Panorama

"Arabien sucht den Superstar"Mohammed gibt Gaza Hoffnung

22.05.2013, 08:01 Uhr

Ein Lichtblick im harten Alltag des Gazastreifens: Die Palästinenser feiern ihren neuen Helden. Der 22 Jahre alte Mohammed gehört zu den Favoriten einer arabischen Castingshow. Er gibt einem ganzen Volk Selbstvertrauen - doch sein Erfolg wird zum Politikum.

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Ein Bild von Mohammed Assaf hängt an einer Hauswand in Ramallah im Westjordanland. (Foto: Reuters)

Kreischende Fans versammeln sich jeden Freitag und Samstag in Cafés und Restaurants des Gazastreifens und des Westjordanlands. Auf Großbildschirmen bejubeln sie ihren lokalen Helden Mohammed Assaf. Er hat es bis in die Endrunde der gesamt-arabischen Castingshow "Arab Idol" geschafft, dem Pendant zu "Deutschland sucht den Superstar".

Der 22 Jahre alte Sänger aus Gaza überstand bei den Liveauftritten in Beirut im Libanon adrett gekleidet und mit mächtiger Stimme alle Ausscheidungen und die beiden ersten Endrunden. Er gehört nun zu den letzten acht Kandidaten, die den Titel, einen Sportwagen und einen Plattenvertrag gewinnen können.

"Ich bin so stolz, dass er von hier ist."

"Er hat es verdient zu gewinnen", sagt die 19-jährige Maja in einem Café von Assafs Heimatstadt Gaza. Nach einem Zug an der Wasserpfeife erklärt sie warum: "Seine Stimme ist großartig, seine Bühnenpräsenz noch besser, niemand dort ist wie er. Er ringt um das Ansehen von Palästina und Gaza. Ich bin so stolz, dass er von hier ist."

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Auch Teilnehmer aus dem krisengeschüttelten Syrien nehmen an "Arab Idol" teil, hier Abdel Karim Hamdan bei einem Interview. (Foto: AP)

"Gaza ist eben nicht nur Terrorismus, Tod und Gewalt", sagt Zuschauerin Sana beim Public Viewing der letzten Sendung. "Wir haben Künstler, die ihr Talent entwickeln wollen und die dafür ein wenig Freiheit brauchen", ergänzt sie.

Assaf, der in der Sendung als Vertreter "Palästinas" präsentiert wird und inzwischen auch in den israelischen Medien Beachtung findet, wird nicht nur in der breiten Öffentlichkeit bewundert, sondern auch von prominenten Politikern im Westjordanland: Palästinenserpräsident Mahmud Abbas von der Fatah-Bewegung rief den jungen Sänger an. Und der kommissarische Regierungschef Salam Fajad unterstützt ihn mit Einträgen auf seiner Facebookseite.

Mohammeds Auftritte sind politisch brisant

Als Assaf fünf Jahre alt war, kehrte seine Familie aus dem libyschen Misrata, wo der Vater als Buchhalter gearbeitet hatte, in den Gazastreifen zurück. Dort sang der Junge mit Inbrunst nationalistische Palästinenserlieder, was ihm bereits TV-Auftritte bescherte. Und auch seine Titelauswahl bei "Arab Idol" ist politisch beeinflusst.

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Die irakische Sängerin Barwas Hussein. (Foto: AP)

"Palästina, der Norden wie der Süden, zwei Brüder in der Arabischen Welt", hieß der Refrain bei seinem jüngsten Auftritt. Das Saalpublikum in der libanesischen Hauptstadt hielt Palitücher hoch und die Jury, zu der arabische Popgrößen gehören, klatschte ekstatisch mit. Doch die Konkurrenz in der Castingshow, die vom saudiarabischen Sender MBC live in Beirut produziert wird, ist beinhart. Zu den Interpreten aus dem gesamten Nahen Osten und Nordafrika, die es bis hier geschafft haben, gehört auch ein Bewerber aus der kriegsumtobten syrischen Stadt Aleppo.

Arbeiten in Gaza? Unmöglich!

Auch Assaf musste viele Schwierigkeiten überwinden, um auf die große Bühne zu gelangen, angefangen bei der strikten israelischen Blockade des Gazastreifens, seit die radikalislamische Hamas dort 2007 an die Macht kam. Die Hamas missbilligt Veranstaltungen wie "Arab Idol" als un-islamisch. Doch auch wenn Hamas-Aktivisten auf Facebook eine Kampagne gegen die Assaf-Euphorie starteten, hielt sich die Führung bislang lieber heraus.

Assafs Eltern, die ihre Wohnung mit Arab-Idol-Aufnahmen des Sohns geschmückt haben, wissen, dass er zu Hause seinen Erfolg nicht verwerten kann. "Die Jugend hier will normal leben", sagt die Mutter Umm Schadi, Lehrerin in einem Flüchtlingslager. "Aber dafür muss sie aus ihren harten Lebensumständen ausbrechen." Und Vater Dschaber sagt: "Wenn er davon leben will, muss er Gaza leider verlassen."

Quelle: ntv.de, Adel Zaanoun, AFP/jtw