Panorama

Chefredakteurin und Cameron-Sprecher angeklagt"News of the World"-Skandal beschäftigt Richter

28.10.2013, 15:55 Uhr

Bestechung von Beamten, Ausspähung von mehr als 600 Handy-Besitzern, Behinderung polizeilicher Ermittlungen - mehr als zwei Jahre nach der Einstellung der Skandalzeitung "News of the World" haben die Praktiken der Blattmacher ein juristisches Nachspiel. Doch die Angeklagten sind sich keiner Schuld bewusst.

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Brooks bei ihrer Ankunft vor den Gericht. (Foto: REUTERS)

In dem bis in höchste politische Kreise reichenden Abhörskandal um die britische Boulevardzeitung "News of the World" hat der mit Spannung erwartete Prozess begonnen. Unter den acht Angeklagten sind die frühere Chefredakteurin des inzwischen eingestellten Blattes, Rebekah Brooks, und der Ex-Pressesprecher von Premierminister David Cameron, Andy Coulson. Alle Beschuldigten weisen die Vorwürfe von sich.

Die 45-jährige Brooks traf unter dem Blitzlichtgewitter der Fotografen am Zentralen Strafgericht Old Bailey ein. Sie wirkte gelassen und lächelte. Begleitet wurde sie von ihren Anwälten sowie ihrem Ehemann, dem ebenfalls angeklagten Rennpferdetrainer Charlie Brooks. Auch Brooks' Assistentin Cheryl Carter und der ehemalige Sicherheitschef der Mediengruppe News International, Mark Hanna, müssen sich in der Affäre vor Gericht verantworten. Bei den weiteren Angeklagten handelt es sich um den früheren Palastkorrespondenten von "News of the World", Clive Goodman, Ex-Nachrichtenchef Ian Edmondson sowie Redaktionsleiter Stuart Kuttner.

Das Verfahren, das bis zu sechs Monate dauern könnte, dreht sich um drei Anklagepunkte: Abhörung von Telefonaten, Bestechung von Beamten und Behinderung polizeilicher Ermittlungen. Brooks und der 45-jährige Coulson müssen sich wegen aller drei Punkte verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, in den Jahren 2000 bis 2006 maßgeblich für die Abhörung der Mobiltelefone von mehr als 600 Handy-Besitzern verantwortlich gewesen zu sein.

Landesweite Empörung

Unter anderem geht es um das Abhören der Mailbox eines vermissten britischen Schulmädchens, das 2002 schließlich ermordet aufgefunden wurde. Die Reporter hatten die Mailbox des ermordeten Kindes angezapft und durch das Löschen von Nachrichten dessen Eltern den Eindruck vermittelt, Millie Dowler könnte noch leben. Zu den Opfern zählten zudem Stars wie Paul McCartney und der Schauspieler Jude Law sowie Politiker, Mitglieder der Königsfamilie und Angehörige getöteter Soldaten. Wegen der Abhörung der Telefonate müssen sich auch Kuttner und Edmondson verantworten.

Brooks' Ehemann und ihre Assistentin werden neben den beiden Hauptangeklagten beschuldigt, der Polizei Informationen vorenthalten und Beweise versteckt zu haben. Palastreporter Goodman ist wegen der Bestechung von Beamten zur Gewinnung von Informationen mitangeklagt.

Brooks saß neben den Mitangeklagten auf der Anklagebank und tippte Notizen in ihren Tablet-Computer, während Richter John Saunders die Grenzen der Prozessberichterstattung feststeckte. Anschließend sollten die Geschworenen ausgewählt werden.

Herber Schlag für Murdoch

Die Abhöraffäre führte 2011 zur Schließung der "News of the World". Der Skandal war ein herber Schlag für das Medienimperium von Rupert Murdoch und für die gesamte britische Medienlandschaft. Brooks hatte sich zur Chefredakteurin der "News of the World" hochgearbeitet und leitete anschließend die Gruppe News International. Sie war eine der engsten Vertrauten Murdochs. Wie ihr Mann, der Cameron auf der Eliteschule Eton kennenlernte, zählte sie zum Freundeskreis des Premierministers.

Coulson, der nach Brooks von 2003 bis 2007 Chefredakteur von "News of the World" war, war nach dem ersten Durchsickern von Hacker-Methoden seiner Zeitung 2007 von dem Posten zurückgetreten. Er wurde wenig später Camerons Medienberater, als dieser Chef der Konservativen war. Nach Camerons Wahlsieg 2010 wurde Coulson dessen Pressesprecher. Als das Ausmaß der Methoden von "News of the World" im Sommer 2011 bekannt wurde, trat Coulson zurück.

Quelle: ntv.de, AFP