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Erdbeben der Stärke 8,4: Selbst aus Mexiko-Stadt - 700 Kilometer vom Epizentrum entfernt - kommen Berichte über schwere Schäden.
Erdbeben der Stärke 8,4: Selbst aus Mexiko-Stadt - 700 Kilometer vom Epizentrum entfernt - kommen Berichte über schwere Schäden.(Foto: dpa)
Freitag, 08. September 2017

Tsunami-Warnung im Pazifik: Schweres Erdbeben erschüttert Mexiko

Mitten in der Nacht beginnt vor der Küste Mexikos die Erdkruste zu beben: Bei dem Erdstoß der Stärke 8,4 verlieren ersten Berichten zufolge mindestens 15 Menschen ihr Leben. Das ganze Ausmaß der Schäden ist noch unklar. Die Tsunami-Gefahr scheint gebannt.

Ein schweres Erdbeben hat am Morgen eine Tsunami-Warnung im Pazifik ausgelöst. An der mexikanischen Küste rechneten die Behörden zeitweise mit meterhohen Flutwellen. Das Beben habe sich kurz vor Mitternacht (Ortszeit Mexiko) unter dem Meeresboden vor dem mexikanischen Bundesstaat Chiapas im Süden des Landes in einer Tiefe von 19 Kilometern ereignet, teilte das Pazifik-Tsunami-Warnzentrum mit. Die mexikanische Erdbebenwarte gab die Stärke des Bebens zuletzt mit 8,4 an. Die US-Erdbebenwarte USGS hatte zunächst von einer Stärke von 8,0 gesprochen.

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Erst nach Stunden konnte Experten eine vorsichtige Entwarnung geben: Der mächtige Erdstoß vor der Küste löste demnach nur kleinere Tsunamiwellen von bis zu 70 Zentimeter Höhe aus. Dennoch rechneten Beobachter mit massiven Schäden in der Unglücksregion. Nach Angaben des Seismologischen Instituts in Mexiko könnte es sich um eines der stärksten bislang in Mittelamerika gemessenen Erdbeben gehandelt haben.

Der Katastrophenschutz des Landes hatte zeitweise vor mehr als vier Meter hohen Wellen gewarnt und Küstenbewohner in Chiapas und Oaxaca aufgerufen, sich in Sicherheit zu bringen. Die vorsorglich ausgegebene Tsunami-Warnung galt ausdrücklich auch für die Küsten von Guatemala, El Salvador, Costa Rica, Nicaragua, Panama, Honduras und Ecuador.

Schwerstes Beben seit 1932

Allein in Chiapas unweit des Epizentrums kamen bei dem Beben, das die Region kurz vor Mitternacht (Ortszeit, 6.49 Uhr MESZ) erschütterte, mindestens drei Menschen ums Leben, wie der mexikanische Innenminister Miguel Ángel Osorio Chong bestätigte. Es steht zu befürchten, dass die Zahl der Todesopfer weiter steigt. Die Suche nach weiteren Opfern dauert an.

Lokale TV-Sender berichteten von mindestens 15 Toten. Nach Angaben von Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto war es das stärkste in der Region gemessene Beben seit 1932. Rund 50 Millionen Menschen hätten in Mexiko die schweren Erschütterungen zu spüren bekommen, sagte er dem Sender Foro TV. "Es handelt sich um ein Beben großen Ausmaßes."

Unter den bislang aus Chiapas gemeldeten Toten sind zwei Frauen, die starben, als ein Haus in der Stadt San Cristobal einstürzte, wie Gouverneur Manuel Velasco mitteilte. Zwei weitere Menschen kamen im benachbarten Bundesstaat Tabasco ums Leben. Dort starb ein Baby, weil ein Beatmungsgerät im Krankenhaus wegen eines Stromausfalls nicht mehr funktionierte, ein weiteres Kind wurde beim Einsturz einer Mauer getötet, wie Gouverneur Arturo Núñez mitteilte.

Schwankende Gebäude in Mexico-City

Der Bundesstaat Chiapas liegt an der Pazifikküste im Süden Mexikos an der Grenze zu Guatemala rund 700 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Mexiko-Stadt. Aus den betroffenen Städten und Gemeinden gehen Berichte über schwere Schäden ein. Auf ersten Bildern sind eingestürzte Fassaden und tiefe Risse in Hauswänden zu erkennen. Selbst in Mexiko-Stadt noch stürzten während des Bebens Mauern ein. Es kam zu zahlreichen Stromausfällen. Zeitweise waren mehr als 1,5 Millionen Menschen ohne Strom. Im Internet kursierten Handy-Aufnahmen, die schwankende Gebäude in der Millionenmetropole zeigen.

Nach Angaben lokaler Medien brach in der Stadt Matías Romero im Bundesstaat Oaxaca ein Hotel in sich zusammen. Über mögliche Opfer wurde aber zunächst nichts bekannt. Auch aus anderen Städten gibt es Bilder, auf denen eingestürzte Gebäude und verschüttete Fahrzeuge zu sehen sind.

Wie schwer die Schäden in den ländlichen Gebieten Mexikos tatsächlich sind, dürfte sich wohl erst im Lauf des Tages zeigen. Auch im benachbarten Guatemala werden schwere Schäden befürchtet. Präsident Jimmy Morales sagte im Fernsehen, dass man sich einen Überblick verschaffe.

Beben trifft Mittelamerika

Die Erschütterungen waren ersten Berichten zufolge in ganz Zentralmexiko sowie in mehreren Ländern Mittelamerikas zu spüren. In der Region kam es zudem zu zahlreichen Nachbeben. Das Epizentrum des schwersten Erdstoßes liegt nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS rund 96 Kilometer vor der Kleinstadt Pijijiapan unter dem Meeresboden des östlichen Pazifiks.

Die US-Experten ermittelten die Stärke der Erdstöße zunächst mit 8,0. Später korrigierte auch die US-Erdbebenwarte ihre Angaben auf 8,1 nach oben. Gut zehn Minuten nach dem ersten, massiven Erdstoß erreichte ein Nachbeben den USGS-Angaben zufolge eine Stärke von 5,7.

Das Beben von Chiapas war stärker als der verheerende Erdstoß von 1985, als große Teile von Mexiko-Stadt zerstört und Tausende Menschen getötet wurden. Zunächst war nicht absehbar, dass die Schäden diesmal ein solches Ausmaß erreichen könnten.

In der Region sind Erdbeben nicht ungewöhnlich: Vor der Küste Mittelamerikas verlaufen Teile des sogenannten Pazifischen Feuerrings, der Bruchstellen in der Erdkruste folgt. Hier treten geologische Aktivitäten wie etwa Vulkanausbrüche und auch Erdbeben gehäuft auf.

Im Osten Mexikos bereiten sich die Menschen unterdessen auf ein ganz anderes Naturereignis vor: Im Golf von Mexiko tobt derzeit der Hurrikan "Katia". Eine Hurrikan-Warnung sei für Teile des Staats Veracruz ausgegeben worden, berichteten regionale Wettersender. Im Osten Mexikos könnte es am Freitag und am Wochenende zu heftigem Regen und Sturmböen kommen.

Quelle: n-tv.de

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