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Im schönen Regensburg studiert Ssaman Mardi. Hier der Blick von der Steinernen Brücke auf die Altstadt und den Dom.
Im schönen Regensburg studiert Ssaman Mardi. Hier der Blick von der Steinernen Brücke auf die Altstadt und den Dom.(Foto: imago stock&people)

Meine Heimat?: Student antwortet auf rechte Hetze

Es ist erst der zweite Tweet seines Lebens, doch der trifft den richtigen Nerv. Ein Regensburger Student findet die passende Antwort auf die rechte Hetze im Netz nach der Kölner Skandalnacht.

"Seit Silvester haben mich schon drei Leute aufgefordert in meine Heimat zurückzukehren. Was soll ich denn bitte in Göttingen?", fragt Ssaman Mardi auf Twitter. Es ist erst der zweite Tweet seines Lebens, doch damit trifft der 26-Jährige direkt ins Herz der Twitter-Gemeinde.

Denn die bittere Wahrheit ist, nicht nur die attackierten Frauen wurden in der Silvesternacht Opfer der Übergriffe, sondern auch viele deutsche Muslime. Seit den Übergriffen in Köln nimmt die ausländerfeindliche Hetze und Islamfeindlichkeit hierzulande stark zu. "Wir erleben eine neue Dimension des Hasses", sagte jüngst der Zentralratsvorsitzende der Muslime, Aiman Mazyek. Sein Verband werde telefonisch, per Mail und brieflich bedroht, zudem werde im Internet gehetzt wie nie. Der "braune Mob" tobe in den sozialen Medien und sehe seine Vorurteile bestätigt und endlich die Chance, seinem Hass auf Muslime, Ausländer, Andersaussehende und Andersdenkende freien Lauf zu lassen, so Mazyek.

Auch Mardi, dessen Vater aus dem Iran stammt, wird mit täglichen Anfeindungen konfrontiert, wie er der "Mitteldeutschen Zeitung" bestätigte. Auf der Straße und auch in Online-Foren sei er verbal angegangen worden. So habe er sich beim "Spiegel" an einer Diskussion über Schulpolitik beteiligt. "Da wurde mir vorgeworfen, ich hätte mich als Ausländer nicht zu äußern."

Seine Eltern hätten sich als Studenten in Göttingen kennengelernt, dort sei er auch geboren. In Bayern lebe er seit mehr als zwanzig Jahren. In Landshut sei er aufgewachsen, jetzt studiere er Informatik in Regensburg. Feindselige Äußerungen kenne er aus dem Alltag, "aber seit Silvester hat das zugenommen", sagte er der Zeitung. Er werde auf der Straße und online beschimpft. Deshalb habe er beschlossen, die Anfeindungen öffentlich zu machen, "statt den Frust in mich hineinzufressen".

Der Erfolg seines Tweets gibt ihm Recht. Viele der Antworten sind so ironisch wie der Tweet selbst. Oder Mardi bekommt Zuspruch von anderen Migranten, die Ähnliches erleben. Über 3000 Mal haben andere User seinen Spruch retweetet, über 5700 Mal schon geliked. Zuletzt bedankte er sich für die vielen Presseanfragen. "Ich bin weder besonders noch ein Einzelfall."

 

Quelle: n-tv.de

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