Panorama
"Ich werde diesen leidenschaftlichen und brillanten Mann vermissen", sagte Bundeskanzlerin Merkel.
"Ich werde diesen leidenschaftlichen und brillanten Mann vermissen", sagte Bundeskanzlerin Merkel.(Foto: dpa)

"Wir alle werden ihn vermissen": Trauer um Marcel Reich-Ranicki

Bundespräsident Gauck, Kanzlerin Merkel, Bundestagspräsident Lammert und viele andere Politiker und Prominente - sie alle würdigen die Verdienste des großen deutschen Literaturkritikers Marcel Reich-Ranicki.

"Unser Land trauert um Marcel Reich-Ranicki": Die höchsten Repräsentanten des Staates, Politiker aller großen Parteien sowie Kulturschaffende haben die Verdienste des Literaturkritikers gewürdigt. "MRR" ist im Alter von 93 Jahren nach langer Krankheit in Frankfurt am Main gestorben.

Bundespräsident Joachim Gauck würdigte Marcel Reich-Ranicki als "leidenschaftlichsten Streiter und entschiedensten Anwalt" der deutschen Literatur. "Er, den die Deutschen einst aus ihrer Mitte vertrieben haben und vernichten wollten, besaß die Größe, ihnen nach der Barbarei neue Zugänge zu ihrer Kultur zu eröffnen", erklärte Gauck. "Alle haben ihn geachtet, viele haben ihn geliebt, wir alle werden ihn vermissen", sagte der Bundespräsident. "Unser Land trauert um Marcel Reich-Ranicki."

Video

"Wir verlieren in ihm einen unvergleichlichen Freund der Literatur, aber ebenso der Freiheit und der Demokratie", erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). "Ich werde diesen leidenschaftlichen und brillanten Mann vermissen." Ni cht einmal der mörderische Hass der Nazis habe ihm seine Liebe zu den deutschen Dichtern austreiben können. Man könne nur dankbar dafür sein, dass der Sohn einer jüdischen deutsch-polnischen Familie, der Verwandte in den NS-Vernichtungslagern verlor, sein Zuhause wieder in Deutschland gefunden und dem Land so viel gegeben habe.

Bundestagspräsident Norbert Lammert schrieb in einem Beileidsbrief an den Sohn des Gestorbenen: "In seiner unnachahmlichen Art kämpfte er für eine qualitätsvolle Literatur und setzte sich für die deutsche Sprache ein." Seine eindrucksvolle Rede zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2012 im Deutschen Bundestag "bleibt unvergessen".

"Deutschland verliert einen bedeutenden Publizisten und großen Menschen. Er wird uns allen fehlen", sagte SPD-Chef Sigmar Gabriel in Berlin. Reich-Ranicki sei ein "scharfsichtiger Kritiker", "ein brillanter Literaturvermittler und eine faszinierende wie vielschichtige Persönlichkeit" gewesen.

Der Präsident der Schriftstellervereinigung PEN-Zentrum Deutschland, Josef Haslinger, würdigte MRR als "eine zentrale Figur im Nachkriegsdeutschland, nicht nur der Literaturkritik, sondern auch der literarischen Entwicklung des Landes".

"Die Welt der Literatur verliert den bedeutendsten und einflussreichsten Kritiker und Vermittler von Literatur nach 1945", schrieb Thomas Rathnow, Verlagsleiter Deutsche Verlags-Anstalt, in der Reich-Ranickis Autobiografie "Mein Leben" erschienen ist. "Dass er sich entschied, nach der Verfolgung durch die Nationalsozialisten in Deutschland zu leben und zu wirken, ist ein außergewöhnliches Geschenk."

"Wir trauern alle. Noch vor 2 Stunden habe ich ihn besucht", twitterte der Mit-Herausgeber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ), Frank Schirrmacher, am Nachmittag. Reich-Ranicki hatte lange für die "FAZ" gearbeitet.

Die Grünen würdigten den Gestorbenen als Glücksfall für die deutsche Gesellschaft. "Bis ins hohe Alter hat sich Reich-Ranicki tatkräftig dafür eingesetzt, die richtigen Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen", erklärten die Fraktionsvorsitzenden Renate Künast und Jürgen Trittin sowie die Vizepräsidentin des Bundestags, Katrin Göring-Eckardt, in Berlin. "Er hat dabei kein Blatt vor den Mund genommen."

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen