Panorama

Umweltschäden größer als gedachtWasser in Tianjin ist zum Teil verseucht

21.08.2015, 00:44 Uhr
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Die Aufräumarbeiten sind für die Einsatzkräfte riskant. (Foto: picture alliance / dpa)

Die Auswirkungen der Katastrophe in Tianjin werden immer deutlicher: Das Wasser rund um den Explosionsort ist schwerbelastet: Es werden hohe Konzentrationen giftiger Stoffe gemessen. Die Behörden versuchen, die Menschen zu beruhigen.

Die Folgen der verheerenden Explosion in Tianjin für die Umwelt könnten schwerer sein als bislang angenommen. In einer der Wasserproben rund um die Unglücksstelle stellten Prüfer eine Konzentration der schädlichen Chemikalie Zyanid fest, die um das 356-Fache über dem nationalen Grenzwert liegt. Bisher hatten die Behörden berichtet, die Zyanid-Konzentrationen überschritten den Grenzwert um das 28fache.

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Soldaten sollen gefährliche Chemikalien neutralisieren. (Foto: picture alliance / dpa)

Vom chinesischen Umweltministerium hieß es außerdem, dass an 19 von 26 Testpunkten rund um den Explosionsort Zyanid nachgewiesen worden sei. Schon vorher war bekanntgeworden, dass mehrere Wasserproben über dem nationalen Grenzwert lagen – das gewaltige Ausmaß der Belastung war aber unklar geblieben. Andere Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen: Zum Beispiel seien 73 Bodenproben in einem Radius von fünf Kilometer um den Explosionsort genommen worden.

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Das Ausmaß der Zerstörung ist gewaltig. (Foto: picture alliance / dpa)

Bei der gewaltigen Explosionsserie im Hafen von Tianjin waren am Mittwoch vergangener Woche mindestens 114 Menschen ums Leben gekommen und hunderte weitere verletzt worden. In dem explodierten Gefahrgutlager wurden nach Behördenangaben unter anderem bis zu 700 Tonnen Natriumcyanid aufbewahrt. Unklar ist aber noch, welche anderen Giftstoffe auf dem Gelände zwischengelagert waren. Die Angst der Einwohner der 15-Millionen-Stadt vor einer größeren Umweltkatastrophe ist groß.

Menschen glauben Behörden nicht

Der Vertreter des Umweltschutzamts, Tian Weiyong, versuchte, die Menschen zu beschwichtigen. Das kontaminierte Wasser sei innerhalb des Sperrbezirks isoliert und werde erst abgepumpt und entsorgt, wenn es gereinigt sei. Die Behörden erinnerten zudem daran, dass Dämme aus Sand und Erde rund um das etwa 100.000 Quadratmeter große Gebiet hochgezogen worden seien. Luft und Wasser seien für die Einwohner "ohne Gefahr", bekräftigten sie. Viele Anwohner glauben den Versicherungen nicht, und auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace rief zu erhöhter Vorsicht auf.

Staatschef Xi Jinping und andere führende Regierungsmitglieder forderten, dass alle für die Katastrophe Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Nach Angaben der Staatsmedien wurden bislang zehn Vertreter der Betreiberfirma des Lagers wegen Verletzung der Sicherheitsstandards festgenommen. Unterdessen ordnete das Militär laut einem Bericht der Armeezeitung eine Kontrolle seiner gesamten Waffen- und Munitionslager an.

Die von den Detonationen betroffenen Anwohner sollen laut Staatsmedien zumindest teilweise entschädigt werden. Demnach will die Stadtregierung von Tianjin von den Besitzern Apartments zurückzukaufen, die bei dem Unglück beschädigt wurden. Es ist allerdings noch unklar, für wen dieses Angebot gelten soll. Der Schritt kommt, nachdem Anwohner und Familien der Opfer in den vergangenen Tagen lautstark Entschädigungen gefordert und auf eine schnellere Aufklärung der Unglücksursache gepocht hatten.

Quelle: ntv.de, hul/dpa/AFP

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