Panorama

Chaos auf Flughafen Frankfurt"Vincent" bringt Schnee und Regen

20.12.2009, 15:29 Uhr

Die arktische Kaltluft aus Nordosteuropa hat Deutschland noch einmal strengen Frost und die kälteste Nacht der Saison gebracht. Weiße Weihnacht soll es dennoch in weiten Teilen Deutschlands nicht geben. Der Düsseldorfer Flughafen ist wegen dichten Schneetreibens gesperrt. Selbst auf Mallorca erwarten die Meteorologen Frost.

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Schnee auf dem Flughafen Schiphol, Amsterdam. (Foto: dpa)

Im rheinland-pfälzischen Dill wurden in der Nacht zum Sonntag minus 26,1 Grad Celsius gemessen - Rekord für die Gemeinde im Rhein-Hunsrück-Kreis. Auch in Freiburg im Breisgau war es mit minus 22 Grad kälter als je zuvor. Auf der Alb in Albstadt-Degerfeld wurden minus 30,3 Grad registriert.

Das Winterwetter kostete bislang mindestens sechs Menschen das Leben, vier davon starben bei Unfällen. Allein im größten Bundesland Nordrhein-Westfalen zählte die Polizei von Freitagabend bis Sonntag mehr als 1100 Unfälle mit etwa 100 Verletzten. In Brandenburg gab es an den drei Tagen fast mehr als 140 Glätteunfälle mit 20 Verletzten.

Nach Schneefällen vor allem im Westen Deutschlands sorgt Tief "Vincent" für wärmere Temperaturen, Regen und überfrierende Nässe. Bis Heiligabend dürfte sich daher die Winterpracht vielerorts in graubraunen Matsch verwandelt haben. "Vincent" zieht aus Südwesten zunächst mit viel Schnee ins Land. Daraus wird mit Wochenbeginn allerdings Schneeregen und Regen. Frostige Temperaturen am Boden dürften dann für Glatteis sorgen.

Flughafen gesperrt

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Passagiere warten in Düsseldorf auf ihren Abflug. (Foto: dpa)

Der Düsseldorfer Flughafen wurde am Sonntag wegen dichten Schneetreibens gesperrt. Ein Sprecher des Airports sagte, dass seit 9.15 Uhr keine Maschinen mehr starteten und landeten. Die Düsseldorfer Polizei teilte mit, es sei nicht klar, wann der Flugverkehr wieder aufgenommen werden könne. Manche Flüge wurden umgeleitet, andere gestrichen.

Chaos gab es auf dem Frankfurter Flughafen. Viele Flüge auf Deutschlands größtem Airport seien gestrichen oder umgeleitet worden, sagte eine Sprecherin. Seit Freitag schon störe das Wetter den Flugverkehr. "Unser Winterdienst ist ohne Pause im Einsatz." Bis zum frühen Nachmittag wurden 50 Flüge annulliert und 15 umgeleitet.

Zunge klebt fest

In Saarlouis blieb ein 16-Jähriger mit der Zunge an einem Laternenmast kleben, weil er testen wollte, ob die Zunge an dem kalten Mast tatsächlich anfriert. Zunächst konnte sich der junge Mann nicht selbst befreien, so dass einer seiner Begleiter die Polizei rief. Als der Rettungswagen eintraf, hatte sich der Jugendliche dann doch von der Laterne lösen können - die Sanitäter mussten seine blutende Zunge behandeln. Die Rettungskräfte berichteten, dass dies in der eisigen Nacht nicht der einzige Einsatz dieser Art war.

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Auf der Oder bei Frankfurt schwimmen bereits Eisschollen. (Foto: dpa)

Beim Bundesligaspiel in Hannover mussten am Samstag bei minus 13 Grad in der Halbzeit drei Balljungen ärztlich versorgt werden, die wohl in Fußballschuhen statt in warmen Stiefeln ihren Dienst taten. In Dortmund gingen die BVB-Fans trotz der beißenden Kälte sogar in die Verlängerung: Mit einer 30-minütigen Show im Stadion läutete der Club die Feierlichkeiten zum 100-jährigen Jubiläum ein.

Glatteis in den Niederlanden

Heftiger Schneefall legte den Bahnverkehr in weiten Teilen der Niederlande lahm. Auf den Straßen führte Glatteis zu zahlreichen Unfällen. Dabei kam eine Frau ums Leben. Die Behörden rieten dringend von Autofahrten ab. Besonders in der nördlichen Provinz Friesland seien viele Straßen nicht mehr befahrbar, mehrere Orte waren von der Außenwelt abgeschnitten.

Auf dem internationalen Flughafen Schiphol bei Amsterdam mussten tausende Reisende Verspätungen im Flugverkehr erdulden. Im Laufe des Sonntags weiteten sie sich teils auf mehr als zwei Stunden aus. Einige Flüge müssten gestrichen werden, warnte ein Sprecher. In Den Haag und anderen Städten wurde der Straßenbahn- und Busverkehr zeitweise eingestellt.

