Panorama

Verkehrschaos und SchlittschuheWeltweites Winterwetter

08.01.2010, 18:18 Uhr

Polarkälte und Schneeberge oder Überschwemmungen beherrschen die Nordhalbkugel. Von Europa bis Japan sorgen die Wetterbedingungen für ein Verkehrschaos. In Großbritannien wird das Gas knapp - und die Niederländer freuen sich bereits auf den härtesten Schlittschuh-Marathon der Welt.

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Nicht nur in Spanien braucht man derzeit eine Mütze - oder einen Schneeschirm. (Foto: REUTERS)

SPANIEN: Schnee und Eisglätte haben den Spaniern vor allem in der Nordhälfte des Landes "Polarkälte" beschert. Auf den Straßen der Pilgerstadt Santiago de Compostela in Galicien kam es zu einem Chaos, weil der Schnee den Verkehr lahmlegte, wie der Rundfunk berichtete. Auch in Asturien, Kantabrien, dem Baskenland, Aragonien und Katalonien mussten zahlreiche Landstraßen wegen Schneefalls gesperrt werden. Auf der Ferieninsel Mallorca sorgten Regen und Sturm für Probleme. Wegen schwerer See sei der Hafen von Palma geschlossen worden. Die Meteorologen sagten Schneefälle auf Meereshöhe voraus.

ITALIEN: Auch Italien steht weiterhin unter dem Einfluss einer Schlechtwetterfront. Wie italienische Medien berichteten, kam es vor allem im Norden des Landes durch starken Schneefall zu zahlreichen Behinderungen. So musste der italienisch-französische Grenzübergang "Col de Larche" bei Cuneo in den Cottischen Alpen gesperrt werden. Ebenfalls untersagt für Laster über 7,5 Tonnen wurde der Übergang nach Frankreich bei Aosta. In Südtirol herrschte weiterhin Lawinengefahr. Die Römer beobachteten hingegen bei strömendem Regen weiter mit Besorgnis den Pegelstand des Tibers: Der große Wasserlauf erreichte bereits einen Stand von 10,22 Metern.

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Die Niederländer können ihrem zweitliebsten Hobby frönen. (Foto: AP)

NIEDERLANDE: Immer mehr Niederländer frönen bei anhaltendem Frost ihrer größten Fitness-Leidenschaft nach dem Radfahren - dem Schlittschuhlaufen. In vielen Teilen des ebenso flachen wie wasserreichen Landes sind Kanäle, Flüsse und Seen inzwischen durchgefroren. Alle Hoffnungen richten sich nun darauf, dass zum ersten Mal seit Jahren wieder die Elfstedentocht - der härteste Schlittschuh-Marathon der Welt - stattfinden kann, wie die Zeitung "De Telegraaf" berichtete.

GROSSBRITANNIEN: Die Engländer haben bei den kältesten Temperaturen des bisherigen Winters gezittert. In den schottischen Highlands froren die Menschen bei bis zu minus 21,6 Grad, teilte der Wetterdienst mit. In anderen Landesteilen sanken die Werte auch auf arktische Temperaturen, was Straßen weiter zu Rutschbahnen machte, den Bahn- sowie den Flugverkehr unter anderem in London Gatwick, Heathrow und Stansted behinderte. Tausende Schulen meldeten weiterhin schulfrei. Außerdem wurde das Gas wegen der Rekordnachfrage knapp. Wegen der klirrenden Kälte strich die Bahngesellschaft Eurostar die Hälfte ihrer Züge zwischen Paris und London. Angesichts der niedrigen Temperaturen werde der Verkehr "bis Sonntag eingeschränkt" bleiben, warnte das Unternehmen. Fünf Spiele in der englischen Fußball-Premier-League wurden wegen Schnee und Eis abgesagt.

