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Einmal so sein, wie Kapitän Picard: Der Chefsessel des "Information Dominance Center".
Einmal so sein, wie Kapitän Picard: Der Chefsessel des "Information Dominance Center".

Verchromte Armaturen, riesige Bildschirme, Schiebetüren: NSA-Chef baute Raumschiff Enterprise nach

Man habe die "Illusion, ein Raumschiff zu besteigen", beschreiben die Architekten den Raum, den sie für den jetzigen NSA-Direktor Keith Alexander bauten. Der Science-Fiction-Fan wollte in seinem "Information Domination Center" wohl tatsächlich wie ein Weltraumkommandant wirken.

Einflussreichen Gäste ließ General Keith Alexander gerne in seinem Kommandosessel Platz nehmen.
Einflussreichen Gäste ließ General Keith Alexander gerne in seinem Kommandosessel Platz nehmen.(Foto: picture alliance / dpa)

Als Chef der US-Sicherheitsbehörde NSA gehört General Keith Alexander zweifellos zu den einflussreichsten Persönlichkeiten im Staatsapparat der USA. Ein Bericht des US-Magazins "Foreign Policy" legt nun nahe, dass es Alexander damit noch nicht genug ist: Alexanders habe vor, "mit ganzem Einsatz und am Rande der Legalität die ultimative Spionagemaschine" zu bauen. Der Artikel beschreibt auch den Arbeitsplatz, den sich Alexander einrichten ließ, als er für den Geheimdienst der US-Armee arbeitete: Der Raum sieht aus, als hätten sich die Architekten die Kommandobrücke des "Raumschiff Enterprise" aus der Fernsehserie "Star Trek" zum Vorbild genommen.

Der promovierte Physiker und bekennende Technik-Freak Alexander habe während seiner Zeit als Vorsitzender des Informations- und Sicherheitskommandos der US-Armee wiederholt Kongressabgeordnete und andere wichtige Gäste durch das "Information Domination Center" geführt, heißt es in dem Bericht, aus dem auch der britische "Guardian" zitiert.

Von den verchromten Armaturen über den riesigen Bildschirm bis hin zu den Türgeräuschen erinnert das "Informationsdominanzzentrum" an die "Enterprise"-Brücke.
Von den verchromten Armaturen über den riesigen Bildschirm bis hin zu den Türgeräuschen erinnert das "Informationsdominanzzentrum" an die "Enterprise"-Brücke.

Der Raum befindet sich im Armeestützpunkt Fort Belvoir. Entworfen habe ihn ein in Hollywood tätiger Bühnenbildner. Nahezu alles erinnert dabei an das Vorbild "Enterprise": die verchromten Armaturen, die Position der Computermonitore, der großen Bildschirm an der Wand. Beim Öffnen der Schiebetüren erklingt ein sanftes "Schhhh".

"Die Illusion, in ein Raumschiff zu steigen"

Gäste sollen oft der Reihe nach in einem ledernen "Kapitänssessel" in der Mitte des Raums Platz genommen haben, während Science Fiction-Fan Alexander am großen Bildschirm seine neuesten Programme zur Datenverarbeitung vorführte, berichtet der "Guardian": "Jeder wollte wenigstens einmal in dem Sessel sitzen und so tun, als wäre er Jean-Luc Picard", sagte ein ehemaliger Mitarbeiter, der für die Organisation von Besuchen wichtiger Gäste verantwortlich war. Alexanders Ziel war es offenbar, seine zur Kontrolle der Behörde angereisten Besucher mit dem beeindruckenden "Informationsdominanzzentrum" von sich und seiner Sache zu überzeugen, indem er zusätzlich jedem der Gäste in einfachen Worten die Vorzüge der komplizierten Datenauswertungsprogramme näher brachte.

Die Fotos des Raumes stammen von der Website des Washingtoner Architekturbüros DBI Archtitects, Inc. Die Broschüre mit den Bildern spricht explizit von der "Illusion, ein Raumschiff zu besteigen" und preist die zentrale Position des Sessels an, von welchem man uneingeschränkte Sicht auf den 22-Zoll Bildschirm habe. Von dort aus ließe sich rund um die Uhr die Visualisierung, Planung und Durchführung weltweiter Informationsbeschaffung verrichten.

"Nicht legal bedeutet nicht illegal"

Der Bericht in Foreign Policy setzt sich in erster Linie mit Alexanders angeblich nahezu fanatischer Arbeitsweise auseinander, mit der er sogar innerhalb der Behörde mehrfach auf Widerstand gestoßen sei. Wie es heißt, betrachteten sogar etliche von Alexanders Mitarbeitern ihren Chef als "Cowboy", der bei der Verfolgung seines Ziels einer umfassenden Überwachung gerne die Grenzen der Gesetzeslage austeste. So soll Alexander bei bedenklichen Fragen stets nach dem Muster "nicht legal bedeutet noch lange nicht illegal" verfahren sein.

Auch Alexanders Vorgänger im Amt des NSA-Chef, General Michael Hayden, soll wiederholt Zweifel geäußert haben, ob sein Nachfolger die schwierige Balance zwischen sicherheitspolitischen Ansprüchen und dem Schutz der Privatsphäre amerikanischer Bürger würde halten können. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 soll Alexander mit Nachdruck auf den gesetzeswidrigen Einsatz von Spionagetechnik im Inland gedrängt haben, sodass Hayden sich gar genötigt sah, Alexanders damaligen Vorgesetzten auf den Eiferer aufmerksam zu machen.

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Quelle: n-tv.de

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