Panorama
Teile der USA und Kanada erleben den schlimmsten Schneesturm seit Jahren.
Teile der USA und Kanada erleben den schlimmsten Schneesturm seit Jahren.(Foto: REUTERS)

Eisstürme in Kanada, Nässe in Deutschland: Orkan "Dirk" bläst weiße Weihnachten fort

Deutschland wartet vergeblich auf ein wenig Schnee. Kanada und die USA kämpfen unterdessen gegen diesen an. Eine Wetteränderung ist nicht in Sicht und Orkan "Dirk" pustet die letzten Hoffnungen auf weiße Weihnachten davon, meint n-tv Meteorologe Björn Alexander.

n-tv.de: Björn, irgendwie ist unser Wetter festgefahren. Der Winter kommt nicht in Gang und es stürmt mal mehr, mal weniger stark. Was ist bloß los?

Björn Alexander: Die Wetterlage ist einfach mal recht stabil. Die Sturm- bzw. Orkantiefs über dem Atlantik regenerieren sich immer wieder aufs Neue und zapfen zeitgleich die milde Luft an, die bei uns von Südwesten her phasenweise für Frühlingsgefühle sorgt. Auf der anderen Seite zeichnet sich diese Wetterlage auch dadurch aus, dass es über Grönland und Nordamerika immer wieder Polarluftvorstöße gibt. Passend dazu war der Dezember bisher beispielsweise in den USA verbreitet zu kalt. Das gilt nämlich vom äußersten Südosten (Florida und angrenzende Bundesstaaten) mal abgesehen überall. Und deutlich kälter als der langjährige Durchschnitt war es in vielen Landesteilen im Norden und im Westen. Grund hierfür ist übrigens, dass es über dem Pazifik ein relativ stabiles und starkes Hoch gab, das die Kaltluft von Nordwesten und Norden her über Nordamerika weit südwärts strömen ließ.

Video

Und das merkten zuletzt die Menschen vor allem in Kanada?

Ja, auch dort war es zu kalt und der letzte heftige Wintervorstoß mit Schneesturm und Eis sorgte für teilweise katastrophale Verhältnisse mit Toten und Verletzten. Auch der Blick auf die aktuellen Temperaturen ist extrem kontrastreich und zeigt an, mit welchen Wetterkapriolen die Menschen in Nordamerika momentan leben müssen. Florida bekommt heute Sommerwerte bis rund 30 Grad. Zeitgleich bibbern die Menschen in Minnesota, Wisconsin, Iowa, North oder South Dakota bei minus 15 bis minus 30 Grad. Durch den teilweise eisigen Nordwestwind fühlt sich das dann übrigens nochmals 5 bis 15 Grad kälter an. Die Ostküste liegt unterdessen noch im Bereich der gemäßigten Werte mit rund 16 Grad in New York. Anschließend kommt die Kältezunge dann weiter ostwärts voran und sorgt auch an der Ostküste für Schnee, Eis und Glätte. New York bekommt am Heiligen Abend noch rund plus 5 Grad, danach um 0 Grad.

Winter extrem in den USA - kein Winter bei uns. Gilt das auch andersrum?

In unserem konkreten Fall lässt sich der Zusammenhang schon mal herstellen. Bei anderen Wetterkonstellationen gilt das so nicht unbedingt. Was den Winterfreunden hierzulande aber auf jeden Fall noch Hoffnung machen kann: einige der langfristigen Wetterberechnungen in den USA deuten dort derzeitig auf einen zu warmen oder sogar deutlich zu warmen Januar hin. Da könnte sich dann also auch bei unserer Großwetterlage endlich mal wieder eine Umstellung ergeben. Und auch die weniger langen Berechnungen zeigen uns erste Umstellungstendenzen an. Bis in die erste Januarwoche hinein könnte sich der Kern der Tiefdruckaktivität ganz langsam vom Atlantik nach Skandinavien verlagern. Damit würde es bei uns schrittweise kälter werden und zumindest im Bergland könnte sich der Winter mit Neuschnee zurück melden. 

Also müssen wir den Winter noch nicht ganz abschreiben?

Björn Alexander rechnet mit einem warmen Januar.
Björn Alexander rechnet mit einem warmen Januar.(Foto: n-tv)

Nein, auf gar keinen Fall. Rein klimatologisch ist bei uns der Hochwinter sowieso erst im Januar und Februar. Der Dezember kann zwar schon mal den Winter bis ins Flachland bringen, ist aber von den Wintermonaten noch der harmlosere.

Wie ist es um unser Wetter zu Weihnachten bestellt?

Im Süden bleibt es außerhalb vom teilweise zähen Nebel sehr sonnig. Auch der Südosten kommt trocken durch den Tag. Mehr Wolken mit Regen ziehen zwischen der Eifel und der westlichen Ostsee durch. Zudem schickt Orkantief "Dirk" vom Atlantik dorthin sehr viel Wind. Von der Eifel bis herauf zur Nordseeküste mit Windböen zwischen 90 und 130km/h. Hier liegt der Schwerpunkt der heftigsten Böen aber natürlich auf den Inseln bzw. küstennah und auf den Bergen. Noch etwas stärker dürften die Böen auf dem Brocken ausfallen. Hier sind bis Tempo 150 im Bereich des Möglichen. Und auch die Temperaturen, die uns "Dirk" bringt, sind relativ heftig.

Warum?

Weil wir uns - ähnlich wie am Heiligen Abend 2012 - wieder mal in Richtung Obergrenze des Temperaturniveaus bewegen. Am Oberrhein, im Lee der Eifel sowie in den Föhnlagen der Eifel sind durchaus 15 Grad oder mehr drin.  Ansonsten sind es flächendeckend bis rauf in den Norden oft 10 bis 14 Grad.

Grillen statt Schlitten fahren, das wird sicherlich auch seine Anhänger haben.

Bestimmt. Nur der Wind könnte Grillfans aufs Gemüt schlagen. Und vielleicht auch der Regen, der sich am ersten Weihnachtsfeiertag dann im Westen und Norden neuerlich ausbreitet. Ansonsten bleibt es meist trocken und insgesamt mild bei 4 bis 14 Grad. "Schneefreunde aufgepasst" heißt es dann zumindest im Süden und Südosten am zweiten Weihnachtsfeiertag. In den Lagen oberhalb von etwa 700 bis 900 Metern deuten sich durchaus einige Zentimeter Neuschnee an. Bei intensiveren Niederschlägen könnte es auch darunter hier und dort noch weiß werden. Trockener verläuft der Tag hingegen in Richtung Norden und Westen. Dazu gibt es 0 bis 8 Grad.

Wie geht es "zwischen den Jahren" weiter?

Aus momentaner Sicht: wechselhaft, zeit- und gebietsweise windig oder stürmisch und eher zu mild. Allerdings dürfte die Wahrscheinlichkeit nochmals 10 Grad oder mehr zu erreichen ab der kommenden Woche erst einmal deutlich geringer werden. 

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen