Panorama

Nach Ashley-Madison-EnthüllungPastor kann "Schande" nicht ertragen

09.09.2015, 15:13 Uhr

Der Name von Pastor John Gibson ist unter denen, die veröffentlicht werden, nachdem Hacker die Seitensprungseite Ashley Madison angegriffen haben. Für den streng religiösen Mann bricht eine Welt zusammen.

Die Hackerattacke auf das Seitensprungportal Ashley Madison hat offenbar einen 56-Jährigen in den Tod getrieben. Pastor John Gibson, der als Mitglied von Ashley Madison geoutet worden war, wurde am 24. August in New Orleans tot aufgefunden. Sechs Tage zuvor hatten Hacker die Namen von Millionen von Ashley-Madison-Nutzern veröffentlicht.

Gibsons Frau Christi entdeckte die Leiche ihres Mannes, als sie von der Arbeit heimkehrte. "Es war ein Moment, auf den einen das Leben nicht vorbereitet", sagte sie dem US-Sender CNN. "Ich musste meine Kinder anrufen. Wie sagst du deinen Kindern, dass ihr Vater tot ist und dass er sich selbst das Leben genommen hat?" In seinem Abschiedsbrief beschrieb Gibson seine Dämonen. Er erwähnte auch Ashley Madison.

"Er sprach über seine Depressionen. Er sprach auch darüber, dass er dort war und dass es ihm sehr sehr leid tue", berichtete Christi Gibson. Ashley Madison wurde im Juli gehackt, im August veröffentlichten die Hacker persönliche Daten der Nutzer. Seitdem untersuchen die Behörden in Toronto mehrere Selbstmorde, die möglicherweise im Zusammenhang mit diesen Veröffentlichungen stehen. Demnach haben die Hacker E-Mails an Menschen geschickt, die bei dem Seitensprungportal angemeldet waren, um sie zu erpressen.

"Es war nicht so schlimm"

Christi Gibson sagte, ihr Mann sei wahrscheinlich besorgt gewesen, dass er wegen der Enthüllung seinen Job verlieren könnte. John Gibson war bis zu seinem Tod Lehrer am Baptistischen Theologischen Seminar von New Orleans und außerdem Pastor der First Southern Baptist Church in Pearlington, Mississippi. Er wurde sehr geschätzt, viele seiner Studenten berichteten, dass er mit ihnen an ihren Autos herumgeschraubt habe. "Es war nicht so schlimm, dass wir ihm nicht hätten vergeben können, aber für John war es eine Schande", fügte Christi Gibson hinzu.

Nach dem Tod von John Gibson wandten sich seine Witwe und die Kinder Trey und Callie an die Öffentlichkeit. Sie berichteten über Gibsons Todesumstände, "um eine Botschaft an die 32 Millionen geouteten User der Seitensprungseite zu senden". Das seien echte Menschen mit echten Familien, echten Schmerzen und einem echten Verlust. "Nichts ist es wert, dass man einen Vater, einen Ehemann und Freund verliert."

Quelle: ntv.de, sba

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