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Schweizergardisten sollen bei homosexuellen Geistlichen beliebte Zielobjekte sein.
Schweizergardisten sollen bei homosexuellen Geistlichen beliebte Zielobjekte sein.(Foto: imago stock&people)

Sex-Skandal im Vatikan?: Schweizergardisten packen aus

Traditionell bewacht die Schweizergarde Papst und Vatikan. Doch offenbar dient die Truppe nicht nur allein dem Schutz, sondern auch als Lustobjekt einiger Diener Gottes. Ex-Gardisten berichten über unmoralische Angebote und sexuelle Belästigungen.

Seit mehr als 500 Jahren bewacht die Schweizergarde traditionell Papst und Vatikan. Die Jobs sind begehrt, die Anforderungen für die Anwärter entsprechend hoch. Jung, hochgewachsen, sportlich, mit einwandfreiem Leumund haben die Kandidaten zu sein. Doch offenbar dient die 110-köpfige Truppe nicht allein dem Schutz, sondern auch als Lustobjekt einiger hoher Geistlicher. Binnen weniger Tagen meldeten sich zwei Schweizergardisten und schilderten ihre Erfahrungen in der Nähe der Macht im Vatikan. Demnach erhielten die Männer jede Menge unmoralischer Angebote.

Anfang des Jahres berichtete die Zeitung "Schweiz am Sonntag" erstmals über einen Gardisten, der von einem Dutzend Geistlichen belästigt wurde. Die Geistlichen bis hinauf zum Bischof und Kardinal hätten ihm sexuell motivierte Avancen gemacht, wird der ehemalige Gardist in der Zeitung zitiert. Mit jeder Menge Alkohol, Einladungen und sexuellen Angeboten sollen sich die Diener Gottes ihm genähert haben. Dem Bericht zufolge gab es ganz unverhohlene Anfragen, zum Beispiel als "Dessert mit zwei Beinen zu einem erlesenen Mahl" zu fungieren.

Nur ein sprachliches Missverständnis?

Laut der Zeitung nahmen ihn Vorgesetzte, die er über die sexuelle Belästigung informierte, nicht ernst. "Du hast das falsch verstanden, du kannst ja gar kein Italienisch", habe man ihn zu beschwichtigen versucht. Nicht einmal seine Verwandten in der Schweiz hätten ihm glauben wollen. Die Doppelmoral, auf die er während seiner Gardezeit stieß, erschütterte und desillusionierte den jungen Mann, dass er dem Vatikan zuletzt enttäuscht den Rücken zukehrte.

Ein neuer Fall schürt nun den Verdacht, dass die sexuellen Belästigungen größere Ausmaße haben als bislang vermutet. Wie die "Schweiz am Sonntag" berichtet, hat sich jetzt der Verwandte eines anderen ehemaligen Gardisten gemeldet. Der Mann aus der Deutschschweiz, der vor zehn Jahren im Vatikan Dienst tat, soll ebenfalls von diversen Geistlichen sexuell belästigt worden sein. Der unterdessen verheiratete, "groß gewachsene Adonis" habe nach seiner Rückkehr fast identische Vorkommnisse geschildert. "Auch er wurde sexuell angemacht und habe von Bischöfen und Kardinälen eindeutige Angebote erhalten", wird der Verwandte zitiert. Auch dieser Gardist habe von privaten Einladungen bis zu Essen mit viel Alkohol erzählt. Nachts habe auf den Korridoren ein emsiges Kommen und Gehen geherrscht. "Geistliche gingen zu ihm, wenn er Wache hatte. Und einer, der Freude an ihm hatte, kam ihn sogar in die Schweiz besuchen."

Große Angst vor Kirche

Erst nach einer Weile sei dem Ex-Gardisten klar geworden, was da ablaufe. "Er glaubte anfänglich, diese Leute seien einfach besonders nett", zitierte ihn die "Schweiz am Sonntag" weiter. Erst nach und nach habe der Mann gemerkt, was wirklich vor sich ging. Beide Ex-Gardisten wollen anonym bleiben. "Er ist sehr katholisch und will dem Ruf der Garde nicht schaden", erklärte der Verwandte gegenüber der "Schweiz am Sonntag". Außerdem spiele auch die Angst vor der Macht der Kirche und der Schutz seiner Familie eine Rolle.

Die Enthüllungen der Schweizergardisten dürften in Rom für erhebliche Unruhe sorgen. Papst Franziskus hat sich zum Ziel gesetzt, die Kurie zu reformieren. Dabei verortet er die Probleme vor allem im persönlichen Verhalten seiner Mitarbeiter. Homosexualität ist ein wichtiger Aspekt.

So sprach der Pontifex Am 6. Juni 2013 vor lateinamerikanischen Ordensvertretern von einer "Schwulenlobby". "Es stimmt. Es gibt sie. Wir müssen sehen, was wir tun können." Der Vatikan dementierte den Satz nicht. Papstsprecher Federico Lombardi legte lediglich Wert auf die Feststellung, dass er den Inhalt von Privataudienzen nicht kommentiere.

Quelle: n-tv.de

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