verbreiteten gezielten Abtreibungen weiblicher Föten.
Angesichts der Vorschrift der Regierung, dass sie nur ein Kind haben dürfen, entscheiden viele Paare sich gegen Mädchen und für Jungen. "Selektive Abtreibung ist in ländlichen Gebieten weiterhin äußerst verbreitet", heißt es in der Studie. Auf dem Lande sei auch die traditionell verwurzelte Bevorzugung von Söhnen gegenüber Töchtern am stärksten. Neben diesen kulturellen Gründen gibt es aber auch konkrete Existenzängste, die die Entscheidung beeinflussen. Wegen mangelnder staatlicher Altersvorsorge zählen viele Familien auf männlichen Nachwuchs, um im Alter materiell abgesichert zu sein.
Die Ein-Kind-Politik begann im Jahr 1979 und hat nach Überzeugung der Regierung bereits 400 Millionen Geburten verhindert. Die Bevölkerung im Reich der Mitte konnte so auf heute 1,3 Milliarden Menschen begrenzt werden. Ausnahmen gibt es unter anderem für Landwirte und ethnische Minderheiten. Seit aber die Früherkennung die Bestimmung des Geschlechts des Kindes im Mutterleib ermöglicht, werden selektive Abtreibungen praktiziert. Während im Jahr 1982 das Verhältnis von Jungen und Mädchen bei den Neugeborenen 108 zu 100 betrug, liegt es nach Auskunft der Familienplanungskommission derzeit bei 117 zu 100, in einigen Gebieten sogar bei 130 Jungen auf 100 Mädchen.
Entführungen und Frauenhandel "weit verbreitet"
Leidtragende werden die Männer und schließlich auch die Volkswirtschaft sein, erwartet der Forscher Wang Yuesheng. "Männer über 40 auf dem Lande werden kaum eine Chance haben zu heiraten", sagt Wang. Dadurch würden sie mehr auf soziale Sicherungssysteme angewiesen sein. Auch stehe zu befürchten, dass Männer mit niedrigem Einkommen es schwerer haben werden, eine Partnerin zu finden.
Der Frauenmangel führe auch zu Entführungen und Frauenhandel berichtete die "Global Times" unter Berufung auf die Familienplanungskommission. In Regionen mit hohem Männerüberschuss seien diese Phänomene "weit verbreitet". Die Autoren der Akademie für Sozialwissenschaften forderten die Regierung auf, die Ein-Kind-Politik zu beenden. Außerdem sollten überregionale Heiraten gefördert werden.
AFP
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