Kies für Schmalkaldener LochSpezialgerät am Krater

Im thüringischen Schmalkalden arbeiten Experten und Behörden fieberhaft daran, den plötzlich entstandenen riesigen Krater aufzufüllen. Ein Spezialbagger und ein Förderband treffen ein, insgesamt sollen 40.000 Tonnen Kies in das Erdloch gefüllt werden.
Am Krater von Schmalkalden in Thüringen laufen die Vorbereitungen zum Verfüllen des Loches auf Hochtouren. Mit Hilfe eines eingetroffenen Spezialbaggers mit einem 18,5 Meter langen Greifarm soll das Loch mit riesigen Mengen Kies zugeschüttet werden. Dabei bereitet neben der engen, steilen Hangstraße vor allem der brüchige Untergrund Probleme. "Wir müssen zunächst alles, was gerissen ist, wegnehmen und dann schauen, was uns erwartet", sagte der Niederlassungsleiter der für die Arbeiten zuständigen Baufirma, Heinz Schleicher. "Sicherheit geht vor.
Der Standplatz für den tonnenschweren Bagger mit ausladendem Arm wird nördlich des gewaltigen Erdlochs, wahrscheinlich rund 15 Meter von der Abbruchkante entfernt, hergerichtet. Auf den Einsatz eines 30 Meter langen Förderbandes soll zunächst verzichtet werden. "Die Arbeiten mit dem Bagger sind effektiver", sagte der Landrat des Kreises Schmalkalden-Meiningen, Ralf Luther (CDU). Mit dem eigentlichen Zuschütten des etwa 20 Meter tiefen Schlundes kann wahrscheinlich erst am Donnerstag begonnen werden.
Das rund 20 Meter tiefe Erdloch soll mit 40.000 Tonnen Kies gefüllt werden. Dafür müssten möglichst rund um die Uhr 2000 Lastwagenladungen herangefahren werden. Zunächst war von der halben Menge Füllmaterial die Rede gewesen. Wie lange das Verfüllen dauern wird, ist noch nicht einzuschätzen. "Die Leute werden mit wochenlangen Lkw-Verkehr zu leben haben", sagte der parteilose Bürgermeister Thomas Kaminski. Bei den anfallenden Kosten will der Landkreis zunächst in Vorkasse gehen.
Weitere Gefahr nicht ausgeschlossen
Experten fürchten indes weitere Gefahren durch starken Regen. Vorbeugend würden daher Wasser- und Abwasserleitungen umverlegt, damit von dort kein Wasser in die Grube fließe, sagte der parteilose Bürgermeister Thomas Kaminski. Um mehr über die Gesteinsschichten im Untergrund zu erfahren, will das Land eine Untersuchungsbohrung in Auftrag geben.
Selbst wenn das Loch mit Kies gefüllt sei, könne es noch eine Weile dauern, bis sich der Erdfall beruhige, sagte der Direktor des Instituts für Geowissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Gerhard Jentzsch. Noch könne Gestein nachrutschen oder lockeres Material im Untergrund nachgeben. "Auch gegen die Gefahr, dass sich unter dem Krater noch ein weiterer Hohlraum befinden könnte, kann man nichts tun", warnte der Professor. Fachleute warnen vor ähnlichen Erdfällen "überall in den deutschen Mittelgebirgen".
Am Krater selbst, wo kaum mehr Schaulustige zu sehen waren, ließen Wissenschaftler der Universität Jena für Messungen eine Drohne - ein unbemanntes Flugzeug - kreisen. Bauzäune sicherten den Krater.
Habseligkeiten gesichert
Die Bewohner der geräumten Häuser durften noch einmal einige Habseligkeiten aus der Gefahrenzone bergen. Der Schreck aus der Nacht zum Montag, als das Erdloch mit einem Durchmesser von gut 35 Metern wie aus dem Nichts einbrach, saß den Anwohnern noch in den Knochen.
"Für mich wirkt das immer noch wie eine Katastrophenschutzübung, ich habe das noch nicht verarbeitet", sagte eine Frau, deren Haus seither direkt neben dem Abgrund steht. "Man kann sich nicht vorstellen, dass das bei uns passiert ist", beschrieb Irene Pastowski ein weit verbreitetes Gefühl unter den 20.000 Einwohnern der Fachwerkstadt. "Man wundert sich, dass kein Haus darin verschwunden ist", sagte die Passantin Wally Günther.
Die einen Tag nach Einsturz des Erdreiches freigegebenen Häuser stehen etwa 50 bis 80 Meter von der Unglücksstelle entfernt. Dorthin kehrten vier Familien zurück. Die meisten Familien aus den evakuierten Häusern kamen nach Angaben der Stadtverwaltung bei Verwandten und Bekannten unter. Für zwei Familien besorgte die Stadt Unterkünfte. Die Polizei will nach Angaben von Sprecher Fred Jäger in nächster Zeit verstärkt ein Auge auf das Gebiet am Krater haben, um die fluchtartig verlassenen Häuser vor Dieben zu schützen.
Der Krater war in der Nacht zum Montag in einer Wohnsiedlung aufgebrochen. Ein Auto rutschte in die Tiefe, die Straße brach weg. Mehrere Häuser mussten geräumt werden. Das fast kreisrunde Loch hat einen Durchmesser von gut 35 Metern. Geologen gehen von einer natürlichen Ursache für den Krater aus.