Verseuchte Baby-MilchTodesstrafen verhängt
Sechs tote Babys, 296.000 zum Teil schwer erkrankte Kleinkinder, der lange vertuschte Skandal um mit der Industriechemikalie verseuchte Säuglingsmilch hat China ins Mark getroffen. Nun wurden drei Todesurteile gefällt.
Sechs tote Babys, 296.000 zum Teil schwer erkrankte Kleinkinder, der lange vertuschte Skandal um mit der Industriechemikalie verseuchte Säuglingsmilch hat China ins Mark getroffen. Nun hat die chinesische Justiz harte Urteile gefällt. Ein Gericht in der nördlichen Provinz Hebei verhängte nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua gegen drei Männer die Todesstrafe und sprach mehrere langjährige Haftstrafen aus. Peking wertete das Urteil als Beweis für die Lebensmittelsicherheit in China.
Das Gericht in Shijiazhuang sah es als erwiesen an, dass die drei zum Tode verurteilten Männer im vergangenen Jahr Milchprodukte mit der Industriechemikalie Melamin gestreckt und dann verkauft hatten. Eines der Urteile wurde auf Bewährung ausgesetzt und könnte damit in eine lebenslange Haftstrafe umgewandelt werden. Außerdem erhielten drei weitere Angeklagte lebenslange Gefängnisstrafen, sechs weitere müssen zwischen fünf und 15 Jahren hinter Gitter. Insgesamt mussten sich in den vergangenen Wochen 21 Händler und Angestellte von Milchunternehmen vor Gericht verantworten.
Lebenslang für Sanlu-Chefin
Die prominenteste Angeklagte, die frühere Chefin des chinesischen Milchkonzerns Sanlu, wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Tian Wenhua war vorgeworfen worden, den Skandal über mehrere Monate vertuscht zu haben. Medienberichten zufolge gab es schon Ende 2007 erste Beschwerden über das Milchpulver, erste Tests ordnete das Unternehmen demnach aber erst im Juni vergangenen Jahres an. Doch obwohl dabei die Verseuchung nachgewiesen wurde, soll das Unternehmen erst im August die Behörden eingeschaltet haben - die ebenfalls nur schleppend reagierten.
Die betroffenen Familien bedauerten nach den Urteilen, dass keine Politiker zur Verantwortung gezogen wurden. "Die Verurteilten sind Sündenböcke", sagte Liu Donglin, Vater eines erkrankten Babys. "Die Behörden müssten ebenfalls bestraft werden." Eine Sprecherin des Außenministeriums in Peking sagte dagegen, die chinesische Regierung habe nach Bekanntwerden der Affäre die Bestimmungen für Lebensmittelssicherheit verschärft. Die Behörden hätten viel Wert auf die Qualität der Produkte gelegt.
Entschädigungsfonds
Sanlu und 21 andere Firmen hatten sich Ende Dezember zu Entschädigungszahlungen in Höhe von 160 Millionen Dollar verpflichtet. Die Angehörigen und ihre Anwälte kritisieren die Summe als zu gering. Manche Eltern erkrankter Kinder bekamen demnach überhaupt kein Geld, andere erhielten nur umgerechnet 231 Euro. Mehr als 200 Familien haben vor dem höchsten Gericht Chinas auf eine höhere Entschädigung geklagt.
Der Skandal um verseuchte chinesische Milchprodukte war im September 2008 aufgeflogen und hatte auch international für Wirbel gesorgt. Lebensmittel, die aus verseuchter Milch hergestellt worden waren, wurden in mehreren Ländern entdeckt, auch in Deutschland. Durch die Beimengung von Melamin sollte ein höherer Proteingehalt der Milch vorgetäuscht werden.