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Der Dom ist eine ewige Baustelle - die neue Nord-Süd-Bahn gefühlt ebenfalls.
Der Dom ist eine ewige Baustelle - die neue Nord-Süd-Bahn gefühlt ebenfalls.(Foto: dpa)

Krisen-Arbeitsgruppe in Köln: U-Bahn lässt Dom wackeln

"Es gibt Gefühltes, Gehörtes, Gemessenes", sagt der Domprobst in Köln. Nur wenige Meter von der Schatzkammer der Kathedrale entfernt fährt die U-Bahn in Richtung einer neuen Station. Das Wahrzeichen der Stadt erzittert. Erst der Einsturz des Stadtarchivs, nun der Dom? Experten grübeln über den Bauplänen.

Norbert Feldhoff, Propst und damit Hausherr des Kölner Doms, kann sich noch genau erinnern, als er die Erschütterungen zum ersten Mal wahrnahm. "Ich hab's gemerkt, als ich auf einem Stuhl saß, wie der anfing zu zittern", erzählt er. Für ihn besteht kein Zweifel daran, was die Ursache ist: Es sind die neuerdings vorbeifahrenden U-Bahnen.

Erschütterungen, U-Bahn, Dom. Eine unheilvollere Wortfolge ist für Kölner kaum denkbar. Denn natürlich werden da sofort Erinnerungen an den Einsturz des Historischen Stadtarchivs vor vier Jahren wach. Seitdem grassierten in der Stadt immer böse Witze, wonach als Nächstes der Dom dran ist. Und nun tatsächlich diese Überschrift in der "Kölnischen Rundschau": "U-Bahn lässt den Dom erzittern".

Unheilvolle Nachrichten

Neue Station, neue Probleme: Ein Teil des Tunnels.
Neue Station, neue Probleme: Ein Teil des Tunnels.(Foto: dpa)

Norbert Feldhoff steht dem Domkapitel vor. Es war dieses Gremium, das im Winter 1246/47 den Neubau des Kölner Doms beschloss, einer Kathedrale, die größer und höher sein sollte als alle Kirchen der Christenheit. Über 600 Jahre hat es gedauert, diese Kirche fertigzubauen. Seitdem wacht das Domkapitel über ihren Fortbestand. Die unheilvollen Nachrichten müssen die ehrwürdige Herrenrunde in Schwarz und Grau zutiefst beunruhigen.

"Es gibt Gefühltes, Gehörtes, Gemessenes", sagt Feldhoff, ein großer, hagerer Mann von Mitte 70. Die Erschütterungen seien da, ebenso Geräusche, und Dombaumeister Michael Hauck habe sie "eindeutig der Aufnahme des Fahrbetriebs der neuen U-Bahn-Linie 5 zugeordnet". Auf derartige Belastungen sei der Dom nicht angelegt. Deshalb hat der Propst gehandelt und Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) alarmiert. Nun fahren die U-Bahnen langsamer, Schallgutachter sind einbestellt, und eine Krisen-Arbeitsgruppe ist gebildet.

In Köln blickt man nun unwillkürlich nach oben, wenn man über die Domplatte läuft, und fragt sich: Er wird doch wohl nicht...? Feldhoff will keine Panikmache betreiben. "Akut muss keiner Angst haben, dass der Dom einstürzt", sagt er. "Ich habe Erdbeben in Südamerika, in Japan erlebt - das ist was ganz anderes. Dies hier sind Vibrationen - ein Zittern."

Auf Sand gebaut

Professor Klaus-G. Hinzen, Leiter der Erdbebenstation Bensberg, scheint wenig besorgt. Die Erdbebenstation hat schon vor Jahren Messgeräte im Dom installiert und bisher keine gefährlichen Ausschläge festgestellt. Und das Zittern? "Alles was in der Umgebung des Doms passiert, lässt natürlich den Dom erzittern", sagt Hinzen, "schon seit mehr als 100 Jahren auch die Eisenbahnen nebenan, die wir auch messen, wenn die in den Bahnhof rein- und rausfahren."

Mut macht auch: Der Dom ist zwar auf Sand gebaut - den Rheinsanden - aber er steht dennoch felsenfest. Das Fundament ist so dick und so tief, dass es nach Berechnungen von Statikern noch weit mehr aushalten würde als die 120.000 Tonnen Gesamtgewicht des Doms. Die gotischen Baumeister haben im Mittelalter - ganz unkölnisch - ein Zuviel an Sicherheit eingeplant. Und weil die Dombaumeister auch schon wussten, dass der Rheingraben ein Erdbebengebiet ist, haben sie die Basaltsteine des Fundaments mit elastischem Tuffstein umgeben. Japanische Architekten haben sich das später abgeguckt - für die Wolkenkratzer von Tokio.

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Quelle: n-tv.de

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