Schweinegrippe-Alarm in DüsseldorfMassentests an Schule
Mindestens 30 Kinder der japanischen Schule haben sich mit der Schweinegrippe angesteckt. Hunderte Mitschüler, Geschwister und Eltern müssen nun einen Rachenabstrich machen und werden auf das neue H1N1-Virus getestet.
In Scharen treffen Familien bei strömendem Regen an der japanischen Schule im wohlhabenden Düsseldorfer Stadtteil Niederkassel ein. Eltern und Kinder tragen Mundschutz. Freundlich, aber bestimmt sperren zwei Schulangestellte in dunklen Anzügen, ebenfalls mit weißem Mundschutz sowie bunten Regenschirmen den Eingang hinter einer hohen Hecke ab. Wer in der Schule anruft, hört ein Stimmengewirr. Es herrscht Notstand, obwohl Feiertag ist. Das Gesundheitsamt ist angerückt.
Mindestens 30 Kinder der japanischen Schule haben sich mit der Schweinegrippe angesteckt. Hunderte Mitschüler, Geschwister und Eltern müssen nun einen Rachenabstrich machen und werden auf das neue H1N1-Virus getestet. Mit den infizierten Schülern ist die Zahl der Schweinegrippe-Fälle in Deutschland sprunghaft auf mehr als 100 angestiegen.
Insgesamt besuchen rund 560 Kinder die japanische Schule, etwa 30 Lehrer sind dort beschäftigt. Erkrankt sind bisher vor allem Sechstklässler. Die Schule wird bis mindestens 19. Juni geschlossen bleiben. Wie das neue H1N1-Virus eingeschleppt wurde, war zunächst unklar. Ein sechsjähriger Junge war nach einem Urlaub auf der Mittelmeerinsel Malta erkrankt. Der Großteil der Fälle stammt aber aus einer anderen Klasse, die vergangene Woche einen Ausflug unternommen hatte und gar keinen Kontakt mit dem Sechsjährigen hatte. Ganze Familien müssen mindestens eine Woche in Quarantäne zu Hause bleiben.
Konsulat arbeitet auf Hochtouren
Trotz der beunruhigenden Situation läuft der Massentest diszipliniert ab. Ein 40-jähriger Familienvater eilt mit Frau und achtjährigem Sohn zum Auto. Seine 11-jährige Tochter gehe in die sechste Klasse und sei infiziert worden. "Auch wir müssen jetzt zu Hause bleiben und die Testergebnisse abwarten", sagt er. "Viele Vorräte haben wir nicht", sagt der Vater und lacht hinter seinem Mundschutz. "Aber wir hoffen, dass die japanische Regierung uns hilft." Ein anderer Vater sagt: "Meine Firma hat Verständnis, dass ich nicht zur Arbeit gehen kann." In vielen japanischen Unternehmen wurden die Mitarbeiter bereits am Vortag vor der Schweinegrippe gewarnt.
Das japanische Generalkonsulat arbeitet auf Hochtouren. "Wir liefern den Familien wichtige Medikamente nach Hause", sagt ein Konsulatssprecher. Auch stehe genügend Impfstoff bereit. Sollten die Familien Lebensmittel und Wasser brauchen, will die japanische Gemeinde helfen. Und sollte sie an ihre Grenzen stoßen, dann sei auch die Stadt bereit einzuspringen, sagt der Sprecher Kai Schumacher. Japanische Dolmetscher seien im Dauereinsatz. Die Labore arbeiteten unter Hochdruck an den Tests, sagt er.
Nirgendwo in Deutschland leben so viele Japaner wie in Düsseldorf. Rund 7600 wohnen allein in "Dyusseru", tausende weitere in der Umgebung. Die Rheinmetropole entwickelte sich seit den 1950er Jahren zur Basis japanischer Unternehmen in Deutschland und ganz Europa. Das ist nicht zuletzt der ausgeklügelten Infrastruktur zu verdanken; so wurde die japanische Schule bereits 1971 eröffnet. Japanische Restaurants, Geschäfte und Hotels gehören heute ebenso zum Stadtbild wie japanische Manager und ihre Familien.
An diesem Samstag wollen wieder wie jedes Jahr Hunderttausende Besucher zum Japan-Tag nach Düsseldorf pilgern und das riesige Feuerwerk, Sumo-Ringer und Samuraikämpfer bewundern. Absagen will die Stadt das beliebte Fest wegen der Schweinegrippe aber nicht. "Das steht im Augenblick nicht zur Debatte", sagt Schumacher.