Dienstag, 16. Februar 2010
Israel erschüttert: Missbrauchsvorwürfe gegen Rabbi
(Foto: picture alliance / dpa)
Ein Skandal um sexuellen Missbrauch junger Schutzbefohlener durch einen geistlichen Erzieher erschüttert Israels Öffentlichkeit. Der nationalreligiöse Rabbi Mordechai Elon soll sich nach israelischen Medienberichten mehrfach Jugendlichen und jungen Männern, die ihn um Rat in intimen Fragen baten, unsittlich genähert haben. Der Rabbiner selbst und seine Anhänger wiesen die Anschuldigungen allerdings vehement als Lügen zurück.
Der Fall löste in Israel eine heftige Debatte über die Kette des Schweigens aus, die oft eine Verfolgung von Missbrauchsfällen innerhalb der religiösen Gesellschaft verhindere. Im Fall von Rabbi Elon drangen die Vorwürfe durch eine Stellungnahme des "Forums Takana" an die Öffentlichkeit, einer 2003 gegründeten Vereinigung mehrerer reliöser Einrichtungen, die sich gegen sexuellen Missbrauch innerhalb des religiösen Sektors einsetzt. Dem Rabbiner würden "Taten vorgeworfen, die gegen die Werte von Heiligkeit und Moral verstoßen", hieß es in darin unter anderem.
Ein namentlich ungenannter junger Mann erzählte dann der Zeitung "Jediot Achronot", er sei vor zehn Jahren zur Beratung bei dem Rabbiner gewesen; dieser habe ihn dazu aufgefordert, die Unterhose auszuziehen und ihn dann im Intimbereich berührt. Der junge Mann habe sich aber damals nicht an die Polizei gewandt. Nach Medienberichten liegen noch weitere Beschwerden gegen Elon vor.
Rechtsanwältin Batia Kanana-Dror von "Kolech", einer Organisation religiöser jüdischer Frauen, sagte dem israelischen Rundfunk: "Es ist, als ob der Himmel eingestürzt ist. Was sollen wir jetzt unseren Kindern sagen?" Der israelische Justiz-Experte Mosche Negbi sagte dem Sender, Rabbiner genössen in Israel de facto häufig eine Art Immunität. Die Justiz gehe daher Missbrauchsvorwürfen nicht entschieden genug nach.
dpa
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