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Jedes der 10.000 Eier ist ein Unikat.
Jedes der 10.000 Eier ist ein Unikat.(Foto: dpa)

Thüringen verliert Attraktion: Ostereierbaum geht in den Ruhestand

Ein spektakulärer Ostereierbaum zieht seit Jahren Tausende Besucher in Thüringen in seinen Bann. Doch nun sind seine Tage gezählt. Nur noch zwei Wochen ist das mit 10.000 Eiern verzierte Schmuckstück zu bestaunen.

Dieser schmucke Baum hat Fans bis nach Übersee. Seit Wochen ist das Rentner-Ehepaar Christa und Volker Kraft auf den Beinen, um ihn mit liebevoll bemalten, umhäkelten und mit Mosaiken oder Bernsteinsplittern beklebten Ostereiern zu schmücken. Und das alle Jahre wieder. 10.000 Eier hängen nun an dem ausladenden Apfelbaum, jedes ein Unikat. Doch dieses Jahr wollen die Krafts zum letzten Mal ihr Gartentor öffnen. "Es ist Wehmut dabei, aber auch Freude, dass der Stress vorbei ist", bekennt der 78-Jährige. Denn aus Altersgründen gibt er auf. Was wird aus Thüringens "wohl spektakulärstem Ostereierbaum" (Zitat Thüringer Tourismus GmbH)?

Jahr für Jahr schmückt das Ehepaar Kraft den Apfelbaum in ihrem Garten. Damit soll nun jedoch Schluss sein.
Jahr für Jahr schmückt das Ehepaar Kraft den Apfelbaum in ihrem Garten. Damit soll nun jedoch Schluss sein.(Foto: dpa)

Aufs Ei gekommen ist Volker Kraft schon als Kind. Auf dem Schulweg habe es einen Fliederstrauch gegeben, der zu Ostern toll geschmückt gewesen sei, erinnert er sich. Als der gelernte Maschinenschlosser selbst Vater wurde, sollten seine Kinder auch so einen Baum bekommen - mit 18 Plastik-Eiern fing es an. Doch das Apfelbäumchen wurde zum Baum und damit wuchs jedes Jahr der Bedarf an Eiern. Die wurden ausgeblasen und verziert, denn Eier aus Plastik kommen für die Krafts nicht mehr infrage.

Baum der Herzen

Mitte der 90er Jahre waren es schon mehr als 1.000, vor drei Jahren wurde die 10.000er-Marke geknackt. Den Weltrekord können die Krafts zwar nicht für sich verbuchen. Den bescheinigt das Guinness-Buch einem Baum im Rostocker Zoo, der 2007 in einer einmaligen Aktion mit fast 76.600 Ostereiern geschmückt wurde. Doch als Baum der Herzen gingen die Bilder aus Saalfeld um die Welt - bis nach Bangkok, Kuwait und in die USA. Selbst Besucher aus Übersee machten immer wieder einen Abstecher nach Saalfeld, um die österliche Augenweide zu sehen.

Im kommenden Jahr wird Volker Kraft 80 Jahre alt.
Im kommenden Jahr wird Volker Kraft 80 Jahre alt.(Foto: dpa)

"Es waren mal Japaner hier, die hätten den Baum am liebsten ausgegraben und mitgenommen", erzählt Kraft schmunzelnd. Und ein Besucher aus den USA habe ihnen ein Holz-Ei mit den Signaturen von Bill und Hillary Clinton mitgebracht. Doch nun werden den Krafts der Aufwand und der Rummel zu viel. Jeweils mehr als 10.000 Besucher aus allen Teilen Deutschlands seien in den vergangenen Jahren in den Garten geströmt. "Und die Leitern werden von Jahr zu Jahr schwerer", sagt der 78-Jährige.

Vorbereitung dauert zwei Monate

Rund zwei Monate dauere die Vorbereitung, der Auf- und Abbau sowie die zweiwöchige Öffnungszeit. Hinzu kommt, dass jedes Jahr 200 bis 500 kaputte Eier ersetzt und neu verziert werden müssen. Für die eigenen Kinder sei der Aufwand neben der Arbeit nicht zu schaffen. Und im Frühling 2016 werde er 80, erzählt Kraft. "Da will ich mal ganz in Ruhe feiern."

Anfragen, die Tradition des Ostereierbaumes fortzuführen, gebe es bereits aus anderen Regionen Deutschlands, erklärt der Rentner. Doch darüber will er sich erst nach Ostern Gedanken machen. Die Chefin der Thüringer Tourismus GmbH, Bärbel Grönegres, würde es bedauern, wenn das Land diese Attraktion verlöre. "Der Ostereierbaum ist in Thüringen zu einer liebgewonnenen Tradition während der Osterzeit geworden", sagt sie. "Vielleicht findet sich ja in Zukunft eine Initiative, die die Tradition der Familie aus Saalfeld fortführt." Christa Kraft ist da skeptisch. "Ich glaube, so Verrückte gibt es nicht noch einmal", sagt sie. Ihr Mann gibt sich da zuversichtlicher: "Ich bin gespannt, wo wir nächstes Jahr hinfahren, um den Eierbaum zu sehen."

Quelle: n-tv.de

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