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Mittwoch, 08. Juni 2016

Schwere Schäden bei Unwettern: Windhose fegt durch Hamburger Osten

Überflutete Straßen und Blitzeinschläge: Nach den Unwettern der vergangenen Woche toben nun auch über dem Norden, Westen und Süden Deutschlands schwere Gewitter mit Sturmböen. In Hamburg wird sogar ein Tornado beobachtet.

Ein Unwetter mit einer Windhose hat im Hamburger Osten eine Schneise der Zerstörung hinterlassen. "Auf Hunderten Meter Länge gibt es massive Schäden", sagte ein Feuerwehrsprecher am späten Dienstagabend. Verletzt wurde niemand.

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Am Morgen hielten die Aufräumarbeiten an. Die Einsatzkräfte räumten in den betroffenen Stadtteilen im Nordosten vor allem umgeknickte Bäume und abgebrochene Äste fort, wie ein Sprecher der Feuerwehr sagte. Der zwischenzeitlich verhängte Ausnahmezustand sei wieder aufgehoben worden. Die Rettungskräfte waren seinen Angaben zufolge seit Dienstagabend zu mehr als 250 Einsätzen ausgerückt.

Schuld an der Zerstörung ist "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" ein Tornado, sagte eine Sprecherin des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Angesichts der Bilder und Berichte über entwurzelte Bäume, Hagel mit mehr als drei Zentimetern Größe und Starkregen, könne dies angenommen werden. Die Einsatzkräfte vor Ort haben mit zahlreichen Widrigkeiten zu kämpfen. "Wir müssen uns den Weg freikämpfen", sagte der Feuerwehr-Sprecher.

Dutzende Bäume wurden entwurzelt.
Dutzende Bäume wurden entwurzelt.(Foto: dpa)

Überall liegen Bäume auf der Straße, die Sägen der mehr als 1000 Helfer von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und anderen Einrichtungen dröhnen durch die Nacht. Dutzende umgestürzte Bäume lägen allein auf einer vierspurigen Straße, sagte der Feuerwehr-Sprecher. Das stark beschädigte Dach eines neungeschossigen Hochhauses habe gerade noch vor dem Absturz gesichert werden können.

Zahlreiche Häuser wurden abgedeckt, Keller liefen voll. Eine Kleingartenanlage im Stadtteil Farmsen gleicht einem Trümmerfeld. Gartengeräte und Rohre liegen durcheinander, eine Laube ist völlig weggerissen, nur ein Sofa steht noch im Freien. Der Tornado habe nur wenige Minuten gedauert, sagte eine 47-jährige Laubenbesitzerin, deren Gartenhaus schwer beschädigt wurde. Die Einsatzkräfte rückten nach Angaben der Feuerwehr innerhalb weniger Stunden bereits zu mehr als 300 Einsätzen aus.

Fontänen aus Kanälen

Auch aus NRW wurde Starkregen mit örtlichen Überschwemmungen gemeldet.
Auch aus NRW wurde Starkregen mit örtlichen Überschwemmungen gemeldet.(Foto: dpa)

Auch die niedersächsischen Kleinstadt Damme bei Vechta stand am Abend zu drei Viertel unter Wasser, sagte der Einsatzleiter der Freiwilligen Feuerwehr, Sven Schröder. Das Unwetter habe gegen 17.15 Uhr begonnen. Innerhalb von 20 Minuten seien 70 Liter pro Quadratmeter gefallen. Ein Polizeisprecher in Damme sagte am Abend: "Wir hatten hier schon mal Wasser auf den Straßen stehen, aber so etwas wie heute hatten wir noch nicht."

In Nordrhein-Westfalen waren vor allem das Ruhrgebiet und das Münsterland betroffen. Stellenweise waren in Münster 70 Liter Regen niedergegangen. Besonders betroffen war der Bereich Loddenheide: Straßen und eine Bahnunterführung wurden überflutet, Keller liefen voll. Das Fazit der Stadt war dennoch: "Münster ist glimpflich davongekommen."

In einigen Städten fielen sogar binnen einer Stunde 100 Liter Regen pro Quadratmeter. In Wuppertal schossen Fontänen aus den Kanälen, zahlreiche Autos standen im kniehohen Wasser. Blitze trafen einen Baum auf einem Kindergartenspielplatz und ein Haus. Über Verletzte wurde zunächst nichts bekannt. Nahe Essen und Recklinghausen liefen Keller und Unterführungen voll.

Unwetter auch im Südwesten

Zudem erreichten heftige Unwetter mit starkem Regen auch wieder Teile Baden-Württembergs. Örtlich fielen innerhalb einer Stunde mehr als 30 Liter Regen pro Quadratmeter. Besonders betroffen waren die Regionen um den Schwarzwald, vor allem der Ortenaukreis und der Kreis Calw. In Unterharmersbach schlug ein Blitz in ein Wohnhaus ein und verursachte mehrere Tausend Euro Schaden. Verletzte gab es zunächst nicht. In Heidelberg wurde bei Unwettern außerdem ein Baum entwurzelt, mehrere Straßen waren überflutet. Auch im Rest des Landes drohen der Prognose zufolge bis in die Nacht immer wieder Gewitter. Auch Hagel ist möglich.

Die Flutwelle rauscht durch Eppelborn.
Die Flutwelle rauscht durch Eppelborn.(Foto: imago/Becker&Bredel)

Auch an der Saar wurde "Land unter" gemeldet. Dort wurden in einem Ortsteil des saarländischen Eppelborn mehrere Menschen aus Fahrzeugen gerettet. "Sie wurden vom Wasser eingeschlossen", sagte ein Sprecher des Lagezentrums in Saarbrücken. Verletzt worden sei im gesamten Land nach derzeitigem Stand niemand. Schäden habe das Unwetter außerdem vor allem in Illingen, Wallerfangen und Sulzbach angerichtet. Mehrere Straßen seien von Wasser und Geröll überspült worden. In einigen Gemeinden sei zwischenzeitlich der Strom ausgefallen.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) forderte nach den Überschwemmungen in Baden-Württemberg eine Versicherungspflicht gegen Elementarschäden. Eine entsprechende Initiative habe er in der Ministerpräsidentenkonferenz schon einmal eingebracht. "Ich finde, dass diese Unwetterereignisse das noch mal stützen", sagte er. Solche extremen Wetterlagen könne es überall geben, und ihre Zahl werde zunehmen.

Die n-tv Wetterredaktion erwartet, dass die Gewitterserie mit Unwettern und Hagel in den kommenden Tagen zu Ende geht. Noch bis Donnerstag sind heftige Unwettern sind. In NRW könnte sich das Wetter schon ab Mittwoch beruhigen. Das kommende Wochenende wird dann deutschlandweit deutlich kühler mit Regen.

Quelle: n-tv.de

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