FRANKREICH: Ergiebige Schneefälle haben den Verkehr in großen Teilen Frankreichs behindert. Die von Norden kommende "Schneewalze" erreichte die Mittelmeerküste, wo sie bei Marseille in Regen überging. Mehrere Autobahnen wurden gesperrt. Der Schwerverkehr wurde untersagt. Örtlich wurden Schulen geschlossen, weil die Schulbusse nicht fahren konnten. Der Winter brachte auch den Bahnverkehr unter dem Ärmelkanal teilweise zum Erliegen. Eurostar strich wegen des harten Winterwetters in England alle frühen und späten Züge zwischen London und Paris beziehungsweise Brüssel.

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In Albanien weiten sich die Überschwemmungen weiter aus. (Foto: dpa)

ALBANIEN: Die seit Tagen über Nordalbanien hereinbrechenden Überschwemmungen weiteten sich aus. Rund um die Stadt Shkodra befinden sich über zweitausend Häuser und neuntausend Hektar Land unter Wasser, gab das Innenministerium in der Hauptstadt Tirana bekannt. Knapp 3500 Menschen mussten aus den Flutgebieten in Sicherheit gebracht werden. Die über 100.000 Einwohner zählende Stadt Shkodra sehe wie ein See aus, weil manche Stadtteile über einen Meter tief unter Wasser stehen, wie die Medien berichteten.

RUSSLAND: In Russland brachten tagelange Schneefälle in einigen Landesteilen den Zug- und Straßenverkehr fast zum Erliegen. Ein Chaos blieb aber weitgehend aus, da viele Menschen die orthodoxen Weihnachtsfeiertage zu Hause verbrachten. In Moskau mussten die Hauptstraßen sowie das Zentrum mit dem Roten Platz bei rund 20 Zentimeter Neuschnee mit Schneefräsen geräumt werden.

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In Tschechien werden am Wochenende bis zu 70 cm Neuschnee erwartet. (Foto: AP)

TSCHECHIEN: Wegen anhaltender Schneefälle hat Tschechien die vorübergehende Schließung zweier Grenzübergänge für den Lastwagen-Verkehr angekündigt. Betroffen wären die Grenzen zu Deutschland bei Rozvadov und zur Slowakei bei Lanzhot, wie die tschechische Nachrichtenagentur CTK unter Berufung auf das Verkehrsministerium in Prag meldete. Für das Wochenende sind in Tschechien bis zu 70 Zentimeter Neuschnee ankündigt.

INDIEN: Dichter Nebel in der indischen Hauptstadt Neu Delhi hat zu massiven Verspätungen oder zum Ausfall von Flügen und Zügen geführt und Chaos auf den Straßen ausgelöst. Der Nachrichtensender NDTV berichtete, die Sicht werde sich noch weiter verschlechtern. In der Nacht zuvor habe auf der Lande- und Startbahn Nebel mit Sichtweitern von nur noch rund 50 Metern geherrscht. Derzeit zieht eine Kältewelle über Nordindien. Für Samstag wurde für Neu Delhi eine Tiefsttemperatur von sieben Grad Celsius vorhergesagt.

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Sibirische Tiger fühlen sich bei dem Wetter wohl - auch im Harbin Tiger Park im nordöstlichen China. (Foto: AP)

CHINA: Eine neue Eiseskälte soll China erfassen. Das nationale Wetteramt sagte voraus, dass eine weitere Kaltfront in den nächsten zehn Tagen große Teile des Landes erreichen wird. Schneestürme werden selbst weiter südlich in den Regionen um den Jangtse-Strom erwartet.

JAPAN: In Japans nördlicher Provinz, die auch Schnee-Land genannt wird, türmen sich teilweise 2,30 Meter hohe Schneemassen. Das ist für die Bewohner allerdings nichts ungewöhnliches, in jedem Jahr müssen die Menschen hier tägliche ihre Hausdächer von den schweren, weißen Niederschlägen befreien. Problematisch ist allerdings, dass die Bewohner auch dieser Region immer älter werden und ganze Landstriche zunehmend entvölkern. Immer mehr Menschen sind deswegen auf Hilfe angewiesen. Gemeinden und Nachbarn organisieren Hilfstrupps.

Quelle: dpa