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Donnerstag, 27. Juli 2017

Aufräumarbeiten im Harz: Regenmassen fluten Hildesheimer Stadtteil

Unwetterartige Regenfälle suchen vor allem die Mitte und den Süden Deutschlands heim. Während mancherorts mittlerweile Entwarnung gegeben wird, steigt das Wasser in Hildesheim wieder - teils bis über die Deichwand. Im Stadtteil Itzum herrscht Land unter.

Die Hochwasserlage im niedersächsischen Hildesheim bleibt angespannt. Es gebe Wassereinbrüche, das Grundwasser steige und die Kanäle seien randvoll, sagte ein Feuerwehrsprecher. Dazu laufe das Wasser an einer Stelle über einen Deich in den Stadtteil Itzum. "Dort war zuvor nichts absehbar, jetzt ist dort Land unter", sagte der Sprecher.

Die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" berichtete, dass an der Itzumer Hauptstraße bereits Ein- und Mehrfamilienhäuser geräumt werden mussten. Die Feuerwehr versuche, knapp 20 Häuser mit Sandsäcken vor den Fluten zu schützen. Auch für andere Bereiche gebe es noch keine Entwarnung. In Derneburg seien 20 Lämmer ertrunken, die Tiere seien zwischen vier und sechs Monate alt gewesen.

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Die Wasserstände seien weiter auf hohem Niveau, das Grundwasser drücke von unten nach. Am Morgen war eine Brücke über die Innerste wegen des Hochwassers gesperrt worden. Der Stand des Pegels Heinde an der Innerste bei Hildesheim habe erneut die 7-Meter-Marke überschritten und sei weiter auf kritischem Niveau, hieß es am Morgen. Im Laufe des Tages sollten die Wasserstände an der Innerste aber langsam wieder fallen.

An der Oker stieg das Wasser am Pegel Ohrum im Landkreis Wolfenbüttel noch weiter, im Laufe des Tages sollte es den vorläufigen Spitzenwert erreichen. Der Pegel erreichte einen neuen Rekordwasserstand, wie schon am Mittwoch der Pegel Schladen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hob am Morgen allerdings alle bestehenden Warnungen vor ergiebigem Dauerregen auf. Tief "Alfred" zieht nach Osten ab, wie der DWD mitteilte. Der Regen höre damit zwar nicht auf, aber die Intensität lasse nach.

Leichte Entwarnung in Goslar

In Goslar entspannte sich die Lage dagegen. "Am meisten freuen wir uns darüber, dass es hier nicht mehr regnet", sagte ein Sprecher der Einsatzleitung am Morgen. Die Pegelstände fielen, einige Straßen blieben aber noch gesperrt. "Wir erwarten hier am Donnerstag frische Einsatzkräfte. Dann werden wir die Lage begutachten und überlegen, was zu tun ist", sagte der Sprecher.

Das Landratsamt des Goslarer Kreises hob in der Nacht den Katastrophenalarm auf. Hunderte Helfer waren im Einsatz, um Schäden zu beseitigen. Einige Keller wurden leergepumpt. Wie hoch die Schäden sind, steht noch nicht fest. Goslars Oberbürgermeister Oliver Junk hatte am Mittwoch von Kosten in Millionenhöhe für Sanierung und Renovierung gesprochen.

Lage in Harzregion teils entspannt

In der Harz-Gemeinde Harsleben in Sachsen-Anhalt spitzte sich die Lage derweil zu. "Der Ort läuft voll", sagte der Leiter der Einsatzstelle beim Landkreis Harz, Kai-Uwe Lohse. In dem Ort nahe Halberstadt trat der sonst harmlose Goldbach über die Ufer. "Hier läuft das Wasser zusammen, das die letzten Tage bei uns von den Bergen runtergekommen ist", sagte Lohse. In tiefer gelegenen Stellen würden Häuser evakuiert.

Von einer seit Dienstag an dem Hochwasser-Fluss Holtemme vermissten Seniorin fehlt weiter jede Spur. Nach der 69-Jährigen werde weiter gesucht, hieß es im Polizeirevier Harz. Die Frau wohnt direkt neben der Holtemme. Die Polizei schließt nicht aus, dass die Frau in den Fluss gefallen ist.

Nach 48 Stunden prasselnden Dauerregens beruhigte sich die Lage in der Nacht ansonsten etwas. Das Schlimmste liegt wohl hinter den Einsatzkräften. "In den früheren Akut-Gebieten wie Wernigerode oder Ilsenburg ist es jetzt relativ normal", sagte Lohse. "Zu schaffen macht uns das gestiegene Grundwasser", sagte er.

Aus der Zillierbachtalsperre oberhalb von Wernigerode in Sachsen-Anhalt wird nach Einschätzung des Talsperrenbetriebs noch tagelang Wasser überlaufen - allerdings nicht in gefährlichem Ausmaß, wie der Geschäftsbereichsleiter des Talsperrenbetriebs, Joachim Schimrosczyk, mitteilte. In den zurückliegenden Tagen habe die Talsperre 700.000 Kubikmeter Wasser aufgenommen und nichts abgegeben.

Quelle: n-tv.de

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