Panorama

Morde hätten verhindert werden könnenNiels H. tötete schon im Klinikum Oldenburg

22.06.2016, 11:06 Uhr
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(Foto: dpa)

Was die Ermittler schon vermuteten, ist nun schreckliche Gewissheit: Die Mordserie des früheren Krankenpflegers Niels H. ist noch viel länger als bisher vermutet. Schon am Klinikum Oldenburg ermordete H. demnach Patienten.

Der frühere Krankenpfleger Niels H. wird in mindestens 27 weiteren Fällen verdächtigt, Patienten aus dem Klinikum Delmenhorst getötet zu haben. Auch im Klinikum Oldenburg habe er Todesfälle zu verantworten, teilte die Soko "Kardio" mit.

Die Beamtinnen und Beamten der Sonderkommission hatten im Zuge ihrer Ermittlungen mittlerweile insgesamt 99 Gräber geöffnet. In 27 Fällen konnte bei den Verstorbenen der Wirkstoff "Ajmalin" nachgewiesen werden, obwohl die Patienten nicht mit dem Medikament Gilurytmal behandelt wurden, sagte der Oldenburger Polizeipräsident Johann Kühme.

Inzwischen ist die Sonderkommission auch überzeugt, dass H. bereits an einer früheren Arbeitsstelle mordete, dem Klinikum Oldenburg. Dort setzte er offenbar Kalium ein. Obwohl die Klinik spätestens seit 2001 um die Auffälligkeiten während H.s Dienstzeiten wusste und gestiegene Reanimationsraten feststellte, wurde nichts gegen ihn unternommen. Den damaligen Verantwortlichen sei der gute Ruf der eigenen Klinik wichtiger gewesen, als H. zu stoppen, urteilten die Ermittler. Hätte man damals reagiert, hätten die Morde in Delmenhorst verhindert werden können. Gegen die Verantwortlichen wird nun wegen Totschlags durch Unterlassen ermittelt.

Mehrere Tatsubstanzen

Neun Sterbefälle seien zunächst in Oldenburg untersucht worden, dabei seien elf Kaliumvergiftungen festgestellt worden. In H.s Dienstzeiten seien die Sterberaten doppelt so hoch gewesen, wie bei anderen Intensivpflegern. Die Ermittler vermuten, dass H. für seine Morde verschiedene Medikamente einsetzte. Ziel der Medikamentengaben waren zunächst Patientenzustände, bei denen H. zur Reanimierung gerufen wurde. Den Tod der Patienten habe er dabei billigend in Kauf genommen.

Um wie viele Fälle es in Oldenburg geht, lasse sich derzeit noch nicht abschätzen. Dazu müssten zahlreiche Patientenakten umfassend ausgewertet werden. Man rechne mit zahlreichen weiteren Exhumierungen. Verdachtsfälle aus H.s Tätigkeit im Rettungsdienst und in der Altenpflege konnten nicht bewiesen werden.

Der heute 39-jährige ist vom Landgericht Oldenburg bereits wegen mehrfachen Mordes und Mordversuchs zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Der Richter stellte bei seiner Urteilsverkündung die besondere Schwere der Schuld fest, sodass H. nicht nach 15 Jahren vorzeitig entlassen werden kann.

Quelle: sba

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