Panorama

Ermittlungen gegen zehn ÄrzteTote durch Behandlungsfehler

13.11.2007, 15:51 Uhr

Im nordrhein-westfälischen Krankenhaus Wegberg bei Heinsberg sind sechs Patienten nach schweren Behandlungsfehlern gestorben.

Im nordrhein-westfälischen Krankenhaus Wegberg bei Heinsberg sind sechs Patienten nach schweren Behandlungsfehlern gestorben. Das teilte die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach mit. Sie berief sich auf Aussagen von Gutachtern. Fehler habe es auch bei 13 weiteren Patienten zwischen 50 und 92 Jahren gegeben. Einige seien ebenfalls gestorben. Ihr Tod stehe jedoch nicht im Zusammenhang mit der Behandlung. In zehn Fällen seien Patienten falsch oder unnötig operiert worden, bei fünf anderen sei nicht steriler Zitronensaft zu Desinfektionszwecken genutzt worden. Einige Patienten seien auch mehrfach falsch behandelt worden. In vier Fällen stehen Gutachten noch aus. Gegen den Klinikleiter wird unter anderem wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Zehn weitere Ärzte stehen unter Verdacht.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft gehören zu den Behandlungsfehlern unnötige Organentnahmen. "In einem Fall wurde einem Patienten die Gallenblase entnommen, obwohl es keine medizinische Notwendigkeit gab", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Lothar Gathen, am Dienstag. Bei einem anderen Patienten sei fälschlich ein Tumor festgestellt worden. Aufgrund dieser Fehldiagnose sei der Patient operiert worden.

Der nicht sterile Zitronensaft wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft zum Teil äußerlich verwendet oder auch direkt in die Wunden oder in den geöffneten Bauchraum gebracht. "Den Saft hat man wie zu Hause mit einer frischen Zitrone auf einer Presse hergestellt", sagte Gathen. Die Anwendung habe für die Patienten zu einem erhöhten Infektionsrisiko geführt. Die Behörde machte keine Angaben dazu, ob die vier Patienten, deren Fälle noch geprüft werden, leben.

Die Staatsanwaltschaft weitete ihre Ermittlungen gegen zehn Ärzte aus. Sie stehen in Verdacht der Tatbeteiligung oder der unterlassenen Hilfeleistung. Bisher hatte die Staatsanwaltschaft nur gegen den Klinikleiter wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Die Bezirksregierung Köln hatte dem Chirurgen die Zulassung als Arzt entzogen.

Die Ermittlungen waren nach einer anonymen Anzeige ins Rollen gekommen. Bei einer Hausdurchsuchung in dem Krankenhaus hatte die Staatsanwaltschaft Patientenakten sichergestellt. Noch im März waren die Ermittler von zwei Todesfällen nach schweren Behandlungsfehlern ausgegangen. Bei einer 78-jährigen Frau soll laut Gutachten die Darmnaht undicht gewesen sein. Bei einem 69-jährigen Mann soll mangelnde Hygiene tödliche Folgen gehabt haben. Nach der Vernehmung von Pflegern, Angehörigen und Patienten hatte die Staatsanwaltschaft im April mit der Untersuchung von 25 Patienten-Fällen begonnen.