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Ramsauer blickt in die Zukunft - und will die deutsche Sprache vor weiteren Unsauberkeiten schützen.
Ramsauer blickt in die Zukunft - und will die deutsche Sprache vor weiteren Unsauberkeiten schützen.(Foto: REUTERS)
Mittwoch, 29. Dezember 2010

Deutsch statt Denglisch: Ramsauer performt auf Klapprechner

Verkehrsminister Ramsauer liebt seine Muttersprache. Und will sie hegen und pflegen. Sogenanntes Denglisch soll ihm nicht mehr ins Haus kommen. In seinem Ministerium sollen Begriffe wie Flipchart und Laptop bald nicht mehr auftauchen. Jedenfalls wünscht er sich das von seinen Mitarbeitern.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hat eine neue Aufgabe. Der Bayer tritt auf wie ein selbst ernannter Regierungsbeauftragter für die Pflege der deutschen Sprache. Ja, sagte Sprecherin Sabine Mehwald, der Minister habe im Hause dazu aufgerufen, die deutsche Sprache zu schützen - vor allem vor Anglizismen. "Darauf zu achten, wie geh' ich mit meiner Muttersprache um, ist dem Minister sehr wichtig." Im Ministerium gibt es inzwischen eine Liste, welche englischen Wörter die Mitarbeiter zurückübersetzen sollen.

Nun soll es in den Schriftstücken des Ministeriums "Klapprechner" statt "Laptop", "Fahrschein" statt "Ticket" oder "Tafelschreibblock" statt "Flipchart" heißen. Da wird der "Gigaliner" zum "Lang-Lkw", der "Beamer" zu "Datenprojektor" oder die "E-Mail" zur "Nachricht", der "Shareholder" zum "Anteilseigner", der "Laserpointer" zum "Laserzeiger".

"Dem Volk aufs Maul geschaut! Und schon weiß ich, was die Nöte, Sorgen und Probleme der Menschen sind", zitierte der "Tagesspiegel" Ramsauer. Und der will auch bei der international agierenden Bahn englische Begriffe rückübersetzen lassen.

Auf diese Säuberungsaktion des Ministers angesprochen, begann der stellvertretende Regierungssprecher Christoph Steegmans zu schmunzeln. "Im Interesse einer besseren Verständlichkeit" sei es "immer hilfreich, wenn man für ein kompliziertes Wort ein einfaches, verständliches Wort findet. ... Das ist aber mehr eine Frage des persönlichen Stils als einer Behörde oder Organisation."

Ob dieser Distanzierung bemühte sich Mehwald klarzustellen, dass auch Ramsauer kein Verbot und keine Anweisung ausgesprochen habe. "Das hat nichts Zwanghaftes", sagte sie. Ramsauer habe wegen der großen Zustimmung aus der Bevölkerung auch Unterstützung im eigenen Hause. Der Austausch der Anglizismen sei auch kein Aufwand, sondern laufe quasi neben der Arbeit her.

Gemeinschaft regelt das

Die Klage Ramsauers über eine verhunzte Sprache ist wohl so alt wie die Sprache selbst. Sprache ist immer im Fluss - und auch von außerhalb der Sprachgemeinschaft beeinflusst. Sie muss funktionieren. Und sie funktioniert für einzelne Sprachgruppen unterschiedlich. Gern wird in diesem Zusammenhang die Jugendsprache zitiert, die ihrerseits keinesfalls einheitlich ist.

Was die Jugendlichen wollen, ist: sich abgrenzen, cool sein, Tabus brechen und Ähnliches. Und auch diese Sprache entwickelt sich weiter. Haben die heutigen Supporter (Eltern) in den 60er und 70er Jahren mit dem Wort "geil" für "super, sehr gut/schön" noch provozieren können, lockt das Wort heute keinen Enkel mehr hinterm Ofen vor. Heute heißt es "fett" oder "fundamental". Und wer nicht mitmacht, wird leicht zum "Loser".

Das von Mehwald für besonders problematisch angesehene Denglisch Handy wird möglicherweise bald zum Händi und genau so eingedeutscht wie die nicht mehr als solche erkennbaren Anglizismen Streik, Keks, Gully oder Tank. Was in die Sprache aufgenommen wird, bestimmt mit Sicherheit nicht Peter Ramsauer, er kann höchstens Vorschläge machen.

Es ist die Sprachgemeinschaft, die - aus letztlich unerfindlichen Gründen - Wörter übernimmt oder aussondert. Der Germanist Rudi Keller hat dafür - übrigens aus den Wirtschaftswissenschaften - den Begriff der Unsichtbaren Hand in die Sprachwissenschaft übernommen. Manche Wörter sind Gelegenheitsbildungen für einen Tag. Manche setzen sich für lange Zeit durch. Alle ändern ihre Inhalte im Lauf der Jahre. So kommt populär ebenso vom lateinischen populus (Volk) wie Populismus.

Was ist mit Behördensprache?

Steegmans versuchte, die fragenden Journalisten zu beruhigen. Angesichts der Tatsache, dass das schon vor tausend und mehr Jahren in der sogenannten althochdeutschen Sprachepoche geläufige Wort "Maut" auch heute noch existiere und nicht durch das englische Wort "Toll" ersetzt werde, "muss es uns an der Stelle nicht bange sein". Maut ist nun eine Abgabe und bei Abgaben pflegt der Staat immer eine deutliche Sprache: Maut, Steuern, Abgabe, Beiträge und etliches mehr haben eine lange Tradition - nicht nur sprachgeschichtlich.

Der Auto Club Europa (ACE) empfahl dem Verkehrsminister, als Hobby-Sprachpfleger "demnächst auch die Straßenverkehrsordnung einer sprachlichen Entrümpelungsaktion zu unterziehen". So enthalte die Winterreifenpflicht "nur schwer einzuordnende Querverweise auf unbekannte Richtlinien. Diese umfassten teils mehr als 90 mit Behördenkauderwelsch gespickte Seiten". Behördenkauderwelsch könne auch auf Deutsch verfasst werden.

Quelle: n-tv.de

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