"Büro" im Park vorm Weißen HausStadtstreicher möchte US-Präsident werden

Ein Stadtstreicher gehört in Washington inzwischen fast zum Stadtbild. Bekleidet ist er nur mit einem Lendenschurz aus Jeans. Wenn es nach ihm ginge, säße er nächstes Jahr im Weißen Haus. Für seine erste Amtshandlung hat er sich auch schon etwas überlegt.
Elijah Alfred Alexander Jr. macht es sich auf einer Parkbank bequem. In einer Stadt, in der Anzüge, korrektes Erscheinungsbild und Dienstausweise Alltag sind, sticht "Nature Boy" heraus. Der Rentner ist inzwischen eine Art Wahrzeichen des Parks Lafayette Square - inklusive etwa 5000 Facebook-Freunden und eigener Webseite.
Fast jeden Tag kommt der 70-Jährige in den Lafayette Square. Umgeben von Touristen aus aller Welt und den regelmäßigen Protesten vorm Sitz des Präsidenten sucht er sich einen Platz in seinem "Büro", wie er die Anlage nördlich des Weißen Hauses im Gespräch nennt, und macht sich ans morgendliche Sudoku-Rätsel der Zeitung.
Im Minutentakt grüßen ihn die Passanten - ein kurzer Plausch, man kennt sich. Stets freundlich wünscht "Nature Boy" jedem seiner regelmäßigen Besucher einen schönen Tag. Wo andere lautstark reklamieren, schlägt Elijah Alexander lieber ruhige Töne an. Er sagt, es sei sein Schicksal, die Menschen auf das 2028 anstehende Ende der Zivilisation hinzuweisen und ihnen zu zeigen, wie man in der Natur überleben könne. Dazu benötigt man nicht viel Kleidung - das zeigt "Nature Boy" (der Naturbursche) seit über 30 Jahren. Schuhe trug er demnach das letzte Mal im Jahr 1981, Oberteile 1984.
Laptop muss schon sein
An Tagen mit extremen Wetterverhältnissen zieht er sich in seine kleine Sozialwohnung im Stadtteil Columbia Heights zurück. Seit gut zwei Jahren hat er zumindest ein Dach über dem Kopf. Seine Botschaften überbringt er nicht nur auf dem Lafayette Square. Auch im Internet ist der ehemals Obdachlose prominent vertreten. Im Gespräch verweist er auf seine eigene Homepage und auch bei Facebook hat er eine große Gefolgschaft. Für das Internet nutzt er eines seiner wenigen Besitztümer von materiellem Wert: einen 1500-Dollar Laptop.
Seit 2009 ist der Nomade in der US-Hauptstadt. Das Leben eines Wanderers habe er selbst gewählt. Ursprünglich aus dem südlichen Bundesstaat Louisiana, hat Alexander eine weite Reise durch 44 US-Bundesstaaten, Mexiko und Kanada hinter sich, wie er erzählt: "All diese Wege habe ich zu Fuß zurückgelegt, oder es hat mir jemand eine Mitfahrgelegenheit angeboten." Aus seiner Zeit in den Südstaaten stammt auch der Spitzname "Nature Boy". Die Menschen dort hatten eines Tages begonnen, ihn so zu nennen, wie er sagt.
Elijah for president?
Nach Washington verschlug es den Vietnam-Veteranen vor sechs Jahren, nach dem Tod seines Freundes William Thomas. In der Hauptstadt hängt er kruden Theorien an - Barack Obama sei, wie fast alle Präsidenten oder Kongressabgeordneten, verfassungswidrig ins Amt gekommen. Auch hinter den Anschlägen des 11. September 2001 vermutet er größere, dunkle Mächte.
Trotz seiner manchmal verschrobenen Theorien unterhalten sich fast alle gerne mit "Nature Boy". Sein Freund Mark Horvath, Gründer der Organisation "Invisible People", begründet das so: "Elijah ist immer fröhlich und immer sympathisch. Ich kenne nicht viele Leute, die so sind."
Sein "Büro" allerdings möchte Elijah Alexander schon bald wechseln. Im nächsten Jahr will er eigentlich als Präsident ins Weiße Haus ziehen. Die erste Amtshandlung? Weltfrieden.