Panorama
"Jabbas Palace" - ein Stück Volksverhetzung?
"Jabbas Palace" - ein Stück Volksverhetzung?

"Pädagogisch verwerfliches" Spielzeug: Muslime wollen Lego verklagen

Ein Spielzeug entsetzt die Türkische Gemeinde Österreichs: Der Lego-Star-Wars-Bausatz "Jabba's Palace". Der Palast ähnelt der Hagia Sophia in Istanbul und wird von Figuren mit Laserpistolen und Raketenwerfen behaust, so der Vorwurf. Schüren die Plastikklötze rassistische Vorurteile gegen den Islam?

Die Türkische Kulturgemeinde in Österreich spricht von "pädagogischem Sprengstoff", ja "Volksverhetzung", und sie erwägt rechtliche Schritte gegen den dänischen Spielzeughersteller Lego. Stein des Anstoßes ist der Bausatz "Star Wars - Jabba's Palace". Auf ihrer Internetseite erklärt die Gemeinde: Das rund 140 Euro teure Spielzeug enthalte "verwerfliche" Elemente. Sie prüfe daher eine Klage gegen Lego in Österreich, Deutschland und der Türkei.

Mit diesem Bild erklärt die Türkische Kulturgemeinde ihren Protest.
Mit diesem Bild erklärt die Türkische Kulturgemeinde ihren Protest.

Worum geht es genau? Die türkische Gemeinde wirft dem Spielzeughersteller vor, mit "Jabba's Palace", einem aus den "Star Wars"-Filmen von George Lucas nachgebildeten Gebäude, einen "Eins-zu-Eins-Abklatsch" der Hagia-Sophia in Istanbul geschaffen zu haben. Der Turm des Bausatzes ähnele zudem einem Minarett. In Verbindung mit den Spielfiguren und ihren Waffen (Raketen, Kanonen, Laserpistolen, Gewehre und Samuraischwerter), könne bei Kindern der Eindruck entstehen, der Islam sei eine gewalttätige Religion. So schüre es die Assoziation, der Vorbeter im Minarett sei wie im Lego-Baukasten ein "Krimineller mit Axt und Sturmgewehr". Ganz zu schweigen von Jabba dem Hutten, dem Wasserpfeife rauchenden, wurmartigen Herrn des Hauses. Im Star-Wars-Universum ist der schließlich ein Terrorist, Sklavenhalter und Mörder ...

Lego entschuldigt sich

Mit dem Spielzeug würden "rassistische Vorurteile und gemeine Unterstellungen gegenüber den Orientalen und Asiaten als hinterlistige und kriminelle Persönlichkeiten bedient", heißt es weiter. Lego erweise dem friedlichem Zusammenleben verschiedener Kulturen und Gemeinschaften einen schlechten Dienst. Unabhängig von einer möglichen Klage sei der weltweit führende Konzern in Sachen Kinderspielzeug aufgefordert, "sich für die Verletzung religiöser und kultureller Gefühle öffentlich zu entschuldigen".

Lego weist die Vorwürfe in einer Presseerklärung zurück. "Die Lego-Gruppe bedauert, dass das Produkt dazu geführt hat, dass Mitglieder der türkischen Gemeinde es falsch interpretiert haben", heißt es darin. Das Produkt "Jabba's Palace" stelle aber keine nicht-fiktionalen Gebäude, Menschen oder besagte Moschee dar. Vielmehr sei der Konzern bemüht, die fiktionale Welt des Star-Wars-Universums so naturgetreu abzubilden wie möglich. Mit anderen Worten: Wenn die türkische Gemeinde irgendjemanden verklagen will, müsste sie wohl bei "Lucasfilm" anfangen, den Schöpfern von Star Wars. Der Beweis, dass es sich bei den Geschichten rund um Luke Skywalker und Darth Vader, Ewoks und Jedis nicht um Fiktion handelt, könnte schwerfallen.

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen