Sonntag, 26. August 2007
Briefe beweisen: Mutter Teresa zweifelte an Gott
Die in Briefen dokumentierten Glaubenszweifel von Mutter Teresa sind nach Ansicht von hohen Kardinälen kein Hindernis für eine mögliche Heiligsprechung der Ordensgründerin und Friedensnobelpreisträgerin. Das berichtete die römische Zeitung "La Repubblica". Die Kirche kenne solche "Momente der Zweifel" auch bei Heiligen, sagte der spanische Kurienkardinal Julian Herranz. "Solche Augenblicke der Krise sind normal und ganz in der Tradition", zitiert das Blatt den ehemaligen Mitarbeiter im Prozess der Heiligsprechungen. Zudem seien die jüngst veröffentlichten Briefe dem Vatikan bereits vor der Seligsprechung im Jahr 2003 bekannt gewesen.
Die US-Zeitschrift "Time Magazine" hatte vergangene Woche mehrere Briefe der 1997 gestorbenen katholischen Ordensfrau veröffentlicht. Darin berichtete sie immer wieder von "Dunkelheit", "Einsamkeit" und "Qual" und meinte, sie hege Zweifel an der Existenz Gottes und der Existenz Jesu Christi. Ihr Lächeln, schreibt sie, sei "eine Maske" oder "ein Mantel, der alles verdeckt".
Die Ordensfrau selbst hatte immer darum gebeten, ihre Korrespondenz zu vernichten, die Kirche gewährte diesen Wunsch jedoch nicht. Die gebürtige Albanerin war vor allem durch ihre Arbeit in indischen Elendsvierteln weltweit bekannt geworden. Wie lange der Prozess der Heiligsprechung dauern könnte, ist derzeit völlig unklar. Selige können von den Gläubigen in ihren Ortskirchen verehrt werden, Heilige in der gesamten Weltkirche.
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