Auch in Belgien behinderte heftiger Schneefall erneut den Verkehr. Straßen verwandelten sich in Rutschbahnen, es kam zu zahlreichen Unfällen. Auf dem internationalen Flughafen Brüssel-Zaventem verspäteten sich die Flüge oder fielen aus. Bereits am Freitag hatte der Wintereinbruch Pendlern und Reisenden im ganzen Land zu schaffen gemacht.

15 Kältetote in Polen

Bei Temperaturen um minus 20 Grad erfroren am Samstag in Polen 15 Menschen. Eine Polizeisprecherin appellierte an die Bürger, Betrunkenen und Obdachlosen Hilfe zu leisten: "Niemand sollte in solchen Fällen gleichgültig vorbeigehen, sondern sollte die Behörden informieren." Die Beamten kontrollierten leerstehende Häuser, Gartenhäuschen und Stadtparks. Hilfsbedürftige werden in die Obdachlosenunterkünfte oder Ausnüchterungsanstalten gebracht. Seit Anfang Dezember starben an Unterkühlung 47 Menschen.

In Mannheim erfror in der Nacht zu Samstag ein Obdachloser, der im Freien auf Betonboden geschlafen hatte. Am Mittwoch war in einer verlassenen Pfadfinder-Schutzhütte in Rheinland-Pfalz ein 62 Jahre alter Mann tot gefunden worden.

Schneestürme in Bulgarien

In Bulgarien ist wegen heftiger Schneestürme in mehr als 200 Orten die Stromversorgung unterbrochen. Auf Leitungen gefallene Bäume kappten auch in der Hauptstadt Sofia vorübergehend den Strom, teilte der Zivilschutz mit. Schneeverwehungen auf vielen Landstraßen behinderten den Verkehr erheblich. Einen großen Autostau gab es auf der Autobahn aus Griechenland in Richtung Sofia. Regen erschwerten in vielen Gebieten die Lage zusätzlich. Regierungschef Bojko Borissow bat seine Landsleute im Staatsrundfunk, nach Möglichkeit auf Autofahrten zu verzichten.

Klirrende Kälte in Italien

Im Innern der Iberischen Halbinsel sanken die Temperaturen weit unter den Gefrierpunkt. Die spanischen Behörden gaben für das gesamte Land, mit Ausnahme der Kanarischen Inseln, Kältealarm aus. In nordspanischen Städten wie Burgos, León, Palencia oder Soria wurden Tiefstwerte von bis zu minus 20 Grad erwartet. Auch im Inselinneren von Mallorca erwarten Meteorologen Frost.

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Schnee und Hochwasser in Venedig. (Foto: dpa)

Der französische Wetterdienst warnt in 50 Départements vor Schnee, Glatteis und Kälte. Italien ist weiter fest im Griff klirrender Kälte. An den Flughäfen in Florenz, Bologna, Rom und Venedig fielen etliche Flüge aus, aber auch Fähren und Züge waren auf einigen Strecken lahmgelegt. Auf Sardinien sorgten heftige Regenfälle für einen Erdrutsch, der einen Zug entgleisen ließ. Dabei wurde der Lokführer getötet. In Venedig stieg das Wasser am Samstag um 114 Zentimeter. Etwa 14 Prozent der Hafenstadt standen unter Wasser, außerdem war sie vielerorts von einer Schneeschicht überzogen.

Schnee-Alarm in Washington

Einer der heftigsten Schneestürme seit Jahrzehnten legte weite Teile der US-Ostküste lahm, mindestens vier Menschen kamen ums Leben. In Washington rief Bürgermeister Adrian Fenty den "Schnee-Notstand" aus. Auch in New York wurden die städtischen Behörden in Alarmbereitschaft versetzt. Beide Städte forderten zusätzliche Maschinen, Streusalz und Personal zur Räumung der Schneemassen an.

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Gestrandet in London: Der Eurostar fährt nicht. (Foto: dpa)

Im Weihnachtsreiseverkehr zwischen Frankreich und Großbritannien herrscht noch immer Chaos, weil die Eurostar-Züge unter dem Ärmelkanal ausgefallen sind. Zehntausende Menschen mussten am Samstag und Sonntag auf ihre geplanten Fahrten verzichten. In der Nacht zum Samstag hatten 2000 Menschen stundenlang in feststeckenden Zügen unter dem Kanal ausharren müssen. Ob die Züge am Montag fahren, ist noch offen; bei Testfahrten fielen weiter Lokomotiven im Tunnel aus. Laut Eurostar ist dafür der Temperaturunterschied verantwortlich, wenn sie in die wärmeren Tunnel einfahren.

Quelle: dpa/AFP