Zugunglück in EnglandVermutlich Weichenproblem
Bei einem schweren Zugunglück im Nordwesten Englands ist mindestens eine Frau getötet worden. Fünf Menschen wurden bei dem Unfall im "Lake District" sehr schwer verletzt.
Bei einem Zugunglück im Nordwesten Englands ist mindestens eine Frau getötet worden. Die ältere Frau sei in der Nacht zum Samstag an ihren Verletzungen im Krankenhaus gestorben, sagte ein Polizeisprecher bei einer Pressekonferenz. Fünf Menschen seien bei dem Unfall am Freitagabend im "Lake District" sehr schwer verletzt worden. Insgesamt seien 22 Menschen ins Krankenhaus gebracht worden. Mehr als 70 Menschen hätten Verletzungen erlitten.
An Bord des hochmodernen Pendolinozuges, der von London ins schottische Glasgow unterwegs war, seien 120 Passagiere und Zugbegleiter gewesen. Mehrere Wagen seien gegen 20.15 Uhr Ortszeit in Grayrigg bei Kendal in der Grafschaft Cumbria entgleist und teils eine Böschung hinabgestürzt. Zahlreiche Passagiere waren stundenlang in den Trümmern eingeschlossen. Nur ein Wagen sei auf den Gleisen geblieben. Kurz nach Mitternacht (Ortszeit) seien alle Passagiere aus den Unglückwagen gerettet gewesen.
Die Unfallursache war zunächst unklar. Medienberichte, dass eine beschädigte Schiene oder ein Erdrutsch das Unglück ausgelöst haben könnten, wurden nicht bestätigt. Möglicherweise ist ein Problem an den Weichen die Ursache für das Zugunglück. Unfallexperten konzentrierten sich am Samstagmorgen auf mehrere Weichen. Erste Nachforschungen wiesen auf ein mögliches Weichenproblem hin, sagte Polizeisprecher Martyn Ripley der britischen BBC. Die Zugstrecke bleibe voraussichtlich für sechs Tage gesperrt. Der Zustand der fünf Schwerverletzten sei bislang unverändert, so der Polizeisprecher.
Ein weiblicher Fahrgast sagte der BBC, kurz vor dem Unfall sei der Zug wie von starkem Wind durchgeschüttelt worden. Eine BBC-Mitarbeiterin, die unter den Passagieren war, sagte, sie habe zunächst einen Schlag wahrgenommen, dann habe der Zug angefangen "sehr dramatisch zu schaukeln". Es sei ihr so vorgekommen, als sei der Zug gegen etwas geprallt. Dann seien die Wagen "sehr, sehr schlimm von der einen auf die andere Seite geschlingert", berichtete Caroline Thomson.
Der Zug soll zu diesem Zeitpunkt mit einer Geschwindigkeit von knapp 150 Stundenkilometern gefahren sein. Das entspräche dem an dieser Stelle zulässigen Tempo, sagte ein Sprecher der Eisenbahngesellschaft. Die Pendolinozüge können eine Spitzengeschwindigkeit von etwa 200 Stundenkilometer erreichen.
Hubschrauber der Streitkräfte sowie Polizei und Feuerwehr beteiligten sich an den Rettungsarbeiten. Die Einsatzkräfte sprachen von einer "schwierigen Rettungsaktion". Die Feuerwehr konnte zunächst nicht zu den eingeschlossenen Passagieren vordringen, weil Stromkabel auf den Gleisen lagen. Der Zugang zur Unglücksstelle in dieser "sehr ländlichen" Gegend sei schwierig, sagte ein BBC-Reporter. Die Zugstrecke bleibe voraussichtlich mehrere Tage gesperrt.
Virgin Trains gehört zu 49 Prozent dem Busunternehmen Stagecoach und zu 51 Prozent der Virgin Group. Ein Virgin-Sprecher sagte dem Sender Sky News: "Das ist das erste Mal, dass ein Pendolinozug in einen solchen Vorfall verwickelt ist. Wir müssen sehr schnell herausfinden, was passiert ist."