"Bottom Kill" nicht mehr nötig?Noch keine Final-Entscheidung
Der Krisenmanager der US-Regierung im Golf von Mexiko schließt nicht aus, dass die leckgeschlagene Ölquelle bereits völlig abgedichtet ist. Tests sollen zeigen, ob das Verstopfen des BP-Bohrlochs von oben genügt und daher auf den zusätzlichen Verschluss von unten verzichtet werden kann.
Das Ölleck im Golf von Mexiko wird nun vielleicht doch nicht direkt an der Quelle etwa vier Kilometer tief unter dem Meeresboden versiegelt. "Wir könnten die Opfer unseres eigenen Erfolges geworden sein", sagte der Einsatzleiter der US-Regierung Thad Allen. Derzeit werde geprüft, ob der bisher erfolgte Verschluss des Bohrlochs von oben ausreiche. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen. Die Tests, ob der Verschluss durch "Top Kill" ausreicht und "Bottom Kill" nun überflüssig ist, hatte BP laut Allen am Donnerstag begonnen.
Allen nannte es aber nur eine "kleine Möglichkeit", dass es nicht mehr zum Finale kommt. So oder so werde der Ring versiegelt sein, sagte der Admiral. "Unsere Frage ist, ob das schon geschehen ist." Sollte sich bei den Tests jedoch herausstellen, dass der Druck zugenommen habe, könne dies ein Anzeichen dafür sein, dass in den wenigen Zentimetern zwischen der Steigleitung und den umliegenden Gesteinsschichten immer noch Öl fließe. Dann müsse wie bislang geplant auch über den Entlastungsbohrschacht Schlamm und Zement in die Quelle gepumpt werden, um sie völlig zu verschließen.
Am Freitag soll entschieden werden, ob die Bohrungen für den Nebenzugang fortgesetzt werden. Er ist nur noch wenige Meter vom Ölreservoir entfernt. Die Bohrarbeiten waren vor wenigen Tagen wegen schlechten Wetters unterbrochen worden.
In der vergangenen Woche hatte BP das Steigrohr im Meeresboden von oben mit Schlamm und Zement verstopft. Bisher ist geplant, als letzten Schritt die Quelle auf die gleiche Weise zu versiegeln, das heißt, Zement soll durch den Nebenzugang gepumpt werden. Dadurch soll vor allem sichergestellt werden, dass auch ein Hohlraum um das zur Quelle führende Bohrloch-Rohr verschlossen ist. Das Leck, aus dem seit Ende April insgesamt etwa 660.000 Tonnen Öl ins Meer geströmt waren, wäre dann endgültig dicht. Die Ölpest ist die bislang schwerste in der Geschichte der USA.
Millionenstrafe für BP wegen Texas-Explosion
Dem ohnehin in der Kritik stehenden BP-Konzern kommen andauernde Sicherheitsverstöße nach einem tödlichen Unfall teuer zu stehen. Das Unternehmen muss 50,6 Millionen Dollar zahlen, weil es in seiner Raffinerie in Texas City die Sicherheit nach einer schweren Explosion nicht ausreichend verbessert hat. Vor fünf Jahren waren hier 15 Arbeiter gestorben und 170 verletzt worden.
"Die Höhe der Strafe spiegelt in gerechter Weise BPs Missachtung der Arbeitsplatz-Sicherheit wider", sagte US-Arbeitsministerin Hilda Solis. BP verpflichtete sich im Rahmen eines Vergleichs zusätzlich, in den kommenden Jahren 500 Millionen Dollar in den Schutz der Mitarbeiter in der Raffinerie zu stecken.
"Wir haben die Sicherheit unserer Anlagen in Texas City über die vergangenen fünf Jahre bereits deutlich verbessert", sagte der Chef des BP-Raffineriegeschäfts in den USA, Steve Cornell. Mehr als 1 Milliarde Dollar seien in die Maßnahmen geflossen. Die Beseitigung der Schäden aus der Ölpest im Golf von Mexiko hat BP bislang 6 Milliarden Dollar gekostet.