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Zerschmettert liegt die riesige Röhre bei Grischow am Boden: Gutachter suchen in den Trümmern nach der Unglücksursache.
Zerschmettert liegt die riesige Röhre bei Grischow am Boden: Gutachter suchen in den Trümmern nach der Unglücksursache.(Foto: imago/BildFunkMV)
Dienstag, 13. Dezember 2016

Rotor-Unfall bei Grischow: Windrad-Crash gibt Experten Rätsel auf

Wie lange können Windräder gefahrlos rotieren? Ein Unfall in Mecklenburg-Vorpommern wirft Fragen zur sicheren Laufzeit der Anlagen auf. Bei Grischow ist ein Mast nach 16 Jahren einfach gebrochen. Techniker schließen einen Anschlag als Ursache aus.

Die Ursache für den Einsturz einer Windkraftanlage bei Grischow in Mecklenburg-Vorpommern ist nach Ansicht von Experten vermutlich ein defektes Bauteil. Das hätten erste Untersuchungen zweier Gutachter und anderer technischer Experten am Dienstag ergeben, sagte der Geschäftsführer der Betreiberfirma Ökofair Energie, Christian Herz.

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Welches Bauteil im Einzelnen versagt habe und warum, das müsse noch geklärt werden, hieß es. Die Experten könnten aber schon jetzt einen Anschlag oder eine mutwillige Manipulation als Einsturzursache ausschließen. Der abgebrochene 70 Meter hohe Mast in der Gemeinde Süderholz war am Sonntag bemerkt worden, verletzt wurde niemand.

Das umgeknickte Windrad ist Teil eines Windparks mit insgesamt 21 Anlagen. Am Unfallort unweit der Bahnstrecke von Berlin nach Stralsund lagen Rotor, Propeller- und Turmreste auf der Erde. Laut Polizei blieb ein Turmstumpf von 25 Metern stehen.

16 Jahre alter Windpark

Errichtet wurde der Windpark im Jahr 2000. Damals waren etwa 17,5 Millionen Euro investiert worden, um das Rotorenfeld mit einer Leistung von knapp 13 Megawatt ans Netz zu bringen. Ein ähnlicher Windpark steht in Gardelegen in Sachsen-Anhalt.

Techniker sicherten zu Wochenbeginn zerstörte Teile der Anlage auf dem Feld der Gemeinde Süderholz, wie Ökofair-Geschäftsführer Herz erklärte. Mehrere Gutachter sollen die Reste genauer unter die Lupe nehmen. "Das kann aber länger dauern", sagte Herz. Der Park soll am Netz bleiben. "Wir haben keine Anhaltspunkte, dass das ein Serienfehler war."

Anlage korrekt gewartet?

Nach Informationen der in der Region erscheinenden "Ostsee-Zeitung" soll es sich nicht um den ersten Vorfall dieser Art handeln. Bereits vor zwei Jahren sei eine Anlage desselben Typs "DE 48/600" der Firma DeWind im brandenburgischen Elbe-Elster-Kreis umgeknickt, heißt es in einem Bericht der Zeitung. Damals soll ebenfalls der Mast des Windrades in der Mitte durchgebrochen sein. Gutachter hätten "auffällige Rostspuren" festgestellt. Der Hersteller sei inzwischen nicht mehr am Markt. Nach Angaben von Ökofair wird nun geprüft, ob es Parallelen zwischen beiden Fällen gibt.

Der Landkreis Vorpommern-Rügen, zuständig für die Bauaufsicht der Anlagen bei Grischow, lässt sich nach Angaben eines Sprechers sämtliche Wartungsprotokolle des Betreibers schicken. Sollten sich aus diesen Protokollen Wartungslücken ergeben, werde der Windpark gesperrt, sagte ein Kreissprecher. Anzeichen für Probleme bei der Wartung gibt es bislang nicht. Experten zufolge haben solche Windräder im Regelfall eine Lebensdauer von 20 bis 25 Jahren.

Windkraftgegner zeigten sich nach dem Vorfall dennoch beunruhigt. "Dieser Unfall wirft die Frage auf, wie sicher die Windräder tatsächlich sind", sagte der Vorsitzende der Partei "Freier Horizont", Norbert Schumacher. Zum Glück habe niemand auf dem Acker gearbeitet. Wenn Anlagen mit bis zu 230 Meter Höhe aufgestellt würden, müsse die Sicherheit für die Menschen gewährleistet werden, möglicherweise durch Einzäunen, sagte Schumacher.

Land der Rotoren

Unfälle an Windkraftanlagen sind angesichts der insgesamt rund 26.000 in Deutschland installierten Anlagen sehr selten. Im März 2013 war ein Windrad bei Grimmen in Mecklenburg-Vorpommern in Brand geraten. Da das Feuer in etwa 100 Meter Höhe ausbrach, blieb der Feuerwehr damals nichts anderes übrig, als zu warten bis es von allein ausging. Ende August brannte eine Anlage im Münsterland. Auch hier konnte die Feuerwehr nur zusehen.

Für den aktuellen Unfall könne nach ersten Untersuchungen nicht der Wind die Ursache sein, bestätigte Ökofair-Chef Herz. Starkwind habe es nicht gegeben. Nun müssten aber viele Messdaten der Windräder ausgewertet werden. Nach Angaben der Betreiber war bereits eine Planung für eine Erneuerung des Windparks bei Rakow/Grischow mit deutlich höheren Türmen vorgesehen.

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Quelle: n-tv.de

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