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Rassistischer Nikolaus?: Niederländer kämpfen um "Zwarte Piet"

Von Diana Sierpinski

Die Niederländer müssen um ihren "Zwarte Piet" bangen. Der Helfer vom Nikolaus diskriminiere dunkelhäutige Menschen und erinnere an die dunkle Epoche der Sklaverei, urteilen die UN. Millionen Niederländer laufen Sturm.

Es ist das traditionelle Kinderfest in den Niederlanden. Am Abend vor dem  6. Dezember kommt St. Nikolaus zu den Familien und verteilt seine Geschenke. Schon Tage und Wochen vor Sinterklaas ist er in der Öffentlichkeit allgegenwärtig. In Kaufhäusern, in Fußgängerzonen oder im Fernsehen. Begleitet wird er traditionell von einer Schar schwarzer Helfer, den "Zwarten Pieten".

Der "Zwarte Piet" ist, wie der Name verrät, pechschwarz. Meist hat er einen prall gefüllten Sack dabei. Er wirft mit Pfeffernüssen um sich, trägt große goldene Ohrringe, eine Pludermütze mit bunten Federn auf dem Kopf und eine Perücke mit schwarzem Krauskopfharr. Um den "Zwarte Piet" darzustellen, färben sich die Menschen traditionell Gesicht und Hände.

Zwarte Piet zu schwarz?

"Zwarte Piet" zu schwarz?
"Zwarte Piet" zu schwarz?(Foto: dpa)

Nun aber müssen die Niederländer um ihren "Zwarten Piet" bangen. Eine Expertengruppe der Vereinten Nationen hat ihr Nikolausfest als rassistisch eingestuft und die Abschaffung gefordert. Die Kunstfigur des "Zwarte Piet" diskriminiere dunkelhäutige Menschen und erinnere an die dunkle Epoche der Sklaverei.

Anfang des Jahres hatte diese Kritik erstmals die Landesgrenzen der Niederlande verlassen, als der niederländische Staat einen Brief von vier UN-Berichterstattern für Menschenrechte, kulturelle Rechte, Minderheitenrechte und Rassismus bekam. Man schrieb, dass man "Informationen bekommen" habe, nachdem die Tradition des Sinterklaasfestes im Kern rassistisch ist und dass die Figur des "Zwarte Piet" in seiner Rolle als "Dummkopf und Diener" das stereotype Bild von Afrikanern als "Bürger zweiten Ranges" bedienen würde.

Nur Folklore oder doch Rassismus?

Doch woher kommt der "Zwarte" Piet überhaupt? Er geht zurück auf eine Geschichte des niederländischen Schulmeisters Jan Schenkman, die 1845 unter dem Titel "St. Nikolaus und sein Helfer" veröffentlicht wurde. Zu dieser Zeit hatte die Holländer noch ein weltumspannendes Kolonialreich und verdienten gut am Sklavenhandel. Die Sklaverei schafften sie erst 1863 ab. Damals lag es wohl für jeden Leser nahe, sich den kleinen Mohrenjungen, den Nikolaus aus Afrika mitgebracht hatte, als Sklaven vorzustellen.

Heute ist der "Zwarte Piet" für die meisten Niederländer nur noch eine geliebte folkloristische Figur, über deren historischen Hintergrund sie kaum etwas wissen. Oft erklären sie, er sei nur deshalb so schwarz, weil er durch die Schornsteine steige, um die Geschenke zu bringen.

Versuche, dem Nikolaus einen weniger Anstoß erregenden Helfer zur Seite zu stellen, hat es in der Vergangenheit übrigens schon häufiger gegeben. In Den Haag hatte man 2006 gar versucht, einen "Zwarten Piet" mit vielfarbiger Haut einzuführen, um dem heutigen multiethnischen Holland damit besser gerecht zu werden. Der Versuch war wenig erfolgreich. Üblicherweise wird "Zwarte Piet" heute nicht mehr mit Ohrringen als "Wilder" gekennzeichnet und auch die Perücken, die er trägt, sind heute nicht mehr so eindeutig "negerkraus" wie früher.

Wütender Protest

Viele Niederländer reagieren verärgert auf die Vorwürfe der Vereinten Nationen gegen ihr Nikolausfest. Knapp zwei Millionen Niederländer unterstützten binnen weniger Stunden auf Facebook eine "Pietition" für die Tradition. Es sei nur ein Kinderfest, argumentierten die Nutzer des sozialen Netzwerks. Wer den Brauch verurteile, verstehe ihn bloß nicht. Eine andere Facebook-Seite, die die Figur des Schwarzen Peters als rassistisch verurteilt, hat dagegen wenig Zuspruch gefunden. Obwohl sie bereits 2011 gegründet wurde, stehen hier nur rund 7000 Unterstützer zu Buche.

Ob der Nikolaus in Zukunft auf seine "Zwarten Pieten" verzichten muss, wird sich bald zeigen. Der niederländische Regierungschef Mark Rutte sagte jüngst, ihm stehe es nicht zu, über die Tradition zu urteilen. "Der Schwarze Peter ist einfach schwarz, das kann ich nicht ändern."

Quelle: n-tv.de

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