Panorama

Sechsjähriger ringt mit dem TodSoko soll Hagener Raserunfall aufklären

20.05.2016, 14:52 Uhr
a7d85e12968e23798c8893e0e7b45a0c
Auf der Unfallstraße gilt Tempo 50. (Foto: dpa)

Man kennt Sonderkommissionen von Kapitalverbrechen wie Mord. In Hagen wird eine ähnliche Ermittlergruppe nun für den schweren Unfall eingerichtet, dem ein illegales Rennen vorausging. Noch immer kämpft ein schwerverletztes Kind um sein Leben.

Für die Aufklärung eines schweren Unfalls mit fünf Schwerverletzten infolge eines illegalen Autorennens hat die Polizei eine Ermittlungskommission eingerichtet. Dieser Schritt sei bei Verkehrsunfällen eher ungewöhnlich, sagte der Leiter der Verkehrsdirektion der Hagener Polizei, Michael Hoffmann.

Bei dem spontan an einer Ampel begonnenen illegalen Rennen wollten zwei 33 und 46 Jahre alte Autofahrer am Donnerstagabend in der Nähe der Fernuni Hagen offenbar klären, wer von beiden das schnellere Auto fährt. Bei den Autos handelte es sich um einen Audi A6 und einen Skoda Fabia. Als eine 76 Jahre alte Autofahrerin mit ihrem Kleinwagen am Fahrbahnrand losfuhr, wollte der 46-Jährige Skoda-Fahrer den Ermittlungen zufolge ausweichen und geriet dabei in den Gegenverkehr.

Er kollidierte frontal mit dem Wagen einer 37 Jahre alten Mutter, die mit ihrer elfjährigen Tochter und ihrem sechsjährigen Sohn unterwegs war. Alle drei erlitten schwere Verletzungen. Der Junge wurde mit dem Rettungshubschrauber in eine Spezialklinik geflogen. Sein Zustand ist inzwischen nach Angaben der Polizei stabil. Allerdings sei noch immer nicht klar, ob er den Unfall überlebt. "Wir machen uns sehr große Sorgen", so Hoffmann. Wären die Mutter und ihre Kinder nicht angeschnallt gewesen, hätten sie den Unfall nicht überlebt, so die eindeutige Einschätzung der Polizei.

Das Auto der Frau war durch die Wucht des Aufpralls gegen einen neben ihr fahrenden Wagen eines 30-Jährigen geschoben worden. Der Pkw rammte daraufhin eine Verkehrsinsel, stürzte um. Der fahrer wurde ebenfalls schwer verletzt.

Kein typischer Fall

Bereits wenige Stunden nach dem Unfall hatte die Polizei sämtliche Fahrzeuge gesichert und alle Unfallbeteiligten ermittelt. Der Audi-Fahrer war zunächst geflüchtet, stellte sich jedoch später der Polizei. Von seiner Vernehmung erhoffen sich die Ermittler Aufschluss darüber, wie es überhaupt zu dem illegalen Rennen gekommen war. Hoffman bezeichnete einen Wettkampf zwischen einem Skoda und einem Audi als "eher ungewöhnlich", ebenso wie das Alter der beteiligten Autofahrer.

Dirk Weber, der bei der Polizei Köln einer speziellen Ermittlungsgruppe zu illegalen Autorennen angehört, sagte bei n-tv, typische Raser seien "18- bis 25-jährige Männer mit einer Vorliebe für aufgemotzte Autos". Deren Motivation sei für die Beamten nicht immer leicht zu beurteilen, oft gehe es um den Adrenalinkick, oft aber auch darum, mit einem getunten Auto das geringe Selbstbewusstsein aufzupolieren. Weber sprach sich dafür aus, dass vor allem bei Wiederholungstätern häufiger der Führerschein auf Lebenszeit entzogen werden sollte. Dies hätte in der Szene eine abschreckende Wirkung.

Tatsächlich werden die meisten Raser zu Bewährungsstrafen verurteilt, auch wenn bei dem illegalen Rennen Menschen ums Leben gekommen sind. Die beteiligten Autofahrer in Hagen waren nach Angaben der Staatsanwaltschaft bisher nicht verkehrsstrafrechtlich aufgefallen. Ihre Führerscheine wurden sichergestellt, deren Entziehung beantragt. Ihnen drohen Anklagen wegen massiver Gefährdung des Straßenverkehrs und fahrlässiger Körperverletzung. Alkohol war offenbar nicht im Spiel. Zudem gilt Hagen anders als beispielsweise Wuppertal oder Teile Brandenburgs nicht als Schwerpunkt der Raserszene.

Quelle: ntv.de, sba

VerkehrsunfälleNordrhein-Westfalen