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Eine große Tafel in Freetown in Sierra Leone klärt über Ebola-Symptome auf und gibt Hygiene-Hinweise.
Eine große Tafel in Freetown in Sierra Leone klärt über Ebola-Symptome auf und gibt Hygiene-Hinweise.(Foto: AP)

Kampf gegen Ebola-Epidemie: WHO ruft weltweiten Gesundheitsnotfall aus

Fast 1000 Menschen sind bisher in Westafrika am Ebola-Virus gestorben. Nun macht die WHO die Epidemie zum Gesundheitsnotfall und kann damit weltweit verbindliche Maßnahmen ergreifen. Auch die USA unternehmen weitere Schritte im Kampf gegen die Seuche.

Die Ebola-Epidemie in Westafrika ist zum Internationalen Gesundheitsnotfall erklärt worden. Die Einschätzung wurde einstimmig von den Viren- und Seuchen-Experten des Notfall-Komitees der zuständigen Weltgesundheitsorganisation getroffen. Das teilte die Organisation in Genf mit. WHO-Generaldirektorin Margaret Chan gab bekannt, dass sie die Empfehlungen des Notfall-Komitees vollständig angenommen habe und damit als weltweit völkerrechtlich verbindliche Gesundheitsvorschriften in Kraft setze.

Um eine weitere Ausbreitung der Epidemie zu verhindern, gelten in Liberia mittlerweile Reisebeschränkungen, die von der Armee überwacht werden.
Um eine weitere Ausbreitung der Epidemie zu verhindern, gelten in Liberia mittlerweile Reisebeschränkungen, die von der Armee überwacht werden.(Foto: dpa)

Damit kann die Organisation weltweit Vorschriften zur Eindämmung des Ebola-Ausbruchs erlassen. Möglich sind unter anderem Quarantäne-Maßnahmen wie die Schließung von Grenzen sowie Einschränkungen im internationalen Reiseverkehr. So weit wollen die Notfall-Experten aber zunächst nicht gehen. Bislang seien keine generellen Verbote im Reiseverkehr oder im internationalen Handel erforderlich, heißt es in einem Empfehlungskatalog. Ebola-Patienten sollen demnach nur in Ausnahmefällen reisen dürfen, wenn eine medizinische Behandlung vor Ort nicht hinreichend möglich ist.

Die Maßnahme der WHO hat keine konkreten Auswirkungen für Deutschland. Eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums sagte: "Für Deutschland hat das keine direkten Folgen." Nicht betroffene Staaten wie Deutschland werden von der WHO in solchen Fällen lediglich allgemein aufgefordert, sich auf mögliche Fälle vorzubereiten und entsprechende Strukturen vorzuhalten. Das sei in Deutschland ohnehin der Fall, sagte die Ministeriumssprecherin: "Wir sind aufgestellt."

Meldepflicht für alle Fälle

"Alle Maßnahmen sind darauf gerichtet, eine weitere internationale Ausbreitung (von Ebola) zu verhindern", sagte Chan in Genf. Die betroffenen Westafrikaner müssten umfangreiche Hilfe bekommen. "Sie haben einfach nicht die Kapazitäten, mit einem Ausbruch von dieser Größe und Komplexität fertig zu werden", so Chan.

Reisende müssten zudem obligatorisch über die Ebola-Lage sowie Schutzmaßnahmen informiert werden. Alle Staaten sollten vorbeugende Maßnahmen treffen, um Ebola-Fälle rasch erkennen und Infizierte isolieren und behandeln zu können. Dazu gehöre an Flughäfen und internationalen Bahnhöfen sowie Grenzübergängen die Untersuchung von Reisenden aus Regionen, die von Ebola betroffen sind.

Die Öffentlichkeit müsse ständig über die Entwicklung der Epidemie und geeignete Maßnahmen für den Selbstschutz informiert werden. Alle Staaten sind verpflichtet, jedweden Erkrankungsfall, bei dem auch nur ein Anfangsverdacht auf Ebola besteht, der WHO zu melden und umgehend entsprechende Tests durchzuführen.

