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Staatsbesuch aus dem Iran: Rom verhüllt nackte Statuen

Gespenstische Maßnahme im Museum: Im Zentrum der italienischen Hauptstadt verschwinden freizügige Skulpturen aus der Antike hinter blickdichten Sichtschutzwänden. Die Vorkehrung soll Präsident Ruhani vor peinlichen Momenten schützen. Die Volksseele kocht.

Im Gespräch mit Matteo Renzi (r.): Hassan Ruhani, Präsident der Islamischen Republik Iran.
Im Gespräch mit Matteo Renzi (r.): Hassan Ruhani, Präsident der Islamischen Republik Iran.(Foto: AP)

Wie viel europäische Kunstgeschichte muss ein Staatsgast aus der Golfregion bei einem Besuch in Europa verkraften? Aus Respekt vor der iranischen Kultur und dem Glauben des Präsidenten Hassan Ruhani haben die Behörden in Roms Kapitolinischen Museen mehrere nackte Statuen verhüllt.

Die Maßnahme war offenbar sorgsam vorbereitet: Die fraglichen Kunstgegenstände, die nach Einschätzung der zuständigen Stellen offenbar geeignet waren, das Schamgefühl durch anzügliche Szenen oder freizügige Darstellungen zu verletzten, wurden hinter aufwändig produzierten Schutzbauten versteckt. Mehrere Medien veröffentlichten Fotos von schrankähnlichen Konstruktionen, hinter denen einzelne, offenbar besonders anstößige Skulpturen verschwanden.

Zu europäisch?

Ruhani hatte am Vorabend den italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi auf dem Kapitolshügel getroffen und war später in den Räumen des riesigen Museumsbaus der Musei Capitolini vor die Presse getreten. Welche Objekte die Museumsverantwortlichen seinen Blicken entziehen mussten, blieb unklar. Die Kapitolinischen Museen beherbergen umfassende Sammlungen mit Kunstgegenständen von der Antike bis in die Gegenwart.

Das vorauseilende Schamgefühl löste in der italienischen Öffentlichkeit eine hitzige Debatte aus. Kritiker warfen der Regierung in Rom unter anderem vor, in Anbetracht der wirtschaftlichen Chancen im Iran zu wenig Rückgrat gezeigt und das kulturelle Selbstbewusstsein Italiens vernachlässigt zu haben. Ruhanis Besuch in Rom wurde zudem von Protesten exil-iranischer Gruppen begleitet.

Kein Wein beim Essen

Zusätzlich angeheizt wurde die Debatte durch ein weiteres Detail des Staatsbesuchs. Aus Rücksicht auf den muslimischen Glauben Ruhanis sei beim Abendessen auch kein Wein serviert worden, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa. Wein zählt zu den wichtigsten Exportgütern der italienischen Agrarwirtschaft.

Ruhani war zu Wochenbeginn in der italienischen Hauptstadt eingetroffen. Italiens Ministerpräsident Renzi erhofft sich von dem Besuch engere wirtschaftliche Kontakte zwischen Italien und dem Iran. Die Regierung in Teheran sucht seit Aufhebung der Sanktionen nach neuen Geschäftspartnern im Ausland. Es ist der erste offizielle Staatsbesuch aus Teheran in Europa seit fast zwei Jahrzehnten.

Quelle: n-tv.de

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