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Weltweit sorgen sich zehntausende operierte Frauen um ihre Gesundheit.
Weltweit sorgen sich zehntausende operierte Frauen um ihre Gesundheit.(Foto: AP)

Skandal um Billig-Brüste : Weitere Krebsfälle in Frankreich

Mindestens 20 Frauen mit Silikonbusen des französischen Implantate-Herstellers PIP sind an Krebs erkrankt. Ob es einen Zusammenhang gibt, ist weiter völlig unklar. Dennoch will PIP-Gründer Mas offenbar unter dem Dach eines neuen Unternehmens weiter Billigprothesen herstellen.

Die Zahl der Krebserkrankungen unter Frauen mit Billig-Brustimplantaten des französischen Herstellers PIP ist höher als bislang bekannt. Nach jüngsten Angaben der Aufsichtsbehörde Afssaps wurden bis zum 28. Dezember 20 Fälle registriert. Bislang waren nur neun bekannt gewesen. Die Afssaps betonte allerdings erneut, dass bislang kein Zusammenhang zwischen Tumorerkrankungen und PIP-Implantaten bewiesen sei.

Von den 20 betroffenen Frauen erkrankten 15 an einem Adenokarzinom in der Brust und 3 an Lymphdrüsenkrebs. Zudem sei ein Lungenkrebsfall und ein Leukämiefall aufgetreten, berichtete die Afssaps.

Auch wenn die Prothesen gesundheitsschädlich sind, will der Gründer der umstrittenen Brustimplantate-Firma PIP, Jean-Claude Mas, offenbar unter dem Dach eines neuen Unternehmens weiter Billigprothesen herstellen. Mas sei "Berater" einer Implantate-Firma, die seine Kinder im Juni gründeten, berichtete die Zeitung "Nice Matin". In Italien wurden Ermittlungen gegen Mas eingeleitet, der seine Einlagen auch dort verkaufte.

Weltweiter Verkauf geplant

Laut dem Handelsregister von Toulon soll das neue Unternehmen France Implant Technologie (FIT) chirurgisches und zahntechnisches Material herstellen. Dem Geschäftsplan zufolge, den "Nice-Matin" veröffentlichte, will FIT aber Brustimplantate produzieren und greift dabei "dank seiner Mitarbeiter" auf eine 30-jährige Erfahrung zurück. Neben Mas sollen zwei weitere PIP-Führungskräfte in dem neuen Unternehmen arbeiten.

Ziel sei es, die Produkte ab dem nächsten Sommer auf dem europäischen, südamerikanischen und chinesischen Markt zu verkaufen. Verkaufsländer in Europa sollen demnach Deutschland, Großbritannien, Spanien, Italien und die Schweiz sein. Von einem Verkauf in Frankreich ist laut "Nice-Matin" nicht die Rede.

PIP-Gründer Jean-Claude Mas: Implantate sind nicht gesundheitsschädigend.
PIP-Gründer Jean-Claude Mas: Implantate sind nicht gesundheitsschädigend.(Foto: dpa)

Die 2010 aufgelöste Firma PIP hatte weltweit hunderttausende mit einem Billig-Silikon gefüllte Brustimplantate verkauft. Das hausgemachte Gel wird für Entzündungen und sogar Krebsfälle verantwortlich gemacht. In einem bisher einzigartigen Aufruf empfahlen die französischen Behörden rund 30.000 Frauen in Frankreich, sich die PIP-Silikonkissen vorsichtshalber wieder entfernen zu lassen, auch wenn es keinen Beweis für ein Krebsrisiko gebe.

Behörden empfehlen Entfernung der Einlagen

Auch Frauen in Deutschland tragen die Brusteinlagen, genaue Zahlen sind allerdings nicht bekannt. Die deutschen Behörden empfehlen auch nicht pauschal, sich die Kissen entfernen zu lassen.

In Italien, wo die Zahl der betroffenen Frauen auf 5000 geschätzt wird, leitete die Staatsanwaltschaft Turin am Freitag Ermittlungen gegen Mas ein. Dem 72-Jährigen werden Betrug und Verkauf eines gesundheitsschädlichen Produktes vorgeworfen.

Die brasilianische Gesundheitsbehörde Anvisa verbot den Einsatz der PIP-Implantate. Rund 10.000 der Silikonkissen, die bisher nicht verkauft wurden, sollen nun eingezogen werden. Gut 24.000 kamen in den Handel, die Behörden empfehlen den betroffenen Frauen nun eine ärztliche Untersuchung.

In Frankreich könnte eine Strafanzeige der staatlichen Krankenversicherung Cnam den Weg für eine millionenschwere Entschädigung für die OPs freimachen, in denen die gesundheitsschädlichen Einlagen nun herausgenommen werden. Cnam erstattete Anzeige gegen Unbekannt wegen "schwerer Irreführung und Betrugs" der Sozialkasse. Die Kosten, die für die Sozialversicherung durch eine Operation der betroffenen Frauen entstehen, werden auf rund sechzig Millionen Euro geschätzt.

Quelle: n-tv.de

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