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Montag, 05. Dezember 2016

Tod der Studentin Maria L.: Was wir wissen und was nicht

Am 6. Dezember wäre Maria L. 20 Jahre alt geworden. Doch nach einer Uni-Party wird die Medizinstudentin auf dem Heimweg überfallen, vergewaltigt und am nächsten Morgen im Fluss Dreisam ertrunken aufgefunden. Der mutmaßliche Täter - ein 17-jähriger Flüchtling - ist gefasst, doch er schweigt zu den Vorwürfen. Auch deshalb sind noch viele Fragen offen.

Wie starb Maria L.?

Die 19-jährige Medizinstudentin war Mitte Oktober vergewaltigt worden, ihre Leiche wurde am 17. Oktober am Ufer des Flusses Dreisam gefunden. Die Obduktion ergab, dass Maria L. ertrank. Der genaue Tathergang ist aber noch ungeklärt. Insbesondere muss die Frage geklärt werden, ob das Opfer bewusstlos in der Dreisam lag und deshalb ertrank, oder ob sie vom Täter unter Wasser gedrückt und damit ertränkt wurde.

Was wissen wir über den mutmaßlichen Täter?

Der mutmaßliche Täter reiste im Jahr 2015 aus Afghanistan nach Deutschland ein und lebte danach als minderjähriger unbegleiteter Flüchtling bei einer Freiburger Familie. Laut "Badischer Zeitung" war der Afghane der Polizei bereits einmal zuvor aufgefallen. Dabei sei es um Körperverletzung gegangen. Die Vorwürfe hätten sich jedoch nicht bestätigt.

Kannten sich das Opfer und der mutmaßliche Täter?

Noch gibt es keinen Hinweis darauf. Derzeit werden erneut Zeugen befragt, unter anderem Gäste der Studentenparty, auf der Maria L. zuvor gewesen war. Zudem wird das Umfeld des Tatverdächtigen beleuchtet. Chefermittler David Müller zufolge wurde die Wohnung des Tatverdächtigen durchsucht, die dort gefundenen Hinweise würden nun ausgewertet. Fest steht, dass Maria L. sich wie viele andere Freiburger Studenten in der Flüchtlingshilfe engagierte. Die Eltern der Verstorbenen hatten zudem in ihrer Traueranzeige dazu aufgerufen, auf Blumen zu verzichten und stattdessen für einen Verein zu spenden, der sich in der Flüchtlingshilfe engagiert.

War die Tat geplant?

Es ist möglich, dass sich der Täter am Radweg an der Dreisam auf die Lauer legte, um gezielt Maria L. anzugreifen. Die Studentin kann aber auch ein Zufallsopfer gewesen sein. Sollten sich Täter und Opfer gekannt haben, gilt dies jedoch als unwahrscheinlich. Derzeit analysiert die Polizei Videomaterial aus der Straßenbahn, in der der Verdächtige in der Tatnacht gefahren war. Die Auswertungen sollen helfen, den genauen Tathergang zu rekonstruieren.

Wie kam es zum Fahndungserfolg?

Der Fahndungserfolg ist das Ergebnis akribischer Ermittlungsarbeit. LKA-Spezialisten schnitten am Tatort drei Säcke Brombeersträucher ab und untersuchten diese im Labor. Inmitten der Äste entdeckten sie ein einzelnes, auffällig blondiertes, fast 20 Zentimeter langes Haar. Beamte der Soko "Dreisam" werteten daraufhin Videoaufnahmen der Freiburger Straßenbahnlinie 1 aus. Diese Linie verläuft in etwa parallel zur Radstrecke, auf der Maria L. in der Tatnacht nach Hause radelte. Eine junge Beamtin entdeckte auf den Überwachungsaufnahmen einen jungen Mann, dessen auffällige Frisur zum gefundenen Haar passte. Nur zwei Tage später nahmen Zivilfahnder den jungen Afghanen in der Nähe des Tatorts fest. Die DNA der Haarwurzel des mutmaßlichen Täters stimmte mit dem Material überein, das man beim Opfer gefunden hatte. Daraufhin wurde der 17-Jährige festgenommen. Nach der Verhaftung wurde eine weitere DNA-Probe entnommen und analysiert, so dass sich die Ermittler nun sehr sicher sind, den richtigen Täter gefunden zu haben.

Was passiert jetzt mit dem mutmaßlichen Täter?

Das Amtsgericht Freiburg hat Haftbefehl erlassen. Der Vorwurf gegen den 17-jährigen Flüchtling laute auf Vergewaltigung und Mord, sagte Staatsanwalt Dieter Inhofer. In welcher JVA der Verdächtige sitzt, ist derzeit nicht bekannt. Üblicherweise kommen Jugendliche erst nach einem Urteil in einen speziellen Jugendknast. Angeklagt werden soll der 17-Jährige nach Angaben des Staatsanwalts nach Jugendstrafrecht. Es drohen ihm damit bei einer Verurteilung maximal zehn Jahre Haft sowie, unabhängig vom Alter, die Abschiebung.

Wem gehört das herrenlose Fahrrad?

Ein in Tatnähe aufgefundenes Fahrrad, das offenbar vom Täter benutzt wurde, stellt die Ermittler vor Probleme. Trotz hunderter Hinweisen aus der Bevölkerung ist der Eigentümer des Fahrrades bislang nicht gefunden.

Gibt es Zusammenhänge mit weiteren Fällen in der Umgebung?

Ob der mutmaßliche Täter für weitere Gewaltdelikte verantwortlich ist, wird derzeit geprüft. Konkrete Hinweise darauf gebe es derzeit nicht. Auch ein Zusammenhang mit der in Endingen vergewaltigten und getöteten Joggerin Carolin G. konnte bisher nicht hergestellt werden.

Quelle: n-tv.de

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