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Donnerstag, 10. August 2017

Hagel, Regen, Sturm: Wie mies ist dieser Sommer wirklich?

Vollgelaufene Keller, verhagelte Grillpartys und verregneter Urlaub - die Klage über den Sommer ist allgegenwärtig. Wie schlecht ist das Wetter im Vergleich wirklich? Laut n-tv Meteorologe Björn Alexander liegen die Extreme dieses Jahres noch im Bereich des Normalen.

n-tv.de: Heftige Gewitter, Dauerregen, Überflutungen. Nicht nur bei uns, sondern auch in unseren Nachbarländern. Wo war es denn zuletzt besonders schlimm?

Vor allem im Alpenraum im Bereich Norditalien und Österreich war es besonders schlimm. Neben zum Teil sehr sonnigen und heißen Phasen zogen dort nämlich immer wieder teilweise schwere Gewitter mit Überflutungen und Sturm- und Hagelschäden durch. Und auch derzeit erstreckt sich eine unwetterträchtige Luftmassengrenze vom Norden Italiens über Österreich und Tschechien bis in den Süden und den Südosten Deutschlands bis herauf nach Polen.

Was ist dort zu erwarten?

Im Juli kam ungewöhnlich viel Regen vom Himmel. Vollkommen unnormal ist das aber nicht.
Im Juli kam ungewöhnlich viel Regen vom Himmel. Vollkommen unnormal ist das aber nicht.(Foto: picture alliance / Julian Strate)

Einerseits Dauer- und Starkregen in Kombination mit Gewittern und Sturmböen. Andererseits auch mittlerer bis großer Hagel. Und auch das Tornadorisiko ist teilweise erhöht - eine mitunter extreme und sehr gefährliche Wetterlage. Erst am Wochenende wird sich diese Situation schrittweise entspannen, wenn sich nämlich kühlere Luft durchsetzt beziehungsweise die schwülwarme bis -heiße und energiegeladene Luft ostwärts abgedrängt wird.

Wie schlimm wird es bei uns?

Bis es im Laufe des Wochenendes ruhiger und trockener wird, drohen gebietsweise nochmals kräftige Regenfälle. Vor allem wegen der zum Teil nassen Vorgeschichte ist diese Wetterlage jetzt mal wieder eine brisante. Aus jetziger Sicht drohen in Teilen von Franken, in Thüringen und insbesondere in Sachsen Überschwemmungen und sogar ein mittleres bis größeres Hochwasserereignis. Das betrifft allerdings primär die Nebenflüsse. An der Elbe sowie am Main besteht nach momentanem Stand keine Hochwassergefahr.

Immer wieder Regen und Überschwemmungen - wie schlimm war der Sommer 2017 aus meteorologischer Sicht bisher?

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Der Juni war in weiten Landesteilen überdurchschnittlich sonnig mit 120 bis 150 Prozent der ansonsten üblichen Sonnenstunden. So schien die Sonne in Saarbrücken 279 Stunden lang (123 Prozent). Einzig im äußersten Norden verfehlte die Sonne ihr Soll knapp. Schleswig verbuchte nur 217 Sonnenstunden. Das entspricht 94 Prozent der normalen Sonnenausbeute. Alles in allem summiert sich das landesweit auf eine leicht überdurchschnittliche Sonnenbilanz von 117 Prozent. Darüber hinaus war der Juni deutschlandweit zu warm mit  Abweichungen von gut 1 bis 4,3 Grad. Das ist enorm. Die Mittelwerte in Deutschland waren insgesamt 2,56 Grad über dem langjährigen Durchschnitt. Besonders heiß war es im Süden und in der Mitte. Dort prasselten nur so die Hitzerekorde an vielen Messstationen. In Trier zum Beispiel wurden gleich mehrmals hintereinander neue Allzeitrekorde für einen Juni aufgestellt mit bis zu 37,2 Grad oder 36,7 Grad am Flughafen Köln/Bonn oder in Gera mit 34,2 Grad.

Wie verhielt es sich mit dem Regen?

Im Norden war der Juni deutlich zu nass. Dort fiel teilweise fast die dreifache Monatsmenge. Im Westen und Süden war es dagegen viel zu trocken mit teils nur einem Drittel der normalen Regenmenge. In Frankfurt etwa gab es nur 25,4 Liter pro Quadratmeter, das sind gerade einmal 3 Prozent des Regensolls.

