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Erleichterung nach dem Urteil: Erin Andrews tritt vor die Presse.
Erleichterung nach dem Urteil: Erin Andrews tritt vor die Presse.(Foto: dpa)

Nackten TV-Star im Hotel gefilmt: Stalker muss Millionensumme zahlen

Ein Mann filmt eine prominente Sportmoderatorin heimlich im Hotelzimmer und veröffentlicht das Nackt-Video im Internet: Zur Strafe sollen der Stalker - und der Betreiber des Hotels - ein Vermögen von insgesamt 55 Millionen Dollar zahlen.

Ein US-Gericht hat der US-Sportjournalistin Erin Andrews wegen eines heimlich aufgenommenen Nacktvideos ein Schmerzensgeld von 55 Millionen Dollar zugesprochen. Umgerechnet entspricht das einer Summe von etwa 50 Millionen Euro. Einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde Andrews unter anderem durch ihre Auftritte als Ko-Moderatorin der TV-Tanzshow "Dancing with the Stars".

An der Seite ihres Anwalts vor der Geschworenenjury in Nashville:
Erin Andrews (r.).
An der Seite ihres Anwalts vor der Geschworenenjury in Nashville: Erin Andrews (r.).(Foto: AP)

Wie aus dem Urteil einer Jury aus Geschworenen in Nashville im US-Bundesstaat Tennessee hervorgeht, soll nicht etwa nur der Täter für die Summe aufkommen, sondern auch der Betreiber des Luxushotels, in dem das Video aufgenommen worden war.

Hotelzimmer mit Guckloch

In den Räumen des Hotels war Andrews von einem Verfolger durch ein Guckloch in ihrem Zimmer nackt gefilmt worden. Der später für die massive Belästigung der Frau als Stalker verurteilte Mann veröffentlichte das Video im Internet.

Aus europäischer Sicht ungewöhnlich erscheint - neben der Höhe des Schmerzensgeldes - die prozentuale Aufteilung der Schuld: Die Jury verurteilte den Stalker zur Zahlung von 51 Prozent der Gesamtsumme. Das Hotel muss für einen Anteil von 49 Prozent aufkommen.

Schutz der Privatsphäre

Das Gericht blieb damit noch unter den Forderungen der Betroffenen: Die für den Sender "Fox Sports" tätige Andrews hatte den Stalker Michael B. und zwei Hotelunternehmer aus Nashville auf die Zahlung von insgesamt 75 Millionen Dollar verklagt. Zur Begründung gab sie an, der acht Jahre zurückliegende Vorfall habe sie zutiefst traumatisiert. Seitdem suche sie jedes Hotelzimmer panisch nach versteckten Kameras ab.

Ihre Anwälte argumentierten, das Hotel hätte dem Stalker B. nicht die Zimmernummer der Moderatorin nennen dürfen und verhindern müssen, dass er das Zimmer neben ihr bucht. Der Mann hatte das fast fünfminütige Nackt-Video 2008 gedreht und im Internet veröffentlicht.

"Die Unterstützung, die ich von Opfern in aller Welt erhalten habe, ehrt mich", schrieb Andrews nach der Urteilsverkündung auf Twitter. Nach Ansicht von Experten wollte das Gericht das Urteil auch als eine Warnung an Hotels verstanden wissen, die Sicherheit ihrer Gäste nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Andrews selbst sprach davon, dass es ihr darum ging, "jene zur Verantwortung zu ziehen, deren Job es ist, Sicherheit und Privatsphäre zu schützen". Ob die Beschuldigten eine Berufung gegen das Urteil einlegen wollen, ist noch offen.

Quelle: n-tv.de

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