Panorama

Außerirdischen auf der Spur "UFOs brauchen gutes Wetter"

04.11.2010, 09:42 Uhr

"Hilfe, ich habe ein UFO gesehen!" Diesen Satz hört Werner Walter öfter. Der Betreiber einer "UFO-Hotline" untersucht die Ursachen solcher Berichte - und macht sich mit seinen Erkenntnissen nicht nur Freunde.

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Das Foto zeigt eine "glühende Himmelsspinne" die ein Lufthansa-Pilot am 20.11.2009 über dem Nordatlantik bei Grönland früh morgens aus dem Cockpit heraus ("groß wie zwei Flugzeugträger") aufnahm, als sie neben der Maschine hoch in den Himmel schoß. (Foto: dpa)

Werner Walter weiß, wann die UFOs kommen. Oder genauer gesagt:

Wann sich wieder Menschen melden, die unidentifizierte Flugobjekte (UFOs) gesehen

haben. "Die UFOs brauchen gutes Wetter", erklärt der große Mann mit dem

Bart. Denn dann sind die Menschen draußen und haben freie Sicht auf den Himmel,

an dem sich die rätselhaften Objekte zeigen. Und wenn es soweit ist, rufen sie Walter

an und berichten, was sie gesehen haben. Der 53-Jährige betreibt eine "UFO-Meldestelle"

in Mannheim. "Ich bin ein UFO- Phänomen-Erforscher", sagt er über sich

selbst.

Walters Arbeit hat aber eher mit Detektivarbeit als mit akademischer

Forschung zu tun. Mit gesundem Menschenverstand und Kenntnissen über Astronomie

und Fluggeräte macht er sich daran, die Hintergründe der geheimnisvollen Erscheinungen

aufzudecken. Denn dafür, da ist er sich sicher, gibt es immer natürliche Erklärungen,

seien es Sternschnuppen, Raketen oder die Internationale Raumstation ISS.

"Die UFOs sind nicht erkannte "IFOs" - identifizierte Flugobjekte",

lautet das Credo des gelernten Einzelhandelskaufmanns. Sogar ein Buch hat er bereits

über das Thema geschrieben.

VfB Stuttgart sorgt für Aufregung

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Werner Walter, Betreiber einer "UFO-Hotline" in Mannheim. (Foto: dpa)

Walter wäre möglicherweise schon im Forscher-Ruhestand, wenn

der Fußball-Bundesligist VfB-Stuttgart 2007 nicht deutscher Meister geworden wäre.

Er hatte aussteigen wollen, weil das Thema fliegende Untertassen wegen gefälschter

Fernsehberichte über Außerirdische und der TV-Serie "Akte X" "ausgelutscht"

gewesen sei. Doch 2007 ging es an einem Frühlingsabend plötzlich wieder los. Viele

Menschen sahen leuchtende Punkte am Himmel und konnten sich keinen Reim darauf machen.

"Das Telefon stand bis morgens um drei nicht mehr still", sagt er. Verblüffend:

Die Meldungen kamen nur aus Baden-Württemberg.

Nach Fernsehberichten kam Walter drauf: Die vermeintlichen UFOs

waren "Himmelslaternen" - kleine Heißluftballone aus Drachenpapier, gestartet

von VfB-Fans, die damit den Sieg feierten. Die Laternen kamen zu seinem Leidwesen

danach in Mode und bescherten ihm eine Flut von Anrufen. Waren von 1976 bis 2005

insgesamt 1400 UFO-Meldungen bei ihm eingegangen, so waren es 2007 allein 600 und

im Jahr darauf 1800. "Ich habe 2008 aus Wut meinen Anrufbeantworter aus der

Wand gerissen", sagt Walter.

Lieber hilft er in anderen Fällen. Etwa einem Piloten, der mit

dem Handy während des Fluges einen riesigen Lichtpunkt mit schweifartigen Beinen

fotografiert hat: eine Versorgungskapsel auf dem Weg zur ISS, wie Walter herausfand.

Er arbeitet viel mit dem Internet. Dort veröffentlicht er auch Erkenntnisse über

aktuelle UFO-Phänomene.

"Hängt ihn höher"

Bei seinem schwierigsten Fall musste Walter noch ohne Hilfe des

Datennetzes auskommen. Im Sommer 1990 hatten Urlauber über der Ostsee zwei seltsame

Geschwader von je 10 bis 15 gelb-orange strahlenden Lichtobjekten beobachtet. Viele

Menschen rätselten. Walter schrieb an die Behörden der DDR, um Informationen zu

erhalten - vergeblich. Erst vier Jahre später, als er in einer Talkshow über den

Fall sprach, kam der klärende Anruf eines Zuschauers: Beim letzten Manöver der Warschauer-Pakt-Staaten

- einem Seemanöver - hatten die Schiffe Magnesiumkugeln verschossen und so für das

Leuchten gesorgt. "Die haben dort halt ihr Abschlussfeuerwerk gemacht",

sagt Walter.

Der Hobby-Forscher, der in einer kargen drei-Zimmer-Wohnung lebt

und arbeitet, hatte sich schon als Schüler für Astronomie interessiert. Auf sein

Thema brachte ihn schließlich der bekannte Professor Heinz Haber, der auch Vorträge

hielt. Auf Fragen von Zuhörern habe der aber nicht immer geantwortet, sagt Walter.

"Die Leute standen dumm da." Das wurde für ihn zu einer Triebfeder.

"Ich habe immer das Bedürfnis, den Menschen Antworten auf ihre Fragen zu geben."

1976 gründete er mit Gleichgesinnten das Centrale Erforschungsnetz außergewöhnlicher

Himmelsphänomene (Cenap), das nach seinen Angaben früher 70 und heute noch

"maximal 30" Mitglieder hat.

Für seine Arbeit wird er nicht nur geliebt. "Hängt ihn höher",

dächten manche, sagt er. "Ich demystifiziere. Das ist nicht gut." Bei

Raumfahrtingenieur Rainer Kresken von der Europäischen Weltraumagentur (ESA) in

Darmstadt genießt er aber einen guten Ruf. "Herr Walter ist ein vertrauenswürdiger

Beobachter, der nichts mit diesen UFO-Spinnern zu tun hat", sagt Kresken. Walter

kenne sich sehr gut aus mit den Dingen am Himmel. "Ich habe nie gesehen, dass

er etwas Falsches geschrieben hat."

Quelle: Jasper Rothfels, dpa