EU: Wir sind vorbereitet

Die Regierungen der betroffenen Länder werden aufgerufen, wo noch nicht geschehen umgehend den nationalen Notstand auszurufen. Der Ebola-Epidemie sind in Guinea, Liberia, Sierra Leone und Nigeria nach WHO-Erkenntnissen wahrscheinlich bereits fast 1000 Menschen zum Opfer gefallen. Mehr als 1700 Menschen infizierten sich mit dem Virus. Die liberianische Regierung stellte inzwischen fünf Landkreise unter Quarantäne. Das berichtete die Zeitung "Front Page Africa" aus Monrovia. Zudem wurden Checkpoints eingerichtet.

Es ist erst das dritte Mal, dass die WHO-Seuchenexperten für die Ausrufung eines Internationalen Gesundheitsnotfalls stimmten. Zuvor wurde im Mai 2014 wegen der Ausbreitung von Polio in Pakistan und Afghanistan zu dieser Maßnahme gegriffen sowie 2009 wegen der sogenannten Schweinegrippe.

Nach Einschätzung der EU-Kommission müssen sich die Menschen in Europa wenig Sorgen um eine Ansteckung mit dem Ebola-Virus machen. Das Risiko für Bürger in der EU sei "äußerst gering", teilte EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg in Brüssel mit. "Dies liegt sowohl daran, dass es bei relativ wenigen Menschen, die in die EU reisen, wahrscheinlich ist, dass sie mit dem Virus infiziert sind." Zudem sei für eine Ansteckung direkter Kontakt mit den Körperflüssigkeiten eines Erkrankten nötig. Die EU habe die Situation verfolgt, sagte Borg. "Für den unwahrscheinlichen Fall, dass Ebola die EU erreiche, sind wir vorbereitet."

USA schickt Helfer nach Liberia

Zuvor hatten die USA die Familien ihrer Diplomaten in Liberia aufgefordert, das Land in den kommenden Tagen zu verlassen. Dies sei eine Vorsichtsmaßnahme, teilte das US-Außenministerium in Washington mit. Zugleich gab das Ministerium bekannt, dass die USA zwölf Spezialisten nach Monrovia schicken, um den liberischen Behörden bei ihren Bemühungen um die Eindämmung der Seuche zu helfen. Zudem werde ein 13-köpfiges Katastrophenhilfeteam nach Liberia entsandt. US-Bürgern riet das Außenministerium in einer Reisewarnung von nicht notwendigen Reisen in das westafrikanische Land ab.

In Saudi-Arabien gibt es derweil einen zweiten möglichen Ebola-Fall. Nach Angaben des saudischen Gesundheitsministeriums wird ein Patient, der mit dem am Mittwoch verstorbenen Saudi Kontakt hatte, im König-Fahd-Krankenhaus in Dschidda behandelt. Das Ministerium wies Gerüchte lokaler Medien zurück, es handele sich um eine Ebola-Infektion. Man werde die Öffentlichkeit in "voller Transparenz" informieren, sobald Erkenntnisse vorliegen, sagte ein Sprecher.

Wird ein neues Medikament getestet?

Die US-Lebensmittel- und Medikamentenbehörde FDA lockerte unterdessen die Beschränkungen für ein neues, noch nicht zugelassenes Medikament gegen Ebola. Wie die in Kanada ansässige Firma Tekmira mitteilte, könnte das Mittel TKM-Ebola damit an mit dem Virus infizierten Patienten in Westafrika getestet werden. Den Angaben zufolge hob die FDA die Beschränkungen für das Medikament teilweise auf, das zuvor nur für klinische Tests zugelassen war.

Nach Angaben von Tekmira zeigten Versuche mit Affen, dass TKM-Ebola "hundertprozentig" gegen Ebola wirke. Es wurde gemeinsam mit dem US-Verteidigungsministerium entwickelt. Bislang gibt es kein wirksames Medikament oder einen Impfschutz gegen den Virus. Zuvor hatte US-Präsident Barack Obama die Hoffnungen auf den Einsatz des Ebola-Mittels ZMapp gedämpft.

Der Berliner Arzt Maximilian Gertler, der kürzlich für die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen in Guinea war, warnte indes vor dem Einsatz noch nicht zugelassener Medikamente. Es sei eine Sache, diese bei aufgeklärten Menschen unter modernen medizinischen Bedingungen in den USA einzusetzen, sagte er im Deutschlandradio Kultur. Anders sei die Lage beim Einsatz der Mittel "in einer großen Population unaufgeklärter Patienten". Am wichtigsten sei es derzeit, in den betroffenen Gebieten über das Virus und Schutzmaßnahmen aufzuklären.

Quelle: n-tv.de

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