Panorama

Millionen Liter Rohöl ausgelaufenPipeline-Leck in Frankreich

08.08.2009, 16:56 Uhr

Aus einem Leck in einer Pipeline zwischen Frankreich und Deutschland sind Millionen Liter Rohöl in ein Naturreservat in der Provence geflossen. Nach Angaben des Umweltministeriums in Paris verteilte sich die schwarze zähe Flüssigkeit auf einer Fläche von etwa zwei Hektar.

Staatssekretär Chantal Jouanno sprach von einer Umweltkatastrophe in der unbewohnten Steppenlandschaft im Süden des Landes. In dem geschützten Gelände nordwestlich der Hafenstadt Marseille leben unter anderem seltene Vogelarten. Naturschützer befürchteten erhebliche Schäden für die Artenvielfalt.

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Das Öl verteilt sich auf einer Fläche von etwa zwei Hektar. (Foto: dpa)

Wie es zu dem Leck in der Pipeline der Gesellschaft SPSE (Société du Pipeline Sud-Européen) kommen konnte war zunächst unklar. Nach ersten Erkenntnissen liefen knapp 4000 Kubikmeter Rohöl aus. Gefahr für das Grundwasser soll nicht bestehen. "Die Situation ist unter Kontrolle, es gibt keine Gefahr für die umliegenden Dörfer", sagte SPSE-Direktor François Trabucco der Tageszeitung "La Provence". Die Landschaft nahe Saint-Martin-de-Crau werde in den nächsten Tagen von Spezialisten gesäubert. Das Leck war am Freitag aufgefallen. Die Staatsanwaltschaft nahm die Ermittlungen auf.

Klage angekündigt

Das Unternehmen SPSE versorgt mit der 769 Kilometer langen Pipeline-Achse Raffinerien und eine petrochemische Plattform. Sie führt von Fos-sur-Mer in Frankreich über die Schweiz nach Karlsruhe. Dort wird die Raffinerie MiRO mit Rohöl versorgt. Nach eigenen Angaben transportierte die SPSE zuletzt rund 23 Millionen Tonnen Öl pro Jahr. Größter Anteilseigner ist der französische Ölkonzern Total. Das deutsche Chemieunternehmen BASF hielt zuletzt zehn Prozent an SPSE.

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Ein Pipeline-Leck ist der Ursache der Umweltkatastrophe. (Foto: REUTERS)

Umweltschützer kündigten derweil eine Klage an. Der Vorfall in dem Reservat Coussouls de Crau sei ein "Umweltverbrechen", das nicht unbestraft bleiben dürfe, sagte der Chef der regionalen Gruppe des Vogelschutzverbands LPO, Benjamin Kabouche. Sobald das Ausmaß des Schadens klar sei, werde die LPO Klage einreichen, fügte Kabouche hinzu. Bei solchen Umweltkatastrophen sei jedoch mit jahrelangen Verfahren zu rechnen. Zudem sei angesichts der Bedeutung der Pipeline für den Staat nicht mit schnellen Ermittlungen zu rechnen, sagte der LPO-Chef. Durch die Leitung wird Rohöl nach Deutschland und in die Schweiz gepumpt.

Quelle: dpa