Panorama
Der Extremsportler Mike Küng fliegt hier mit einem Gleitschirm an der Küste der spanischen Insel Lanzarote.
Der Extremsportler Mike Küng fliegt hier mit einem Gleitschirm an der Küste der spanischen Insel Lanzarote.(Foto: dpa)

Gefährlich Expedition im Himalaya: Paragleiter wollen Rekord knacken

Die Alpen sind nicht genug: Ein Expeditionsteam aus Hessen will im Himalaya einen Weltrekord aufstellen. Sie wollen mit Gleitschirmen so hoch hinaus, wie noch niemand vor ihnen - und zwar wörtlich. Mehr als 8000 Meter Höhe wollen die Sportler erreichen.

Mit einem Extremsportler aus Österreich an der Spitze ist ein hessisches Expeditionsteam zu einem Weltrekordversuch in den Himalaya aufgebrochen. Die zwölfköpfige Truppe rund um Flugschullehrer Andreas Schubert aus Gersfeld in der Rhön machte sich am Abend des 21. März auf den Weg nach Nepal. Im Hochgebirge wollen sie am 26./27. März den höchsten Thermikflug der Welt mit einem Gleitschirm bewältigen und sich von rund 5000 Meter Höhe vom Wind auf 8000 Meter und mehr tragen lassen.

Beim Gleitschirmfliegen oder auch Paragleiten sitzt der Pilot in einem Gurtzeug unter dem länglichen Schirm, er ist dabei mit diesem durch Leinen verbunden.

Gefährlich, aber reizvoll

Dem Ausnahmepiloten Küng ist der Höhenweltrekord zu zu trauen.
Dem Ausnahmepiloten Küng ist der Höhenweltrekord zu zu trauen.(Foto: dpa)

"Es ist zwar gefährlich. Aber mich reizt dieses neue Kapitel", sagte Pilot Mike Küng vor der Abreise. Der 42 Jahre alte Extremsportler aus der Alpenrepublik ist Profi- und Testpilot für Gleitschirme und hat sich in dem Sport mittlerweile einen Ausnahmeruf erworben. "Wenn es einer schaffen kann, dann er", glaubt Expeditionsleiter Andreas Schubert. Küng erklärte: "Es wird alles ein bisschen höher als die 2000 bis 4000 Meter Höhe in den Alpen sonst. Im Himalaya warten extreme Tal- und Höhenwinde auf uns."

Im April 2004 wagte Küng das Kunststück und sprang aus mehr als 10.000 Metern Höhe mit einem Gleitschirm aus einem Heißluftballon - Weltrekord. Diesmal will er sich im Steigflug von unten nach oben tragen lassen. Die bisherige Bestmarke für den höchsten Thermikflug habe 1993 der Brite Rob Whittall aufgestellt, sagte Schubert. Whittall schaffte es den Angaben zufolge im Annapurna-Gebiet in Nepal auf 7300 Meter. Der Weltrekord-Flug von Küng und seinen Mitstreitern soll - je nach Wetterlage - am kommenden Wochenende steigen.

Extreme Kälte, dünne Luft und starke Winde

Andreas Schubert leitet die Expedition.
Andreas Schubert leitet die Expedition.(Foto: dpa)

"Dieser Weltrekordversuch birgt einige Schwierigkeiten", betonte Expeditionsleiter Schubert von der Flugschule Papillon. Er ist seit 17 Jahre Fluglehrer und weiß um die Gefahren. "Dort oben herrscht extrem dünne Luft. Man kann nur mit Sauerstoffgeräten fliegen. Hinzu kommt, dass man die Technik und die starken Winde im Griff haben muss." Die Thermik sei derzeit günstig für den Rekordversuch. In der gewaltigen Höhe rund um den Mount Everest (8848 Meter) und den Lhotse (8516), den vierthöchsten Berg der Welt, müssen die Flieger zudem Temperaturen von minus 30 Grad Celsius überstehen.

Mit in die Luft gehen wollen vier weitere Piloten: der amtierende Deutsche Juniorenmeister Alexander Füg (26) vom Club der Rhöner Drachen- und Gleitschirmflieger Poppenhausen sowie die Fuldaer Fluglehrerin und amtierende Landesmeisterin Verena Siegl (26). Versuchen wollen sich auch Vize-Hessenmeister Jörn Niehusbernd (25) und der Fluglehrer Janis Stübenrath (20). Unterstützt wird das Expeditionsteam von Ärzten und Wetter-Fachleuten.

Schrittweiser Aufstieg

Das Team fliegt zunächst in die nepalesische Hauptstadt Kathmandu. Weiter geht es über Lukla Richtung Zielgebiet. Damit es nicht zu gesundheitlichen Problemen kommt, will sich das Team schrittweise an die extreme Höhenlage gewöhnen. "Wir werden unsere Schlafhöhe pro Nacht um 300 Meter steigern", sagte Schubert. Etliche ortskundige Träger werden helfen, die gesamte Ausrüstung an den Lhotse zu tragen. Pro Tag will das Team vier bis sechs Stunden Fußmarsch zurücklegen.

Am Basislager in 4400 Metern Höhe angekommen, wollen die Piloten den Aufstieg zum Chukhung Ri (5000 Meter) folgen lassen. Dann wollen sie in ihre Paragleiter einsteigen und den Lhotse überfliegen. Für den Weltluftsportverband, die Fédération Aéronautique Internationale (FAI), wird die Höhenjagd mit Messgeräten dokumentiert. Vor Zeugen mit FAI-Lizenzen wollen sie ihre Flüge zum Weltrekord-Erfolg bringen.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen