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Die Küsten im Norden trifft es besonders hart.
Die Küsten im Norden trifft es besonders hart.(Foto: dpa)

Tausende Unfälle: "Xaver" tobt über Deutschland

Abgedeckte Dächer, umstürzende Bäume, Schneegestöber und zahlreiche Unfälle: Orkan "Xaver" fegt mit aller Kraft über Deutschland hinweg. Sogar vor Schloss Bellevue spürt man seine Auswirkungen.

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Sturmflut, Stromausfälle, Störungen im Straßen-, Flug- und Zugverkehr: Mit Windgeschwindigkeiten um die 150 Stundenkilometer zog Orkan "Xaver" über Deutschland, im ganzen Land kam es zu Tausenden Unfällen. Erneut war vor allem der Norden betroffen, hier knickte "Xaver" viele Bäume um und deckte Dächer ab. Die Auswirkungen blieben aber geringer als bei Orkan "Christian" Ende Oktober.

In Nord- und Mitteleuropa waren zeitweise Zehntausende Haushalte ohne Strom, in Deutschland etwa in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, aber auch in Gemeinden in Eifel und Westerwald.

Besonders schlimm traf es Hamburg. Hier erreichte der Scheitel der Sturmflut gegen 6.15 Uhr einen Wasserstand von 3,98 Meter über dem Mittleren Hochwasser. Bei der verheerenden Flut 1962 hatte der Wasserstand in Hamburg einen ähnlichen Wert. Damals waren die Deiche aber noch deutlich niedriger und weniger stabil. Allgemein war nur die Flut von 1976 noch höher, wie es bei der Hamburger Innenbehörde hieß. An diesem Abend wird eine weitere, niedrigere Sturmflut erwartet. Im Hafen gilt für sehr große Schiffe weiterhin ein Fahrverbot.

Der bekannte Fischmarkt und einige Straßen entlang der Elbe standen unter Wasser. Ein Altenheim war vom Wasser eingeschlossen. Ein Zug der Hamburger Hochbahn war gegen einen umgestürzten Baum gefahren und entgleist.

Schulen geschlossen

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In Schleswig-Holstein und Hamburg sowie Teilen Niedersachsens war auch an diesem Freitag schulfrei, ebenso in Mecklenburg-Vorpommern an staatlichen Schulen. In Berlin und Brandenburg war die Schulpflicht aufgehoben. Viele der bundesweit vorsorglich geschlossenen Weihnachtsmärkte sollten am Freitag wieder offen für Besucher sein. Laut Deutschem Wetterdienst wurden in Glücksburg in Schleswig-Holstein sogar 158 Stundenkilometer Windgeschwindigkeit gemessen.

Am Bremer Weserstadion, das vor dem Hauptdeich liegt, blieb der Höchststand der Flut knapp unterhalb des schützenden Dammes. Das Fußball-Bundesligaspiel zwischen Werder Bremen und Bayern München am Samstag kann stattfinden.

Auf den Flughäfen in Hamburg, Hannover oder Bremen wurden etliche Flüge gestrichen, der Fernverkehr der Bahn zwischen Hannover, Bremen und Oldenburg war ebenso kurzzeitig unterbrochen wie die Schnellstrecke Hamburg-Berlin. Generell muss mit längeren Verspätungen gerechnet werden, wie die Bahn mitteilte. Alle gesperrten Strecken in Nordrhein-Westfalen und Sachsen sind dagegen inzwischen wieder freigegeben.

Wegen eines umgestürzten Baums saßen Reisende im Münsterland am Donnerstagabend stundenlang in einem Zug fest. Die Passagiere der privaten Eurobahn zwischen Münster und Dortmund mussten mehr als fünf Stunden südlich von Münster ausharren, wie der Privatbahnbetreiber Keolis bestätigte. Oberleitung und Bahn seien im Sturm von dem herabgestürzten Baum in Ascheberg-Davensberg beschädigt worden.

Inseln abgeschnitten

Die Inseln und Halligen vor Schleswig-Holsteins Küste waren vom Festland aus nicht mehr zu erreichen. Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck zeigte sich nach der Sturmnacht erleichtert. "Heute Nacht hat Deutschland den Atem angehalten und auf unsere Deiche geschaut - sie haben Stand gehalten."

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Auf Helgoland, Deutschlands einziger Hochseeinsel, deckte der Sturm vereinzelt Häuser ab und drückte Fensterscheiben ein. An der Helgoland vorgelagerten Düne kam es zu größeren Sandabtragungen. In Berlin riss der Sturm den 13 Meter hohen Weihnachtsbaum vor Schloss Bellevue um, dem Amtssitz von Bundespräsident Joachim Gauck.

In deutschen Mittelgebirgen wie Harz, Rhön oder Erzgebirge gab es oft Neuschnee, weiterer wird erwartet. In Bayern brachte die Nacht Neuschnee - etwa im Allgäu, in München oder auch Deutschlands höchstem Berg, der Zugspitze. In Cuxhaven wurde das Dach eines Hochhauses abgedeckt, in Stralsund das Dach eines Discounters.

Tote in Polen und Nordeuropa

Auch in Nachbarländern wie den Niederlanden oder aber in Skandinavien und Großbritannien ging es meist glimpflich aus. In Polen aber starben in Pommern drei Menschen, als ein Baum auf ihr Auto fiel, Hunderttausende Haushalte waren ohne Strom. In Großbritannien und Skandinavien gab es bereits Donnerstag drei Tote. In Großbritanniens Küstenregionen verbrachten Hunderte die Nacht zum Freitag in Schulen und anderen Notunterkünften.

In Dänemark rollten am diesem Freitagmorgen die ersten Züge wieder aus den Bahnhöfen. Am Donnerstag war der Zugverkehr eingestellt worden.

Kosten noch unklar

Die finanzielle Folgen des Sturms lassen sich aber noch nicht abschätzen. Dafür sei es noch viel zu früh, sagte ein Sprecher der weltgrößten Rückversicherers Munich Re. Dieser Prozess werde Wochen brauchen. "Xaver" zeige aber deutlich die Wichtigkeit von vorbeugenden Maßnahmen wie Küstenschutz oder Warnsystemen. Zwar habe sich die Bedrohung durch Winterstürme in Europa in den vergangenen 30 Jahren nicht wesentlich verändert, jedoch zeigten die getroffenen Schutzmaßnahmen an den Küsten Wirkung.

Das zeige etwa das Beispiel Hamburg. Die Hansestadt habe nach der verheerenden Sturmflut von 1962 auf heutige Werte umgerechnet rund 2,2 Milliarden Euro in den Hochwasserschutz investiert, sagte der Sprecher. Nach 1962 habe es inzwischen fünf Sturmfluten gegeben, die die Pegelstände von 1962 überschritten haben, aber weit weniger Schäden anrichteten. Nach einer Simulation der Munich Re haben die Schutzmaßnahmen Schäden in Höhe von rund 17,5 Milliarden Euro verhindert.

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Quelle: n-tv.de

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