Und dann kam ja auch noch der Regen im Juli.

Genau. In Sachen Regen war der Juli landesweit zu nass bis deutlich zu nass. Durch einige Unwetter kam auch schon mal mehr als das Dreifache des üblichen Regens zustande. Beispielsweise im Norden Brandenburgs rund um Neuruppin und Berlin sowie im Harz. Landesweit fielen im Mittel 163 Prozent der normalen Juli-Regenmenge. Die Sonnenbilanz war aber dennoch halbwegs ausgeglichen. Und auch bei den Temperaturen gibt es keine größeren Abweichungen zu vermelden. Kurzum: Der Juni war überdurchschnittlich sonnig und oft zu trocken – der Juli launisch und oft zu nass. Und natürlich ist auch der Start in den August alles andere als gut verlaufen. Aber all das passt in die Bandbreite der mitteleuropäischen Sommer, die uns neben Sommerluft vom Mittelmeer und Nordafrika auch immer mal wieder atlantische Luftmassen aus westlichen bis nordwestlichen Richtung bringen kann. Einzig die mitunter enormen Regenmengen im Juli fallen schon etwas aus der Normalität heraus.

Ist der Klimawandel schuld? Laut der Trump-Regierung gibt es ihn ja eigentlich gar nicht.

Den Klimawandel hat es schon immer gegeben. Das ist Fakt. Und es wird ihn auch immer geben. Auch das ist ein Faktum. Einzig die Geschwindigkeit der Veränderung hat sich scheinbar durch das Zutun des Menschen drastisch erhöht. Und auch die Niederschlagsverteilung dürfte sich mit dem Klimawandel verändern. Sowohl räumlich als auch zeitlich. Insofern passt das in das Bild, das Klimaforscher uns seit Jahren prognostizieren. Und auch wenn man den menschlichen Anteil am Klimawandel aufgrund von wirtschaftlichen Gründen oder wegen der eignen Wählerschaft kleinreden will, so ändert das nichts daran, dass die fossilen Energie- und Brennstoffe irgendwann aufgebraucht sind und dass langfristig gespeichertes Kohlendioxid damit in Unmengen in den Kreislauf der Wasser-Atmosphäre zurückgeführt wurde.

n-tv Meteorologe Björn Alexander
n-tv Meteorologe Björn Alexander

Zurück zum Wetter bei uns: Wie wird es am Wochenende?

Nach Dauerregen und teils sehr kühlen Werten, die auf den Bergen der Alpen auch wieder Schnee zulassen, steht im Laufe des Wochenendes eine erste Wetterbesserung an, der nächste Woche mal wieder sommerliche Temperaturen folgen werden. Ein stabiles Dauerhoch ist zwar nach wie vor nicht in Sicht, aber immerhin wird es mal wieder für ein paar schönere und wärmere Tage reichen.

Was bringt uns der Samstag?

Im Südwesten gibt's Auflockerungen. Auch im Osten hat die Sonne durchaus Chancen. Ansonsten bleibt es zunächst noch wolkiger mit etwas Regen oder ein paar Schauern. Dabei bleibt es weiterhin recht kühl bei 15 Grad in der Eifel und im Fichtelgebirge und 16 bis 19 Grad im übrigen Land. Nur am Oberrhein bis 21 Grad.

Wie sieht es am Sonntag aus?

Im Südwesten sowie bei den Nordlichtern häufiger sonnig. Zwischendrin Sonne und Wolken im Wechsel, aber kaum Regen. Die Temperaturen erreichen an den Alpen und an der Küste bei Seewind um die 18 und bis zu 24 Grad im Breisgau.

Immerhin. Und am Montag folgt ein neues Sommerintermezzo?

So ist es. Nach frischer Nacht und Auflösung vor Nebelfeldern wird es tagsüber heiter und trocken. Dazu 20 Grad im Norden und bis 27 Grad am Rhein und seinen Nebenflüssen. Am Dienstag im Nordwesten neue Schauer und Gewitter, in der Osthälfte noch sonnig. Verbreitet sommerlich warm bei 25 bis 29 Grad, am Oberrhein und im Rhein-Main-Gebiet 30 bis 31 Grad.

Quelle: n-tv.de

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