Freitag, 23. September 2011
Kopf, Arme und Haut entfernt: 18-jährige Syrerin in Haft getötet
Seit Monaten gehen in Syrien Menschen auf die Straße und demonstrieren gegen das Regime Assad. Viele Aktivisten werden verhaftet und verschwinden in den Foltergefängnissen des Geheimdienstes. Amnesty International deckt jetzt offenbar einen der schockierendsten Fälle von Folter in Behördengewahrsam auf.Eine 18-Jährige ist in Syrerin nach Informationen von Amnesty International vermutlich in Geheimdienst-Haft getötet und verstümmelt wurde. Die Eltern von Sainab al-Hosni hätten ihre Tochter im Leichenschauhaus von Homs gefunden - Kopf und Arme waren abgetrennt, die Haut entfernt. "Wenn sich bestätigt, dass Sainab in Behördengewahrsam war, als sie starb, dann ist dies einer der schockierendsten Fälle von Tötungen unter Arrest, die wir kennen", erklärte der Amnesty-Vizedirektor für Nahost, Philip Luther.
Sainabs Eltern waren eher zufällig auf die verstümmelte Leiche ihrer Tochter gestoßen. Ins Leichenschauhaus wurden sie beordert, um die Leiche ihres Sohnes Mohammed abzuholen. Mohammed Dib al-Hosni (27) war ein politischer Aktivist in seiner Heimatstadt Homs. Der Geheimdienst hatte ihn am 10. September festgenommen. Seine Leiche habe Folterspuren aufgewiesen, darunter Brandwunden von ausgedrückten Zigaretten und Wundmale auf dem Rücken, sowie Einschüsse in Brust und Gliedmaßen, hieß es in der Amnesty-Mitteilung.
Tausende Syrer fliehen in den Libanon - auch dort wird - wie hier in Tripoli - gegen Assad protestiert.
(Foto: REUTERS)
Wie viele andere Aktivisten, die die Proteste gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad organisieren, arbeitete Al-Hosni im Untergrund. Geheimdienst-Agenten hatten seine Schwester Sainab am 27. Juli festgenommen und verschleppt, um Druck auf ihn auszuüben, sich den Behörden zu stellen. Ihr Schicksal war bis zur Auffindung ihrer Leiche unbekannt.
Falsche Erklärung vorgelegt
Beim Abholen der Toten musste die Mutter der beiden eine Erklärung unterzeichnen, dass ihre Kinder von "bewaffneten Banden" entführt und getötet worden seien. Die Regime-Propaganda berichtet immer wieder von "bewaffneten Banden", die Angehörige der Sicherheitskräfte, aber auch einfache Bürger töten würden.
Amnesty hat der Mitteilung zufolge Kenntnis von 103 Fällen, in denen syrische Bürger seit Beginn der Proteste im März mutmaßlich in Behördenhaft getötet wurden.
dpa
Hintergründe zur Nachricht
Bilderserien zur Nachricht
Politik
-
Mehr als 30 tote Kinde
Massaker sorgt für Empörung
-
Rückbau der Atomruine dauert 30 Jahre
Abklingbecken sicher vor Beben
-
Umstrittenes Atomprogramm
Iran baut zweites AKW
-
Anerkennung von Gesundheitsschäden
SED-Opfer warten jahrelang
-
Idealer SS-Mann und blonde Bestie
Aufstieg und Tod des Reinhard Heydrich
-
Deutsche Interessen vernachlässigt?
Steinbrück: Kanzlerin vereinsamt
-
Zustimmung zum Fiskalpakt
Schwarz-Gelb macht Druck
-
Eintrag in Flensburg
Ramsauer verschärft Punkte
-
Unregelmäßigkeiten in Ägypten
Sabahi will die Wahl anfechten
-
Einkäufe für die Rüstung
De Maizière droht Industrie
-
Schock über Massaker in Syrien
UN-Beobachter bestätigen 92 Tote
-
Mutmaßlicher NS-Kriegsverbrecher
Klaas Carel Faber gestorben