Panorama

Todesstrafe nach 25 Jahren HaftUS-Häftling stirbt im Kugelhagel

18.06.2010, 08:51 Uhr
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Gardner im Staatsgefängnis von Utah. (Foto: AP)

Ronnie Lee Gardner ist tot. Vor 25 Jahren hatte er in einem Gerichtsgebäude einen Anwalt erschossen - jetzt starb er selbst im Kugelhagel der US-Justiz.

In den USA ist erstmals seit 14 Jahren wieder ein Häftling durch ein Erschießungskommando hingerichtet worden. Der 49-jährige Ronnie Lee Gardner starb kurz nach Mitternacht Ortszeit im Staatsgefängnis von Draper im Bundesstaat Utah. Er hatte vor 25 Jahren bei einem Fluchtversuch in einem Gerichtsgebäude einen Anwalt erschossen.

Gardner hatte es abgelehnt, vor der Hinrichtung noch letzte Worte zu sprechen. Nach Angaben des Leiters der Strafvollzugsbehörde, Thomas Patterson, wurde sein Tod nach zwei Minuten festgestellt. Mit Blick auf die Methode des Erschießens sagte Patterson: "Das ist eine ungewöhnliche Aufgabe, aber sie wurde professionell ausgeführt.

"Herr der Ringe"-Trilogie gesehen

Hinrichtungen dieser Art sind in den USA selten. Gardner war erst der dritte Gefangene, der nach Wiedereinführung der Todesstrafe 1976 in den USA durch Gewehrkugeln exekutiert wurde. Alle drei Hinrichtungen dieser Art gab es in Utah, die letzte 1996.

Die letzten Stunden verbrachte Gardner nach Angaben der Zeitung "Deseret News" "entspannt". Er habe vom Nachmittag an alle Teile der Fantasy-Trilogie "Herr der Ringe" gesehen. Kurz vor der Hinrichtung traf er sich dann noch mit seinem Mormonen-Priester.

Die Angehörigen von Burdell hatten zuvor erklärt, sie seien gegen die Exekution von Gardner: "Michael war eine zarte Seele. Und er liebte Menschen und er liebte das Leben", sagte seine ehemalige Verlobte, Donna Nu, dem Fernsehsender CNN am Donnerstag.

Eine Platzpatrone

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Auf diesem schwarzen Metallstuhl starb Ronnie Lee Gardner. (Foto: Reuters)

Gardner hatte vor 25 Jahren bei einem Fluchtversuch in einem Gerichtsgebäude den Rechtsanwalt Michael Burdell erschossen. Ausgerechnet die Familie des Opfers hatte sich aber intensiv dafür eingesetzt, seine Strafe in lebenslange Haft umzuwandeln. Burdell sei ein Gegner der Todesstrafe gewesen, argumentierten die Hinterbliebenen vor einer Woche vor einem Begnadigungsausschuss - vergebens. Am Donnerstag war auch ein letzter Antrag des Delinquenten beim höchsten US-Gericht gescheitert, die Hinrichtung auszusetzen.

Der 49-Jährige wurde nach Angaben der Gefängnisbehörde in einem hell erleuchteten Raum an einen Stuhl gefesselt und hatte eine schwarze Kapuze auf. Die Scharfschützen feuerten mit Winchester-Gewehren auf eine kleine Markierung, die auf dem Herz des Verurteilten platziert worden war. Eines der Gewehre war mit einer Platzpatrone geladen. Damit bleibt offen, wessen Schüsse tödlich waren: Das soll Schuldgefühle vermeiden helfen.

52 Hinrichtungen 2009

Der Staat Utah hatte zwar 2004 die Erschießungskommandos abgeschafft und verwendet jetzt die Giftspritze. Aber Gardner war vorher zum Tode verurteilt worden, deshalb hatte er die Wahl zwischen beiden Methoden. Gardner hatte sich ausdrücklich dafür entschieden, erschossen zu werden, und damit die Debatte über die Todesstrafe erneut angeheizt. Motive für diesen Wunsch nannte er vor Gericht nicht. Zuletzt war 1996 in Utah der verurteilte Kindermörder John Albert Taylor durch ein Erschießungskommando hingerichtet worden. Davor war es Gary Gilmore, der 1977 Sekunden vor den Schüssen seine Scharfrichter aufforderte: "Let's do it", nun macht schon.

Seit 1976 wurden in den USA 1041 Verurteilte durch die Spritze getötet, wie das von Gegnern der Todesstrafe getragene Death Penalty Information Center dokumentierte. 157 starben auf dem elektrischen Stuhl, elf durch Gas, drei durch Erhängen und nur zwei durch Erschießen - beide im Bundesstaat Utah. 2009 wurden insgesamt 52 Menschen in den USA hingerichtet.

Quelle: AFP